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Verfahren: Pigmentdruck

Verfahrenstyp: Chromgelatineverfahren

Text: D. Münzberg (Hamburg,1999)

 

Erfinder

Das Prinzip geht auf Talbot zurück, der im Jahr 1852 entdeckte, dass chromierte Gelatine an den vom Licht getroffenen Stellen ihre Quellfähigkeit verliert – die Basis aller Chromatverfahren.

Unter Ausnutzung dieser Tatsache entwickelte der Franzose Alphonse Louis Poitevin im Jahr 1855 ein Verfahren zur Herstellung photographischer Kopien: Der Ur-Pigmentdruck erblickte das Licht der photographischen Welt. Weiter verbessert und für die Praxis optimiert durch Adolphe Fargier in Frankreich und Joseph Wilson Swan (1828‐1914) in England, erlaubte der Pigmentdruck die Herstellung außerordentlich tonwertreicher und haltbarer Bilder.

 

Prinzip

 

  • Basis ist ein mit Farbpigmenten angereichertes, ungehärtetes Gelatinepapier, das durch Versetzen mit Chromsalzen seine
    Lichtempfindlichkeit erhält.

  • Im folgenden Belichtungsprozess unter einem Negativ härtet sich die Gelatine, dabei exakt dem Dichteverlauf des Negativs folgend,
    mehr oder weniger stark in die Tiefe. An den belichteten Stellen verliert sie ihre Quellfähigkeit, es entsteht das –  zunächst noch unsichtbare –  Gelatinerelief.

  • Quetscht man nun das belichtete und kurz gewässerte Pigmentpapier auf ein sogenanntes Übertragungspapier (gehärtetes, farbloses Gelatinepapier) und entwickelt dieses ,Sandwich‘ in warmem Wasser, so bleibt auf dem Übertragungspapier das oben erwähnte Gelatinerelief zurück. Die unbelichtete Pigmentgelatine wird ausgewaschen. Zurück bleibt ein zwar seitenverkehrtes, aber sehr tonwertreiches, haltbares Pigmentgelatinebild.

  • Problematisch war früher die unumgängliche Doppelübertragung, wenn seitenrichtige Bilder erzielt werden sollten. Das relativ dicke Glasnegativ konnte nicht ohne Schärfeverlust durch die Rückseite belichtet werden, was bei einfachem Übertrag zwingend notwendig gewesen wäre. Also übertrug man das Relief zunächst auf einen glatten, wasserfesten Zwischenträger, entwickelte diesen komplett und quetschte im nächsten Arbeitsgang das feuchte Übertragungspapier auf das Trägermaterial samt Relief. Nach dem Trocknen sprang der jetzt hochglänzende Pigmentdruck von selber ab. Heute erspart man sich diesen komplizierten Arbeitsgang und belichtet einfach durch die Rückseite des dünnen Filmmaterials, um eine seitenverkehrte Übertragungskopie zu erhalten.

 

Anwendungszeitraum

Die Blütezeit des Pigmentdrucks lag in Europa in der Zeit von etwa 1890 bis hinein in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts. Etwas weniger häufig ausgeübt, gehörte er aber noch bis etwa 1940 zu den in Amateurkreisen gängigen Kopierverfahren. Rationalisierung und Automatisierung in der Photographie machten in der Folgezeit den Pigmentdruck zu einer nur noch wenig benutzten und mittlerweile weithin unbekannten Kopiertechnik.

Eine gewisse Renaissance erlebte der Pigmentdruck in den 80er Jahren dieses Jahrhunderts, als Künstler und Galeristen ihn aufgrund seiner Haltbarkeit und seines beispiellosen Tonwertreichtum schätzen lernten. Heute ist es leider schwierig geworden, professionelles Pigmentdruckpapier zu beschaffen, da sich die Produktion für die Hersteller offenbar nicht mehr lohnt. In der Hochzeit dieser Kopiertechnik gab es eine Fülle verschiedenfarbiger Pigmentpapiere als Fabrikware zu kaufen, heute muss man sich, falls man überhaupt noch fündig wird, mit ein- bis zwei Farbtönen zufrieden geben.

Eigenschaften

Die Bilder zeichnen sich durch eine sehr gute Schärfe sowie einen enormen und bis heute unübertroffenen Tonwertreichtum aus. Es ist theoretisch möglich, die gesamte Grauwertskala eines Negativs im Pigmentdruck zu reproduzieren. Für die Kunstphotographen stand aber die Stabilität des Pigmentbildes im Vordergrund, denn verglichen mit der Haltbarkeit eines zu jener Zeit üblichen Albumin-, Gaslicht- oder auch Silbergelatinepapiers war der Pigmentdruck von ,unendlicher‘ Stabilität.

Manipulationen hingegen sind nicht möglich, es sei denn, man arbeitet willentlich in das noch feuchte, verletzliche Gelatinerelief mit Pinsel oder anderen Gegenständen hinein.

Der Pigmentdruck wäre wohl eine gute Alternative zum normalen Schwarzweißdruck und dabei insbesondere für Tonwertliebhaber zu empfehlen. Leider lässt er sich zur Zeit nicht ausüben, da kein Material am Markt zu bekommen ist.

Der klassische Pigment (Kohle)- Druck ist nicht zu verwechseln mit dem heute von vielen Firmen angebotenen "Pigmentdruck" auf Basis von Tintenstrahldrucken!! Diese Drucke sind zwar qualitativ ausgezeichnet und gut haltbar, haben aber nichts mit dem historischen Pigmentdruck gemeinsam.

Die unten abgebildeten Pigmentdrucke wurden von D. Münzberg ausgeführt.

Nach dem Pigmentdruck von
Heinrich Wilhelm Müller
Bauern bei der Ernte,1901

MGK Hamburg


Abb. 1
schwarzbrauner Pigmentdruck. Der Farbton des Originals konnte nicht reproduziert werden, da Pigmentpapiere in Europa heute kaum noch am Markt sind. Restbestände gibt esnur noch
in Schwarz und Schwarzbraun. Erweiterte Manipulationen sind beim Pigmentdruck nicht möglich.

Abb. 2
rötlicher Pigmentdruck.
Diese Abbildung zeigt eine Alternative auf Heliogravure-Pigmentpapier.