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Der Platindruck
von
Arthur Freiherrn von Hübl,
k. u. k. Major und Vorstand der
technischen Gruppe im
k. u. k. militär-geographischen Institute in Wien.
Druck und Verlag von
Wilhelm Knapp
Halle a. S. 1895
INHALT
Das Prinzip des
Platindruckes
I. Abschnitt
Das Platinpapier und seine Herstellung
1. Die Eisensalze
A. Das oxalsaure Eisenoxid
(Eisen-III-oxalat)
B. Das
Eisen-II-oxalat
C. Die Doppelsalze des Eisen-III-oxalats
2. Die
Verb. des Platins und ihr Verhalten gegen Reduktionsmittel
A. Das Platinchlorid
(Platinichlorwasserstoffsäure)
B. Das Palladium
3. Die Chemie des
Platindruckes
A.
Vorgang bei der Belichtung
B.
Vorgang bei der Entwicklung
4. Das Rohpapier
und seine Vorbereitung
5. Die Sensibilisierung
A. Zusammensetzung der
Sensibilisierungslösung
1. Die Menge des Platinsalzes
2. Die Menge des Eisensalzes
3. Zusätze zur Sensibilisierung
3.a Oxidierende Substanzen
3.b Reduzierende Substanzen
B. Das Überziehen des
Papiers mit der Sensibilisierung
6. Die
Haltbarkeit der sensibilisierten Papiere
II. Abschnitt
Die Ausführung den Platindruckes
1. Methode.
Platin-Eisenpapiere mit Entwicklung
Der Entwicklungsprozeß
Das Kopieren auf
Platinpapieren
A.
Der Kaltentwicklungsprozeß
Das Entwickeln
B.
Der Heißentwicklungsprozeß
Das Entwickeln
Sepia-Platinbilder
Sepiadrucke mit kalter Entwicklung
2. Methode. Eisenpapier mit Platin im Entwickler
3. Methode. Der Platindruck mit Selbstentwicklung
Praktische Ausführung
Auskopierverfahren von J. Pizzighelli
A. Schwarze Bilder
Das Kopieren
B. Sepiabilder
a) Mit Palladiumsalzen
b) Mit Quecksilbersalzen
Vergleich der Methoden
A) Der Charakter der Bilder
B) Die Herstellung das
Papiers
C) Die Haltbarkeit des
Papiers
D) Das Kopieren
E) Das Entwickeln
F) Der Platinverbrauch
III. Abschnitt.
Die Vollendung der Platinkopien.
1. Das Verstärken und
Färben.
A)
Silberverstärkung.
B)
Platinverstärkung.
C) Die
Goldverstärkung.
D) Färben der Platinbilder
mit Uran- und Eisensalzen.
2. Die
Retusche und die Ausstattung der Bilder.
Die Retusche
3. Haltbarkeit der
Platindrucke.
4. Über die
Anwendung des Platinprozesses.
Während viele Silbersalze, besonders das
bekannte Chlorsilber, bei der Belichtung eine Zersetzung erfahren und sich unter
Ausscheidung des Metalles schwärzen, ist gegenwärtig kein Platinsalz bekannt, dem diese
Eigenschaft zukommen würde.
Um daher Platinbilder herzustellen, muß stets ein Umweg eingeschlagen werden.
Man überzieht das Papier mit
einer passenden, lichtempfindlichen Substanz, kopiert unter einem Negativ und verwandelt
dann die so erhaltene, provisorische Kopie in ein Platinbild. Dieser Umwandlungsprozeß
beruht immer auf Reduktion eines Platinsalzes; die belichteten Stellen der Kopie müssen
reduzierende Eigenschaften besitzen, sie müssen imstande sein, Platin aus seinen
Lösungen in metallischer Form, als zartes, dunkles Pulver abzuscheiden. Aus diesen
Erwägungen folgt, daß die lichtempfindliche Schicht durch Einwirkung des Lichtes
reduzierende Eigenschaften annehmen muß.
Eine solche lichtempfindliche Substanz ist z. B. das Chlorsilber; im Licht entsteht
metallisches Silber oder Subchlorid und diese Körper sind imstande, Platinsalze zu
zersetzen. Taucht man also ein auf Chlorsilberpapier hergestelltes Bild in die Lösung
eines Platinsalzes, so tritt an Stelle der vorhandenen Silberteilchen metallisches Platin
- das Silberbild wird in ein Platinbild umgesetzt. Man macht von diesem Prozeß, den man
als »Platintonung« bezeichnet, vielfach Gebrauch. Benutzt man, wie üblich, als Tonbad
eine Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat (K2PtCl4), so läßt sich die
Umsetzung der Silberkopie in ein Platinbild durch folgende Formel ausdrücken:
2 Ag + K2PtCl4
= 2 AgCl + Pt + 2 KCl
Es gelingt aber auf diesem Wege nicht,
lediglich aus Platin bestehende Bilder herzustellen.
Die Umsetzung ist immer nur eine teilweise und auch nach langer Dauer des Prozesses
enthält das Bild zum großen Teil noch unverändertes Silber, wie dies ja auch beim Tonen
mit Goldsalzen der Fall ist. Platingetonte Silberdrucke bleichen daher bei der Behandlung
mit Kupferchlorid, Quecksilbersublimat etc. aus, weil das noch unverändert, Silber durch
diese Reagenzien in weißes Chlorsilber übergeführt wird. Das Betupfen eines Bildes mit
Kupferchloridlösung ist daher ein bequemes Mittel um platingetönte Silberkopien von
wirklichen Platinbildern zu unterscheiden.
Bei dem oben angeführten Tonprozeß entsteht
Chlorsilber und um das Bild lichtecht zu machen, muß dieses durch Behandlung mit
Fixiermitteln entfernt werden. Auch behält das Bild immer den Charakter der Silberkopie,
wenn auch seine Farbe den Platindruck vortäuscht. Ein anderer, viel rationellerer Weg zur
Herstellung von Platinbildern basiert auf der Anwendung lichtempfindlicher Eisensalze.
Gewisse 3-wertige Salze des Eisens werden nämlich im Licht leicht zu 2-wertigen
Eisensalzen reduziert, denen ein mehr oder minder kräftiges Reduktionsvermögen zukommt.
Überzieht man also Papier mit der Lösung eines Eisensalzes, das in der 3-wertigen Form
genügend lichtempfindlich ist und in der 2-wertigen so kräftig reduzierend wirkt, daß
es aus Platinverbindungen das Metall abzuscheiden imstande ist, so kann das bei der
Belichtung entstehende Eisenbild durch Behandlung mit Platinlösungen in ein Platinbild
umgesetzt werden.
Dieser Bedingung entspricht in vollkommener Weise das oxalsaure Eisenoxid
(Eisen-III-oxalat).
Bei der Belichtung eines mit diesem Salz überzogenen Papiers entsteht ein nur schwach
sichtbares, aus Eisen-II-oxalat bestehendes Bild. Dieses besitzt zwar an und für sich
nicht die Fähigkeit Platinsalze zu reduzieren, es erlangt aber diese Eigenschaft durch
Befeuchten mit einem gelösten Oxalat.
Um daher das schwach sichtbare Eisenbild in ein Platinbild überzuführen, taucht man es
in eine Platinsalz und Kaliumoxalat enthaltende Flüssigkeit. Auf allen vom Licht
getroffenen Stellen wird sich dann quantitativ das vorhandene Eisen-II-Salz in
metallisches Platin in Form eines schwarzen Pulvers abscheiden.
Man bezeichnet diese Umwandlung des provisorischen Eisenbildes in das definitive
Platinbild als »Entwicklung«.
Dem Eisen-Platin-Verfahren liegt stets dieses Prinzip zu Grunde, das sich aber in
verschiedener Weise praktisch durchführen läßt. Man kann:
1. wie oben angenommen,
Eisen-III-oxalat-Papier belichten und mit einer Lösung von Platinsalz und Kaliumoxalat
entwickeln (»Platindruck mit Platin im Entwickler«),
2. das Platinsalz der
Eisen-III-oxalatlösung zufügen, mit dieser Mischung das Papier sensibilisieren und nach
dem Belichten das Bild mit einer Lösung von Kaliumoxalat entwickeln (»Heißentwicklungsverfahren«),
3. die
Sensibilisierungslösung überdies mit der entwickelnden Substanz versetzen, das Papier
also mit einer Mischung von Eisen-III-oxalat, Platinsalz und Kaliumoxalat sensibilisieren.
In diesem Fall ist nach der Belichtung lediglich das Befeuchten mit Wasser erforderlich,
um die Entstehung des Platinbildes zu bewirken
(»Platindruck mit Selbstentwicklung«).
Alle drei Verfahren finden in der Praxis
Verwendung:
Das erste, der »Platindruck mit Platin
im Entwickler«, wird verhältnismäßig wenig angewendet, verdient aber die vollste
Beachtung, denn es übertrifft an Schönheit der Resultate, Sicherheit und Klarheit der
Ausführung die beiden anderen Methoden.
Bei dem zweiten Prozeß kann der Entwickler
entweder im heißen Zustand benutzt werden »Heißentwicklungsverfahren«, wobei
die Umwandlung des Eisenbildes sehr rasch vor sich geht oder man wendet kalte Lösungen
von Kaliumoxalat an »Kaltentwicklungsverfahren«, was einen etwas trägeren Verlauf der
Entwicklung zur Folge hat.
Der Heißentwicklungsprozeß ist das älteste Verfahren, es erfordert eine kurze
Belichtung und liefert sehr weiche, zarte Bilder; die Kaltentwicklung macht zwar eine
etwas längere Belichtung notwendig, die Bilder neigen leicht zu übermäßiger Brillanz,
sie ist aber so einfach durchzuführen, daß sie in neuerer Zeit vorwiegend zur Anwendung
gelangt.
Das dritte Verfahren, oder »Platindruck
mit Selbstentwicklung«, wurde von J. Pizzighelli 1887 beschrieben und hat sich,
wegen der Einfachheit der Ausführung und der Sicherheit beim Kopieren, zahlreiche Freunde
erworben. Belichtet man dieses Papier trocken, so wird auch nur ein schwaches Eisenbild
sichtbar werden, das aber sogleich in das schwarze Platinbild übergeht, wenn man dem
Papier Feuchtigkeit, etwa durch Anhauchen, zuführt. Legt man daher das Papier in feuchtem
Zustand in den Kopierrahmen ein, so findet schon während der Belichtung die
Platinreduktion statt, das Bild wird schon während des Kopierens sichtbar.
Die Farbe der Platindrucke variiert zwischen
Blauschwarz und Braunschwarz und hängt von der eingeschlagenen Methode und der Gegenwart
gewisser Substanzen ab.
- Durch Zusatz von Palladium- oder Quecksilbersalzen können auch Platinbilder von reiner,
brauner Farbe hergestellt werden.
Nach dem Entwickeln, gleichgültig in welcher
Weise dieses vorgenommen wurde, hat man, um das Bild zu vollenden, nur noch das dem Papier
anhaftende Eisen und Platinsalz durch Auswaschen zu entfernen. Man benutzt hierzu stets
eine verdünnte Säure, meist Salzsäure, und wäscht die Kopien schließlich behutsam in
fließendem oder mehrmals gewechseltem Wasser. Wie ersichtlich übertrifft die Technik des
Platindruckes an Einfachheit jedes andere Verfahren. Die notwendigen Präparate sind
gegenwärtig käuflich zu beziehen und vollkommen haltbar. Das Auftragen der
lichtempfindlichen Lösungen erfordert weder eine besondere Geschicklichkeit, noch eigene
Apparate und Einrichtungen, das Papier ist längere Zeit haltbar und übertrifft in Bezug
auf Lichtempfindlichkeit jedes Chlorsilber- und Pigmentpapier. Die bei Silberbildern
notwendigen Fixiermittel, deren letzte Reste aus dem Papier nur schwer zu entfernen sind
und häufig die Ursache des frühzeitigen Verderbens der Kopie bilden, entfallen bei
diesem Prozeß ebenso wie die Notwendigkeit der teuren Goldbäder.
So ist beispielsweise Eisenchlorid vollkommen
unveränderlich, in Berührung mit Stärke, Papier, Oxalsäure etc. wird es aber bei der
Einwirkung des Lichtes in die 2-wertige Form umgewandelt. Von dieser Tatsache kann man
sich leicht überzeugen:
Die Eisen-III-salze reagieren nicht mit rotem Blutlaugensalz, die Eisen-II-salze dagegen
geben mit dieser Substanz einen intensiv blauen Niederschlag.
Trägt man die Lösung von Eisenchlorid auf Papier auf und trocknet im Dunkeln, so wird es
durch eine Lösung von rotem Blutlaugensalz nicht verändert, belichtet man aber das
Papier, so färbt es sich mit diesem Reagens intensiv blau. Das Eisenchlorid hat die
Tendenz, einen Teil der Chloratome abzuspalten, mit reduzierenden Stoffen, d. h. mit
solchen Substanzen , welche die Tendenz zur Oxidation besitzen, z.B. mit schwefliger
Säure, in Berührung gebracht, geht die Reduktion zu Eisenchlorür sehr rasch vor sich.
Stärke, Papier und Oxalsäure oxidieren sich aber nicht so leicht wie schweflige Säure,
sie reduzieren Eisenchlorid erst dann , wenn durch Einwirkung des Lichtes eine Lockerung
der Chloratome eintritt oder die Tendenz der organischen Substanz, sich zu oxidieren,
dadurch erhöht wird.
Die Eisenoxidsalze werden daher bei der Belichtung um so leichter reduziert, je leichter
oxidierbar, je unbeständiger die vorhandene organische Substanz ist. So verändern sich
Mischungen von Eisenchlorid mit Oxalsäure viel leichter und rascher als solche mit
Stärke oder Gummi. Die Eisensalze der organischen Säuren enthalten den oxidierbaren,
organischen Körper in chemischer Verbindung, sie sind daher häufig an und für sich
schon lichtempfindlich.
Dr. J. M. Eder 1 hat zahlreiche Eisensalze in Bezug auf ihre
Lichtempfindlichkeit untersucht und ist zu dem Resultate gelangt, daß eine Mischung von
Eisenchlorid mit Oxalsäure bei der Belichtung am raschesten verändert wird , dann folgt
das oxalsaure Eisenoxid und seine Doppelsalze, die Mischungen von Eisenchlorid mit
Weinsäure und Zitronensäure und das Eisentartrat und Zitrat.
Dr. J. M. Eder hat weiter festgestellt, daß die wässerigen Lösungen und die
festen oder auf Papier eingetrockneten Salz sich in Bezug auf Lichtempfindlichkeit häufig
verschieden Verhalten, daß daher die Raschheit der Zersetzung im Licht durch die etwa
vorhandene Feuchtigkeit des mit den Salzen präparierten Papiers beeinflußt werden kann.
Unter allen Verhältnissen übertrifft aber
die Mischung von Eisenchlorid mit Oxalsäure alle anderen Verbindungen und ihr zunächst
steht das oxalsaure Eisenoxid. Dem bei der Belichtung entstehenden Oxidulsalz kommen
entsprechend der Natur des verwendeten Oxidsalzes verschiedene Eigenschaften zu.
Die Verbindungen des Eisenoxids mit den
Mineralsäuren sind vollkommen lichtbeständige Körper; mischt man sie aber mit
organischen Substanzen, so werden sie im Licht zu Oxidulsalzen reduziert.
Die Farbe des Eisen-II-salzes kann heller oder dunkler als jene des Oxidsalzes sein. So
bleicht ein mit Eisenchloridlösung präpariertes Papier bei der Einwirkung des Lichtes
aus, während ein mit oxal-, wein- oder zitronensaurem Eisen überzogenes Papier dunkler
wird. Die Feuchtigkeit spielt hierbei eine bedeutende Rolle und im allgemeinen ist bei
vollkommen trockenen Papieren eine intensivere Farbenveränderung zu bemerken als bei
solchen, die im feuchten Zustand belichtet werden. Immer ist diese Farbenveränderung eine
nur geringe und dieser Umstand erschwert in hohem Grade die Anwendung von Eisenpapieren
für photographische Kopierzwecke.
Alle Oxidulsalze des Eisens zeigen gegenüber
den Oxidsalzen ein charakteristisches, chemisches Verhalten und dieser Unterschied macht
es möglich, das beim Kopieren entstehende Bild deutlich sichtbar zu machen, indem das
photochemische Zersetzungsprodukt der lichtempfindlichen Eisenoxidschicht in einen
anderen, intensiv gefärbten Körper umgewandelt wird. Charakteristisch für alle
Eisensalze ist das oben erwähnte Verhalten gegen rotes Blutlaugensalz und dieses liegt
der bekannten Cyanotypie zu Grunde. Eisenoxidulsalze werden weiter durch Gallussäure,
Tannin, Paraamidophenol etc. nicht verändert, während Oxidulsalze schwarz gefärbt
werden. Diese Eigentümlichkeit ermöglicht die Durchführung eines Lichtpausprozesses,
den man als Tintenprozeß bezeichnet.
Charakteristisch endlich für die
Eisenoxidulsalze ist ihre Fähigkeit, aus den Salzen der edlen Metalle letztere
abzuscheiden und diese Eigenschaft ermöglicht die Herstellung von Silber-, Gold- und
Platinbildern mit Hilfe von Eisensalzen. Die Reduktionsfähigkeit der verschiedenen
Eisenoxidulsalze ist sehr verschieden; so wirkt beispielsweise das Eisen-II-chlorid zwar
auf Goldsalze zersetzend, ist aber ohne jede Wirkung auf die Salz des Platins, während
die Oxidulsalze der organischen Säuren, besonders aber das Oxalat, Platinverbindungen mit
Leichtigkeit zerlegen.
Aus diesem Grunde benutzt man bei der
Herstellung von Platinbildern ausschließlich dieses Eisensalz (Eisen-III-oxalat).
gewinnt man durch Digerieren von
Eisenoxidhydrat mit einer Lösung von Oxalsäure.
Man erhält eine grünlichgelbe Flüssigkeit; welche, sich selbst überlassen, zu einer
amorphen, spröden, durchsichtigen Masse eintrocknet. Wird das Eisenoxidhydrat im
Überschuß verwendet, und wird die Digestion lange Zeit fortgesetzt, so ist die Farbe des
gelösten Eisensalzes braun und trübt sich beim Kochen, während sich das überschüssige
Oxid in ein schweres, gelbes Kristallpulver verwandelt hat, das bei weiterem Zusatz von
Oxalsäure nur schwer in Lösung zu bringen ist.
Es sind in diesem Fall basische Oxalat entstanden und in geringer Menge in Lösung
gegangen, wodurch die braune Farbe der Flüssigkeit und ihr Verhalten beim Erhitzen
bedingt ist.
Für die Zwecke des Platindruckes benutzt man
eine 20 %ige Eisen-III-oxalatlösung, welche aus später zu erörternden
Gründen auf je 100 ml mit 1-2 g kristall. Oxalsäure versetzt wird. Das spezifische
Gewicht dieser Lösung beträgt 1,152, ihre Farbe ist grün mit schwach
gelblichem Stich, während die nicht angesäuerte Flüssigkeit eine grünlichgelbe Farbe
zeigt. Aus dem Aussehen einer bei Tageslicht betrachteten Probe kann man daher auf die
richtige Zusammensetzung des Präparates schließen.
Zur Darstellung der Eisen-III-oxalatlösung
verwendet man Eisen-III-chlorid, fällt mit Ätznatron oder Soda und digeriert das
entstehende Eisenhydroxid mit Oxalsäure. Durch eine Analyse der Flüssigkeit lernt man
den Gehalt an Eisenoxalat kennen, worauf man entsprechend mit Wasser verdünnt und mit
Oxalsäure ansäuert. Wie ersichtlich ist die Darstellung dieses Präparates wegen der
notwendigen Analyse nur im Laboratorium ausführbar.
W. Weißenberger 2 schlägt daher vor, die Eisen-III-oxalatlösung aus
einer genau gewogenen Menge eines unveränderlich haltbaren Eisensalzes, des
Ammoniak-Eisenalauns, herzustellen, wodurch die Analyse der Flüssigkeit überflüssig
wird.
Der Ammoniak-Eisenalaun,
(NH4)2Fe2 (SO4)4
+ 24 H2O, ist ein im Handel sehr
rein vorkommendes Salz von stets gleicher Zusammensetzung. Es enthält 11,62 %
metallisches Eisen. Man bewahrt das Präparat in geschlossenen Gefäßen auf, da es sonst
verwittert und dann einen größeren Gehalt an Eisen aufweist.
Das Eisen-III-oxalat enthält 29,78 Prozent metallisches Eisen, daher sind in 100 ml
der 20 %igen Lösung 5,96 oder annähernd 6 g Eisen vorhanden.Man hat also zur Darstellung
von 100 ml der Eisen-III-oxalatlösung eine 6 g Eisen entsprechende Menge
Ammoniak-Eisenalaun, also 51,63 g zu benutzen.
Weißenberger löst dieses Quantum Eisenalaun in heißem Wasser, fällt mit Sodalösung
Eisenhydroxid aus, bringt den Niederschlag auf ein Filter und löst ihn nach dem
Auswaschen in Oxalsäure derart, daß man 100 ml Flüssigkeit erhält.
Da heiß gefälltes Eisenhydroxid sich unter Umständen nur sehr schwer in Oxalsäure
löst, und da das Herabnehmen des Niederschlages vom Filter ohne Verluste kaum möglich
ist, hat der Verfasser die Methode Weißenberger's in folgender Weise modifiziert:
Alle Operationen, das Fällen das
Hydroxids, sowie das Waschen und Lösen desselben werden in einem Glaszylinder von ca. 7
cm Durchmesser und 26 cm Höhe vorgenommen. Auf der Außenwand desselben wird die Höhe
von 85 ml Wasser durch einen aufgeklebten Papierstreifen markiert. Um ein leicht
lösliches und nicht voluminöses Hydroxid zu erhalten, fällt man in konzentrierter
Lösung und in kaltem Zustand mit Ammoniak. Von dem in Kristallform vorrätig gehaltenen
Ammoniak-Eisenalaun wird eine entsprechende Menge in der Reibschale zerrieben und 52 g
(der gegen 51,63 g. gewählte Überschuß ist als Ersatz für unvermeidliche Verluste beim
Waschen des Hydroxids bestimmt) abgewogen. Man bringt das Pulver in den Zylinder und
übergießt es mit 20 ml Ammoniak und 20 ml Wasser, wobei sich das Eisenhydroxid als
dunkelbrauner Niederschlag abscheidet. Mittels eines Glasstabes verrührt man das
Alaunpulver und läßt dann einige Minuten unter öfterem Umschwenken stehen. Dann füllt
man den Zylinder mit Wasser an, rührt den Niederschlag tüchtig auf, entfernt den
Glasstab und läßt solange stehen bis die über dem Eisenhydroxid stehende Flüssigkeit
fast klar erscheint. Diese wird nun vorsichtig abgegossen, worauf man erneuert Wasser
auffüllt und diese Operation so oft wiederholt, bis die Flüssigkeit nicht mehr nach
Ammoniak riecht und rotes Lackmuspapier nicht mehr blau färbt. Zum Schluß muß die
Flüssigkeit soweit abgegossen werden, daß sie nur mehr bis zur Marke reicht. Man
zerreibt jetzt chemisch reine, kristallisierte, nicht verwitterte Oxalsäure und setzt
21,5 g derselben zu dem im Zylinder befindlichen Niederschlag. Diese, sowie die folgenden
Operationen müssen bei gelbem oder bei Lampenlicht vorgenommen werden. Die Vereinigung
des Eisenhydroxids mit der Oxalsäure geht fast momentan vor sich und sobald die
Flüssigkeit klar geworden ist, übergießt man sie in einen 100 ml fassenden
Meßzylinder. Ihr Volumen wird ca. 95 ml betragen. Mit etwas Wasser, welches man zum
Ausspülen des Zylinders benutzt, ergänzt man auf 100 ml und filtriert schließlich in
die Vorratsflasche. Sollte die Farbe der Lösung nicht entsprechen, d.h. würde eine bei
Tageslicht besehene Probe zu gelb erscheinen, was der Fall sein kann, wenn das Auswaschen
mit genügender Sorgfalt geschah, so fügt man der Flüssigkeit etwas feste Oxalsäure zu.
Die eben beschriebene Darstellungsweise der
Eisen-III-oxalatlösung ist bei einiger Übung in 3 bis 4 Stunden durchführbar; sie ist
daher empfehlenswerte, wenn man sich rasch eine geringe Menge der Flüssigkeit beschaffen
will. Seit einiger Zeit bringt
Th. Schuchardt in Görlitz das
Eisen-III-oxalat als trockenes Präparat in Form grünlichgelber, glänzender Lamellen in
den Handel. Es enthält bereits den früher angegebenen Zusatz von Oxalsäure und ist zum
Gebrauch lediglich in 4 ½ Gewichtsteilen Wasser zu lösen und zu filtrieren. Dem Licht
ausgesetzt, verliert das Präparat rasch den Glanz, gewinnt ein mattes Aussehen, ist in
Wasser nur mehr teilweise löslich und kann in diesem Zustand für photographische Zweck
nicht mehr verwendet werden. Man hat es daher sorgfältig gegen Licht geschützt
aufzubewahren. Mit rotem Blutlaugensalz darf sich die Lösung des Eisen-III-oxalates
höchstens grünlich Färben, keinesfalls darf hierbei ein blauer Niederschlag entstehen,
der das Vorhandensein von Oxidulsalz anzeigen würde.
Die Lösung des oxalsauren Eisenoxids vermag
zahlreiche wasserunlösliche Salze, z. B. oxalsaures Blei, Kaliumplatinchlorid etc., in
relativ großen Quantitäten zu lösen.
Erhitzt man die Lösung des Eisen-III-oxalates, so wird sie rötlichgelb, zeigt aber nach
dem Abkühlen wieder die ursprüngliche Farbnuancen. Dabei findet eine teilweise Reduktion
statt, daher eine zum Kochen erhitzte Lösung mit rotem Blutlaugensalz einen blauen
Niederschlag gibt. Auf Papier aufgetragen trocknet das Eisen-III-oxalat mit gelber Farbe
ein, die beim Erwärmen in Orange übergeht. Die Lösung ist lichtempfindlich, muß daher
im Dunkeln aufbewahrt werden.
Der bei der Belichtung sich abspielende Prozeß findet in
nachstehender Gleichung seinen Ausdruck:
Fe2(C2O4)3
= 2 FeC2O4 + 2 CO2
Nach Dr. J. M. Eder geht diese
Zersetzung in wässrigen Lösungen glatt vor sich, es entsteht Eisen-II-oxalat und
Kohlensäure.
- Andere Zersetzungsprodukte, wie
Ameisensäure, Kohlenoxid u.s.w., konnten nicht aufgefunden werden.
Als besonders wirksam fand Dr. J. M. Eder
den indigoblauen Teil des Spektrums, und nach Abney liegt das Maximum der Wirkung
zwischen den Linien F und G.
Ein mit Eisen-III-oxalat überzogenes Papier färbt sich im Licht zuerst grünlichbraun,
wird dann wieder heller und nimmt schließlich eine orangerote Farbe an.Bei teilweiser
Reduktion des Eisen-III-oxalates entsteht nämlich ein grünlichbrauner Körper, den man
auch erhält, wenn man in eine heiße Lösung des Oxidsalzes das Eisen-II-salz einträgt.
Erst, wenn das gesamte Eisensalz reduziert ist, tritt die rötliche Farbe des
Eisen-II-oxalates auf.
Setzt man ein mit Eisen-III-oxalat überzogener, Papier einer mit Wasserdämpfen
gesättigten Atmosphäre aus, so nimmt es schon nach einigen Stunden eine hellbraune Farbe
an und hat seine Lichtempfindlichkeit gänzlich verloren.
Das Eisensalz ist unlöslich im Wasser geworden und wird durch rotes Blutlaugensalz weder
vor noch nach der Belichtung verändert. Diese eigentümliche Zersetzungserscheinung
dürfte höchst wahrscheinlich auf die Bildung basischer Salz zurückzuführen sein, deren
Entstehung unter dem oxidierenden Einfluß der Atmosphäre und der reduzierender Wirkung
des Papiers als organische Substanz zustande kommt.
ist eine licht- und luftbeständige, im Wasser
unlösbarer Substanz, die selbst im feuchten Zustand ohne Wirkung auf Platinsalze ist. Von
den Lösungen der Alkalioxalate wird es zu Doppelsalzen gelöst, welchen reduzierende
Eigenschaften zukommen. Sie zersetzen leicht die Salz der edlen Metalle und ziehen mit
großer Begierde Sauerstoff aus der Atmosphäre an sich.- Ähnlich, jedoch weniger
energisch, wirkt das Befeuchten mit Zitraten, Tartraten, Acetaten oder Phosphaten.
Das Eisen-III-oxalat vereint sich mit vielen
Salzen zu kristallisierbaren Doppelverbindungen, von welchen jene mit den Oxalaten der
Alkalien am besten bekannt sind. Diese Salz verhalten sich nicht wie einfache Mischungen,
es sind vielmehr chemische Verbindungen, gut kristallisierbare, smaragdgrüne
Verbindungen, die sich vom Eisen-III-oxalat wesentlich unterscheiden.
Ihre Beständigkeit ist eine so große, daß die Lösungen stundenlang, ohne eine
Zersetzung befürchten zu müssen, gekocht werden können, dafür ist auch ihre
Lichtempfindlichkeit eine geringere als jene das Eisen-III-oxalats. Auch mit den
zitronensauren und weinsauren Alkalien entstehen ähnliche Verbindungen und es scheint,
daß auch zahlreiche anorganische Salz zur Bildung derartiger Verbindungen beteiligt sind.
So löst sich z. B. phosphorsaures Natrium reichlich in der Eisen-III-oxalatlösung unter
Bildung einer hellgrünen Flüssigkeit. Die Doppelsalze der Alkalioxalate werden
dargestellt, indem man eine Eisenchloridlösung mit soviel oxalsaurem Alkali versetzt,
daß die gelbe Farbe in Grün übergeht und dann kristallisierten läßt.
Das Kaliumeisen-III-oxalat,
K6Fe2(C2O4)6
+ 6 H2O (Eder und Valenta),
ist ziemlich schwer löslich (1 Teil
erfordert 5-6 Teil Wasser) und wird aus diesem Grunde, und weil es an der Luft leicht
verwittert, bei den photographischen Kopierprozessen nicht benutzt.
Das Ammoniumeisen-III-oxalat,
(NH4)6Fe2(C2O4)6
+ 8 H2O), (Eder und Valenta),
ist leicht löslich, es ist das am leichtesten
zersetzliche Salz dieser Gruppe und übertrifft in Bezug auf Lichtempfindlichkeit das
Kalium und Natriumsalz.
Das Natriumeisen-III-oxalat,
Na6Fe2(C2O4)6
+ 11 H2O), (Eder und Valenta),
ist auch bei verhältnismäßig niedriger
Temperatur leicht löslich, es ist ebenso stabil wie das Kaliumsalz und wird im
Platindruck fast ausschließlich verwendet. Man erhält es in großen Kristallen, es ist
daher leicht zu reinigen und im Dunkeln unverändert haltbar.
Dem Licht ausgesetzt werden die Kristalle oberflächlich gelb, indem sich etwas oxalsaures
Eisenoxidul bildet.
Da letzteres jedoch weder in Wasser noch in der Lösung von Natriumeisen-III-oxalat
löslich ist, so ist die durch Filtrieren gereinigte Flüssigkeit für alle Zweck
brauchbar.
Für die Zweck des Platindruckes benutzt man eine Lösung von 50 g des Salzes in
100 ml Wasser, die als Natrium-Eisenlösung bezeichnet werden soll.Bei der Belichtung
des festen Salzes oder seiner Lösung entsteht Natriumeisen-II-oxalat nebst Natriumoxalat
und Kohlensäure:
Na6Fe2(C2O4)6
= Na2Fe2(C2O4)3 + 2 Na2C2O4
+ 2CO2
Auf Papier eingetrocknet bildet die o.g.
Lösung eine gelblichgrüne Schicht, die auf ca. 100 oC erwärmt, in ein
sattes, reines Gelb übergeht, indem das Salz einen Teil des Kristallwassers verliert. Das
charakteristische Dunklerwerden des Eisen-III-oxalatpapiers im Licht ist bei den
Doppelsalzen nicht zu beobachten, das Papier nimmt lediglich eine rötliche Farbennuance
an, die jedoch erst bei lang andauernder Belichtung deutlich sichtbar wird.
Da das Natriumeisen-II-oxalat bei Gegenwart von Natriumoxalat und Feuchtigkeit begierig
Sauerstoff aus der Atmosphäre anzieht und sich dabei wieder zu einem Eisen-III-salz
oxidiert, so kann das auf Natriumeisen-III-oxalat-Papier kopierte Bild bei Gegenwart von
Feuchtigkeit nur von geringem Bestand sein.
Belichtet man daher trockenes Natriumeisen-III-oxalat-Papier unter einem Negativ und
taucht es dann in eine Lösung von rotem Blutlaugensalz, so wird ein kräftiges, blaues
Bild entstehen; wird aber das Papier nach der Belichtung durch Wasserdämpfe gefeuchtet,
so läßt sich nach einigen Minuten kein Bild mehr entwickeln, weil aus dem bei der
Belichtung gebildeten Oxidulsalz wieder ein Oxidsalz rückgebildet wurde.
Eine auf reinem Eisen-III-oxalat-Papier hergestellte Kopie ist dagegen auch bei Gegenwart
von Feuchtigkeit längere Zeit haltbar, da das Eisen-II-oxalat auch im feuchten Zustand
nur wenig zur Oxidation neigt.In einem mit Wasserdämpfen gesättigten Raum sind auch die
mit den Doppelsalzen präparierten Papiere nur kurze Zeit haltbar; sie nehmen eine braune
Farbe an und verlieren die Eigenschaft, im Licht verändert zu werden.
Die Verbindungen des Platins gehören durchaus
nicht zu den leicht reduzierbaren Substanzen und werden in dieser Beziehung von den Gold-
oder Silbersalzen weit übertroffen. Insbesondere existieren zahlreiche kompliziert
gebaute Platinsalze, wie die Verbindungen mit Cyan, salpetriger Säure, schwefliger
Säure, mit Ammoniak etc., aus deren Lösungen keines der bekannten Reduktionsmittel eine
Abscheidung des Metalls zu bewirken vermag. Diese Platinverbindungen sind von so stabiler
Form, daß sie auch durch die üblichen chemischen Reagenzien nicht als solche erkannt
werden können.Ähnliche Verbindungen bildet auch das Eisen.
So ist das bekannte Blutlaugensalz eine Eisen-Cyan-Kalium-Verbindung, welcher die
charakteristischen Eigenschaften der einfacher gebauten Eisensalze, z.B. die Fällbarkeit
durch Schwefelammonium, vollständig abgeht. Derartige Platinverbindungen können für die
Zweck des Platindruckes nicht in Betracht kommen. Die Zahl der einfach zusammengesetzten
Platinsalze ist dagegen eine sehr beschränkte; die Verbindungen mit den
Sauerstoffsäuren, wie etwa das schwefelsaure Salz, sind schwierig darzustellen und
unbeständig, die Jodverbindungen sind unlösliche, schwarze Körper, daher nur die Chlor-
und Bromsalze als für den vorliegenden Zweck brauchbare Präparate bezeichnet werden
können.
Das Platin bildet zwei Reihen
von Salzen: die Oxidul- oder Platino- und die Oxide oder Platini-Verbindungen und
dementsprechend existiert auch ein Chlorür und ein Chlorid, dann ein Bromür und Bromid.
Diese Verbindungen sind wasserunlösliche Substanzen, sie vereinigen sich aber mit
Salzsäure und den Chloriden zu kristallinen, wasserlöslichen Kristallen. Es wird auch
hier die Tendenz zur Bildung höherer Verbindungen, die für das Platin charakteristisch
ist, angetroffen.
Das Ausgangsmaterial für die Herstellung aller anderen Platinsalze ist die Verbindung des
Platinchlorids mit Salzsäure, die Platinichlorwasserstoffsäure, H4PtCl6+6 H20, die man, obzwar fälschlich, kurz als Platinchlorid bezeichnet. Es
bildet eine braungelbe, zerfließliche, stark sauer reagierende, in Wasser leicht
lösliche Masse. Mit Kalium- und Ammoniumchlorid vereint sich das Platinchlorid zu einem
unlöslichen, gelben Doppelsalze, während mit Natriumchlorid eine in Wasser leicht
lösliche Verbindung, das Natriumplatinchlorid, gebildet wird.
Das Natriumplatinchlorid,
Na2PtCl6 + 6 H20, kristallisiert in gelben Prismen, verliert, auf 100 Grad oC
erwärmt, das Kristallwasser und zerfällt zu einem gelben Pulver. Wie später gezeigt
werden soll, ist es für sich allein im Platindruck nicht verwendbar, bildet aber in
gewissen Fällen einen sehr zweckmäßigen Zusatz zur Papierpräparation. - Man löst zu
diesem Zweck als Vorratslösung einen Teil des wasserfreien Salzes in 10 Teilen Wasser
auf. Erhitzt man das Platinchlorid auf 300 oC, so entsteht Platinchlorür, das
sich in analoger Weise mit Salzsäure und den Chlormetallen zu Doppelverbindungen
vereinigt.
Die Platinochlorwasserstoffsäure,
H4PtCl4, erhält man auch bei der Reduktion einer Platinchloridlösung mit
schwefliger Säure.
Das Kaliumdoppelsalz des Chlorürs- Kaliumtetrachloroplatinat,
K2PtCl4 - bildet eine gut kristallisierbare, rot
gefärbte, in Wasser ziemlich leicht lösliche Substanz und ist das bei der Herstellung
von Platinbildern fast ausschließlich angewandte Salz. Die Herstellung desselben ist in
der von G. Pizzighelli und dem Verfasser 1882 veröffentlichten Broschüre ausführlich
beschrieben und da dieses Präparat gegenwärtig käuflich bezogen werden kann, so soll
auf diesen Gegenstand hier nicht weiter eingegangen werden.Das Ammoniumsalz ist dem
Kaliumsalz ganz ähnlich, und für Ausführung des Platinverfahrens gleichfalls brauchbar,
während das Natriumsalz zerfließlich, schwer kristallisierbar und daher nicht leicht in
reinem Zustand herzustellen ist. Die sonstigen Doppelsalze mit Metallchloriden eignen sich
nicht für die Zweck des Platindruckes, da sie bei der Mischung mit Oxalaten unlösliche
Niederschläge bilden.
Die beiden Bromide des Platins verhalten sich den Chloriden ganz ähnlich, ihre
Doppelsalze sind dunkler, meist rotbraun gefärbt.
Alle Chlor entwickelnden Flüssigkeiten, wie z.B. Königswasser, führen die
Platinchlorür- und Bromürdoppelsalze in die Chloride resp. Bromide über.
Erwärmt man daher eine Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat mit Königswasser, so
scheidet sich das Chlorid in Form eines gelben, kristallinen Niederschlages aus der
Lösungen ab. Auch Eisenchlorid setzt sich mit Kaliumtetrachloroplatinat - konzentrierte
Lösungen vorausgesetzt - in Eisenchlorür und Kaliumplatinchlorid um. In ähnlicher
Weise, aber viel träger, wirkt Eisen-III-oxalat, besonders bei Gegenwart von viel
Chlorkalium.
Von größter Wichtigkeit für den Platinprozeß ist das Verhalten der erwähnten
Platinsalze gegen Reduktionsmittel und insbesondere gegen die Verbindungen des
Eisen-II-oxalates. Aus Platinchlorid und seinen Doppelsalzen wird durch Eisenvitriol nur
sehr langsam und bei anhaltendem Erhitzen metallisches Platin abgeschieden, etwas leichter
reduzierbar ist das Bromid, während die Chlorür- und Bromürdoppelsalze beim Erwärmen
leicht zersetzt werden. Der Lösung des Kaliumeisen-II-oxalats kommt eine bedeutend
energischere Reduktionskraft zu, sie zerlegt Platinchlorid schon in der Kälte, obwohl
eine vollständige Reduktion nur unter günstigen Umständen, d. i. bei genügendem
Überschuß des Reduktionsmittels, bei genügender Konzentration der Lösung und bei
Abwesenheit störender Substanzen stattfindet. Die Doppelsalze des Chlorürs werden
dagegen leicht, jene des Bromürs äußerst rasch reduziert.
Ein noch besseres Reduktionsmittel für Platinsalze ist die Ameisensäure, welche, nicht
zu verdünnte Lösungen vorausgesetzt, eine augenblickliche Ausscheidung des Metalls
bewirkt.
Viele scheinbar indifferente Körper verzögern die Reduktion der Platinsalze oder
verhindern sie auch gänzlich. Überzieht man ein Blatt Papier mit den verschiedenen
Salzen des Platins und bringt mittels eines Glasstabes einen Tropfen
Kaliumeisen-II-oxalatlösung (Eisenentwickler) darauf, so wird das Platinchloridpapier nur
langsam grau, das Kaliumtetrachloroplatinat-Papier schwärzt sich langsam, rascher als ein
mit dem Ammonsalz überzogenes Papier, während das mit Kaliumplatinbromür präparierte
Papier momentan intensiv schwarz gefärbt wird.
Setzt man der Eisenoxalatlösung ein Chlorid, z. B. Natriumchlorid, zu, so verhindert
schon ein geringer Zusatz die Reduktion des Platinchlorids, eine größere Menge aber auch
jene des Chlorürs und Bromürs.Auch die reduzierende Wirkung der Ameisensäure wird bei
Gegenwart einer genügenden Chloridmenge gänzlich aufgehoben.
Ähnlich, aber viel schwächer, wirken
lösliche Bromide, z. B. Kaliumbromid.Schwefligsaure oder salpetrigsaure Salze im
Eisenentwickler verhindern die Reduktion der Platinsalze, weil diese in eine nicht
reduzierbare Form überführt werden. Ein mäßiger Zusatz von Oxalsäure oder
Schwefelsäure zum Eisenentwickler stört die Reduktion nicht, sondern befördert sie,
Salzsäure dagegen verzögert sie viel energischer als die Chloride. Ein großer
Überschuß von Kaliumoxalat oder ein Zusatz von Eisen-III-oxalat verringert gleichfalls
die Reduktionsfähigkeit des Eisenentwicklers. Quecksilberchlorid, dann Kupfer-, Wismuth,
Blei- und Palladiumsalze beschleunigen dagegen die Reduktion, was besonders deutlich bei
den Platinchloridverbindungen zu beobachten ist.
Aus diesen Versuchsresultaten lassen sich
folgende, für die Ausführung des Platindruckes bemerkenswerte Schlüsse ziehen:
ist für Herstellung von Platinkopien völlig
unbrauchbar, etwas besser ist hierfür das Natriumplatinchlorid geeignet, wird jedoch vom
Kaliumtetrachloroplatinat, und dem Bromür weit Übertroffen. Letzteres gehört zu den am
leichtesten zersetzlichen Platinverbindungen; selbst Lösungen desselben sind nicht
vollkommen haltbar und setzen langsam metallisches Platin ab.
Der technischen Verwendung des
Kaliumplatinbromürs steht dessen kostspielige Darstellung; dann die voraussichtlich
geringe Haltbarkeit der mit diesem Salz präparierten Papiere entgegen. Von den Chlorüren
ist das Kaliumsalz, weil leichter reduzierbar, dem Ammoniumsalz vorzuziehen.
Ein mäßiger Zusatz von Oxalsäure
erscheint zweckmäßig, denn er unterstützt die Reduktion.
Das in den kopierten Bildern unzersetzt
bleibende Eisen-III-oxalat, besonders aber dessen Doppellsalze, wirken verzögernd, daher
ein großer Überschuß derselben in der Papierpräparation zu vermeiden ist.
Die Gegenwart von Chloriden, besonders aber
von Salzsäure stört den Reduktionsprozeß, salpetrigsaure, schwefligsaure Salz etc.
können die Abscheidung des metallischen Platins gänzlich verhindern.
Zusätze von Quecksilber-, Wismuth-, Kupfer-
oder Bleisalze zur Papierpräparation erscheinen zweckmäßig, denn sie beschleunigen die
Bildentwicklung.
ein häufiger Begleiter des Platins, ist ein,
zwar diesem ähnliches, aber viel weniger beständiges Metall. Es läuft schon beim
Erhitzen an der Luft bläulich an, verbrennt im Knallgasgebläse, löst sich in
Salpetersäure und in feinverteiltem Zustand auch in Salzsäure und Schwefelsäure.
Ähnlich dem Platin bildet auch das Palladium zwei Reihen von Salzen und zusammengesetzte,
höhere Verbindungen mit Cyan, Ammoniak etc., doch ist die Neigung zur Bildung der
letzteren weniger ausgesprochen. Die Palladiumsalze sind viel leichter reduzierbar als
jene des Platins und erinnern in dieser Beziehung an die Silbersalze.
Eisenvitriol oder Eisen-II-oxalat, wirken kräftig reduzierend und Chloride sowie Säuren
sind fast ohne Einfluß auf den Verlauf dieses Prozesses.
Für photographische Zweck ist das Kaliumpalladiumchlorür, K2PdCl4,
ein bräunliches, bei durchfallendem Licht grünes, mit dem Platinsalze isomorphes Salz am
besten geeignet. Es lassen sich zwar auch die Palladiumsalze der Sauerstoffsäuren leicht
herstellen, doch ist gar nicht das Bedürfnis nach einer leichter reduzierbaren Verbindung
vorhanden. Eigentümlicher Weise ist das oxalsaure Palladium schwerer reduzierbar als das
Chlorür.
Die sonstigen Platinmetalle, das Iridium,
Osmium, Rhodium und Ruthenium sind schwerer reduzierbar als
Platin, stehen enorm hoch im Preise und dürften daher für den Platindruck keine
Bedeutung haben.
Wie schon oben erörtert, spielen sich bei der
Herstellung von Platinbildern zwei Prozesse ab:
Entsteht bei der Belichtung des Papiers ein
provisorisches Eisenbild, indem das vorhandene Eisen-III-oxalat zum Oxidulsalz reduziert
wird und
reagiert bei der Entwicklung das gebildete
Eisen-II-oxalat unter Vermittlung eines Alkalioxalates auf das vorhandene Platinsalz,
wobei an Stelle des am Papier befindlichen Eisensalzes metallisches Platin tritt.
Die beiden Prozesse können nach Berkeley 3 durch nachstehende Formeln dargestellt werden:
Fe2(C204)3
= 2 FeC2O4 + 2 CO2
Eisen-III-oxalat Eisen-II-oxalat Kohlensäure.
6 FeC2O4
+ 3 K2PtCl4 = 2Fe2(C204)3
+ Fe2CI6 + 6KCI + 3 Pt.
Eisen-II-oxalat
Kaliumtetrachloroplatinat Eisen-III-oxalat Eisenchlorid Chlorkalium Platin.
Diese Zersetzungsschemas sind im Allgemeinen
gewiß richtig, denn sie stehen mit allen Erfahrungen, welche uns über die chemischen
Eigenschaften der Eisen und Platinsalze bekannt sind, in voller Übereinstimmung. Aus
einer Reihe von eigentümlichen Beobachtungen müssen wir jedoch schließen, daß sich
nebenbei noch andere Prozeß abspielen, welchen vielleicht eine hervorragende Bedeutung
zuerkannt werden muß.
Den oben aufgestellten Gleichungen liegt die Annahme zu Grunde, daß das Eisen-III-oxalat
bei der Belichtung in Eisen-II-oxalat und Kohlensäure gespalten wird, daß hierbei
keinerlei weitere Zersetzungsprodukte entstehen und daß das gleichzeitig vorhandene
Platinsalz dabei keine Rolle spielt. Die Annahme einer glatten Spaltung des Eisensalzes
dürfte nur bei Zersetzung wässeriger Lösungen vollkommen zutreffen, bei der Belichtung
trockener Schichten, namentlich aber bei Gegenwart eines Platinsalzes, dürften sich bei
dem Zerfall des Eisen-III-oxalates höchstwahrscheinlich auch noch andere
Zersetzungsprodukte bilden.
Wird ein mit Eisen-III-oxalatlösung
überzogenes Papier unter einem Negativ belichtet und dann mit einer Lösung von
Kaliumtetrachloroplatinat und Kaliumoxalat behandelt, so wird es nur an jenen Stellen
geschwärzt, welche eine sehr ausgiebige Belichtung erfahren haben. Aber auch hier geht
die Reduktion so langsam vor sich, daß nur wenig metallisches Platin auf der Papierfaser,
sondern erst nach Lösung des Eisen-II-oxalates in der Flüssigkeit abgeschieden wird.
Setzt man jedoch der Eisen-III-oxalatlösung
etwas Platinsalz zu, so entwickelt die angegebene Flüssigkeit augenblicklich ein
vollkommenes Bild mit tiefen Schwärzen. - Ähnlich dem Platinsalz wirkt auch ein
Zusatz von Quecksilberchlorid, und von geringerer aber immerhin sehr deutlicher Wirkung
sind Blei -, Uran-, Kupfer- und Wismuthsalz.
Wird anderseits reines Eisen-II-oxalat (aus
Eisenvitriol und Kaliumoxalat hergestellt) mit einer Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat
gemischt und auf Papier aufgetragen, so tritt auch nach langer Zeit keine Veränderung
auf; wird aber das Papier mit reinem (alkalifreiem) Eisen-III-oxalat und Platinsalz
überzogen und belichtet, so schwärzt es sich nach dem Befeuchten. Hält man diese
Tatsachen einander entgegen, so erscheint es wahrscheinlich, daß bei der Belichtung den
Eisen-III-oxalates - besonders bei Gegenwart von Platin oder Quecksilbersalzen nebst dem
Oxidulsalz noch eine andere Substanz gebildet wird, welcher äußerst kräftig
reduzierende Wirkungen zukommen.
Es ist dabei naheliegend, an die Bildung von
Ameisensäure zu denken; sie zersetzt Platinsalze sehr energisch und es wird ihr Auftreten
bei vielen Zersetzungsvorgängen der Oxalsäure beobachtet. So entsteht Ameisensäure bei
dem Erhitzen der Oxalsäure und die Bildung von Ameisensäure wurde bei der Belichtung
einer wässerigen Lösung von Uranoxalat nachgewiesen. Die Bildung von Ameisensäure bei
der Belichtung von Eisen-III-oxalat-Platinpapier ist daher keineswegs ausgeschlossen und
es scheint ihr eine hervorragende Rolle bei der Entwicklung zuzukommen; ihr wäre
mindestens die energische Einleitung des Reduktionsprozesses zuzuschreiben und nur ihrer
Gegenwart im belichteten Papier wäre die Ausführbarkeit der Platinprozesse mit
Entwicklung zu danken.
Das Kaliumtetrachloroplatinat erleidet aber bei Gegenwart organischer Substanzen auch an
und für sich eine Veränderung im Licht, wie nachstehender Versuch zeigt:
Überzieht man Papier mit einer Lösung dieses
Salzes der etwas Oxalsäure zugesetzt wurde, und belichtet dann unter einem Negativ, so
kann mit verdünntem Eisenentwickler ein wenn auch schwaches, so doch deutliches Bild
hervorgerufen werden. Es hat also auch das Platinsalz bei der Belichtung eine Veränderung
erlitten, es ist leichter reduzierbar geworden.
Auch der zweite Teil des Prozesses dürfte
nicht so glatt verlaufen, wie es die Formel annimmt. So beobachtet man bei sehr heißen
Entwicklungslösungen stets das Auftreten von Gasblasen. Sie rühren offenbar von einer
Kohlensäureentwicklung bei der Platinreduktion her und konnten einer vollkommenen
Zersetzung des Eisen-II-oxalates zugeschrieben werden. Letzteres müßte sich in diesem
Fall zu Eisenchlorür und Kohlensäure umsetzen.Diese Annahme scheint jedoch nicht
gerechtfertigt zu sein, weil eine heiße Lösung von Eisen-II-oxalat auf
Kaliumtetrachloroplatinat nicht unter Gasentwicklung einwirkt. Zwanglos läßt sich aber
die Erscheinung erklären, wenn man die Entstehung von Ameisensäure bei der Belichtung
annimmt. Ameisensäure spaltet bei jedem Reduktionsprozeß Kohlensäure ab:
CO2H2
+ K2PtCl4 = CO2 + 2HCI + 2KCI.
Ameisensäure Platinsalz Kohlensäure Salzsäure
Chlorkalium.
Gelangt an Stelle des Kaliumplatinchlorürs
ein Chloridsalz des Platins, z. B. Natriumplatinchlorid zur Anwendung, so ist zur
Reduktion des Platins die doppelte Menge Eisen-II-oxalat nötig:
12 Fe(C2 04)
+ 3 Na2PtCl6 = 4 Fe2(C204)3
+ 2 Fe2Cl6 + 6 NaCI + 3 Pt.
Man wird also die Belichtung viel längere
Zeit fortsetzen müssen, das Papier wird unempfindlich sein und es werden harte Kopien mit
fehlenden Halbschatten und breiten, kreidigen Lichtern resultieren.
Setzt man der Mischung von Eisen-III-oxalat und Kaliumtetrachloroplatinat etwas
Natriumplatinchlorid zu, was mit Rücksicht auf die Löslichkeit des sich bildenden
Kaliumplatinchlorids in der Eisenlösung möglich ist, so machen sich die oben angegebenen
Eigentümlichkeiten nur teilweise geltend, es entstehen brillante Bilder mit reinen
Weißen.Aus diesem Grunde ist der Zusatz von Natriumplatinchlorid zur Sensibilisierung des
Papiers in gewissen Fällen, d. h. wenn wenig gedeckte Negative kopiert werden sollen,
vorteilhaft.
Wird ein mit Platineisenlösung überzogenes Papier dem Licht ausgesetzt, so wird die bei
der Entwicklung auftretende Schwärze um so intensiver sein, je länger die Belichtung
gedauert hat. Sobald aber das gesamte auf der belichteten Stelle vorhandene
Eisen-III-oxalat reduziert ist, wird durch weitere Belichtung die Reduktionsfähigkeit des
Eisen-II-oxalates geschädigt, daher sich eine übermäßig lang belichtete Stelle im
Entwickler nicht mehr schwarz, sondern nur gelblich oder rötlichbraun färbt. Man nennt
diese Erscheinung Solarisation und beobachtet sie bei
alten photochemischen Entwicklungsprozessen; so z. B. bei den Halogenverbindungen des
Silbers, welche nach übermäßig langer Belichtung gleichfalls die Eigenschaft verlieren,
sich im Entwickler zu schwärzen.
Die Solarisation wird sich um so früher bemerkbar machen, je dünner die auf dem
Papier befindliche Eisensalz Schicht ist, je sparsamer also die Lösung aufgetragen wird
und je weniger Eisen sie enthält.
Bei keinem Kopierverfahren spielt die
Beschaffenheit des Rohpapiers eine so hervorragende Rolle wie im Platindruck. Es ist dies
auch erklärlich, wenn man berücksichtigt, daß bei diesen Verfahren das Bild auf der
Papieroberfläche selbst und nicht in einer aus colloidalen Substanzen (Albumin, Gelatine)
gebildeten Schicht liegt, daß daher die Beschaffenheit der Papieroberfläche das Aussehen
des Bildes wesentlich beeinflusse, und daß auch die stoffliche Zusammensetzung der
Papiermasse auf den Verlauf des Entwicklungsprozesses einen Einfluß auszuüben vermag.
Die Farbe des Papiers ist selten rein weiß,
es ist meist von bläulicher oder gelblicher Nuance. - Bläuliche Papiere geben Kopien mit
reinen, grellen Lichtern, gelbliche erteilen dem Bild ein weiches Aussehen. Für kleine
Bilder auf glattem Papier wird man, um die Brillanz zu fordern; solches mit bläulichem
Stich wählen, für große Bilder empfiehlt sich meist ein gelbstichiges Papier.
Sehr vorteilhaft wirken in manchen Fällen hell chamoisgefärbte Papiersorten, ihre Farbe
verbindet die photographischen Töne und erteilt dem Bilde ein geschlossenes Aussehen. Aus
diesem Grunde unterlegt man auch lithographischen Kreidezeichnungen einen gelblichen Ton
und druckt Radierungen und Photogravuren auf gelblichem Chinapapier.
Papiere mit rauher Oberfläche geben leichter
Bilder mit gesättigten Tiefen als glatte, satinierte Sorten. In den Vertiefungen
reflektiert die farbige Fläche gegen sich selbst und macht dadurch ihre eigene Farbe noch
gesättigter.
Betrachtet man ein Bild auf rauhem Papier bei schräg auffallendem Licht, so beschatten
die Unebenheiten die tieferen Stellen, daher der Gesamteindruck der rauhen dunklen Fläche
tiefer als jene einer glatten Fläche von derselben Farbennuance sein wird. Den Kopien auf
rauhem Papier fehlt weiter die für ein photographisches Bild zwar charakteristische, oft
aber unangenehm wirkende präzise Schärfe; die weichen Konturen erhöhen die Plastik und
detaillose eintönige Flächen werden durch das Papierkorn in wohltuender Weise
unterbrochen. Aus diesen Gründen kommt der Kopie auf rauhem Papier ein höherer
künstlerischer Wert zu, sie besitzt ein vornehmeres Aussehen und imitiert In glücklicher
Weise ein Original des Künstlers.
- Ob Papiere mit regelmäßig eingepresstem Pyramidenkorn, oder solche mit mehr oder
weniger derbem Naturkorn zu benutzen sind, hängt von dem Charakter und dem Formate des
Bildes ab, ist aber auch zum großen Teil Geschmacks- und Modesache. Keinesfalls dürfen
aber durch das Korn charakteristische Details verloren gehen, es darf in keiner Weise
stören, daher man auch kleine Bilder, die hauptsächlich durch ihre Einzelheiten wirken
sollen, nur auf ganz glattem Papier kopieren kann. Die Beschaffenheit der Papiermasse ist
sowohl bezüglich der zur Fabrikation verwendeten Faser, als auch in Bezug auf die Leimung
für den Platindruck von großer Bedeutung.Sollen die Platinbilder im Laufe der Zeit keine
Veränderung erleiden, so darf nur ein dem Vergilben nicht unterworfenes Papier, also
reines Hadernpapier, benutzt worden.
Derartige Papiere sind gegenwärtig selten und nur die teuren Sorten entsprechen dieser
Bedingung. Die Verwendung billiger, unbekannter Papiersorten ist entschieden zu vermeiden.
Die Papiere werden bei ihrer Herstellung mit colloidalem Bindemittel behandelt, sie werden
geleimt, da sie sonst für die meisten technischen Verwendungen unbrauchbar wären. Die
Leimung kann in verschiedener Weise erfolgen und bildet stets eine Zwischenmanipulation
bei der Papierfabrikation.
Als Rohmaterial für die Herstellung von
Papier benutzt man bekanntlich Hadern, Spinnereiabfälle, Zellulose, d. i. aus Holz auf
chemischem Wege abgeschiedene Fasern, dann mechanisch zerfaserten Holz, sog. Holzschliff
etc. Diese Materialien werden in eigenen Maschinen, die den Namen Holländer führen,
derart zerrissen und zerfasert, daß eine dünne breiige Masse (Ganzzeug) entsteht, aus
welcher das Papier gebildet wird.
Es erfolgt dies entweder durch Handarbeit (Hand-, Bütten- oder Schöpfpapier),
indem man das Ganzzeug in ein rechteckiges, von einem Rahmen umgebenes Sieb schöpft, nach
dem Abtropfen des Wassers die noch ganz lose zusammenhängenden Bogen auf eine Filzplatte
bringt und durch Pressen entwässert und trocknet, oder es werden diese Manipulationen von
einer Maschine besorgt.
Das Ganzzeug fließt kontinuierlich auf ein endloses über Rollen laufendes Drahtsieb, das
Wasser wird durch Luftdruck angesaugt, das gebildete Papier zwischen heißen Walzen
getrocknet und eventuell satiniert.
Die Handarbeit liefert daher nur einzelne Bogen, die Maschine aber ein beliebig langes
Papierband, das in Form einer Rolle - Rollenpapier -, häufig aber auch in Bögen
zerschnitten in den Handel kommt.Die Leimung des Papiers erfolgt nach zwei verschiedenen
Methoden: Entweder wird das Ganzzeug im Holländer mit einem an die Fasern sich hängenden
und später die Poren des Papiers verklebenden Stoff versetzt - Leimen im Stoff - oder aus
dem Ganzzeug werden zuerst die Papierbogen gebildet, und diese dann mit Leim getränkt - Bogenleimung.
Das Leimen im Stoff geschieht ausschließlich
mit harzsaurer Tonerde. Man versetzt das Ganzzeug mit Harzseife (aus Harz und Natronlauge
hergestellt) und Alaun, wodurch unlösliche Tonerdeseife an die Fasern anfällt.
Maschinenpapiere - daher alle Rollenpapiere - sind stets mit Harz geleimt und
werden nur in seltenen Fällen überdies mit tierischem Leim oberflächlich überzogen
(animalisch geleimtes Rollenpapier); Handpapiere enthalten gewöhnlich, die für
Aquarellmalerei bestimmten Kornpapiere aber immer tierischen Leim als Bindemittel.
Im Stoff geleimte Papiere setzen dem Einsinken von Flüssigkeiten ungleich mehr Widerstand
entgegen, als solche, die im Bogen geleimt wurden - und die besonders gegen saure
Lösungen ein bedeutendes Saugvermögen zeigen. Bei diesen Papieren ist eben nur die obere
Schicht reichlich mit Leim imprägniert, daher sie auch nach dem Radieren »fließen«,
was bei im Stoff geleimten Sorten nicht der Fall ist.
Die Fähigkeit wässerige Lösungen
aufzusaugen hängt aber nicht nur von der Leimung ab, sondern es wird auch durch das
Satinieren und Pressen diese Eigenschaft wesentlich verringert. Aus diesem Grunde saugen
glattsatinierte, sowie gepreßte Kornpapiere, z. B. Pyramidenkornpapier, bei derselben
Leimung viel weniger als unsatinierte oder Naturkornpapiere.
Die Leimung das Papiers macht sich im
Platindruck nach drei Richtungen fühlbar:
beeinflußt sie das Saugvermögen, und damit auch das
Überziehen mit der Sensibilisierung,
wirkt sie auf die Farbe des Bildes mehr oder weniger
bestimmend und
verringert sie häufig in hohem Grade die
Lichtempfindlichkeit des präparierten Papiers.
ad 1. Bei der Präparation
des Platinpapiers muß das zu tiefe Einsaugen der Sensibilisierungslösung verhindert
werden, weil sonst das Bild statt auf der Oberfläche des Papiers im Innern desselben
entsteht. Man würde dann große Mengen der Lösung verbrauchen doch nur graue, flaue
Kopien erhalten. Stark saugende Papiere müssen daher vor dem Auftragen der
Sensibilisierung mit Lösungen colloidaler Substanzen nachgeleimt werden.
Im Stoff gut geleimte Papiere erfordern zwar eine solche Nachleimung nicht, doch ist eine
Vorpräparation mit einer dünnen Lösung zweckmäßig, weil die colloidale Substanz ein
Bindemittel zwischen Papierfaser und Sensibilisierungsschicht bildet. Man kann in solchen
Fällen von einer Vorpräparation des Papiers auch ganz absehen und das Bindemittel
(Gelatine, Stärke u.s.w.) zur Sensibilisierungslösung setzen - doch ist dies aus anderen
Gründen weniger zweckmäßig. Ein mit einer Bindemittellösung vorpräpariertes Papier
nimmt nämlich die Sensibilisierungsflüssigkeit sehr gut an, es ist leicht möglich,
diese in vollkommen egaler Schicht aufzutragen, während die rohe Papieroberfläche oft
abstoßend wirkt, häufig auch fettige Stellen, Fingergriffe etc. zeigt.
Eine zu große Menge des Bindemittels kann
schädlich wirken; es bildet dann im Verein mit der Sensibilisierung eine auf der
Papieroberfläche liegende Schicht, die bei dem Entwickeln des Bildes aufgeweicht und
abgeschwemmt werden kann.Das Nachleimen oder Vorpräparieren des Papiers hängt wesentlich
von den Eigenschaften der gewählten Sorte ab, und darf keinesfalls immer in gleicher
Weise durchgeführt werden.
Für die Vorpräparation resp. Nachleimung geeignete Substanzen sind:
Gelatine, Arrowroot, Carragheen, Tragant, Agar-Agar u.a.m.
Das im kalten Wasser leicht lösliche Gummi arabicum ist ebenso wie Dextrin
für den gedachten Zweck nicht geeignet.
Diese Substanzen lösen sich beim Auftragen der Sensibilisierung, verhindern dann das
Eindringen derselben in das Papier und verursachen meist das Abschwimmen des Bildes.
Gelatine ist ein sehr gutes
Bindemittel; die Sensibilisierung von gelatinierten Papieren erfordert jedoch wegen der
zahlreich auftretenden Luftblasen - infolge Schäumens der Flüssigkeit - etwas
Sorgfalt. Die Gelatine hält überdies sehr hartnäckig Platinsalze zurück, daher die
Bilder auf gelatiniertem Papier zur Vergilbung neigen. Etwas stärkere Gelatineschichten
besitzen auch einen schwachen Glanz, der bei Platinbildern störend wirkt.
Arrowroot, Carragheen und Tragant sind vorzügliche Substanzen
für die Nachleimung und bilden eine in jeder Beziehung entsprechende Vorpräparation. Sie
liefern stets matte Schichten.
Agar-Agar ist ein der Gelatine ähnlicher, jedoch aus dem Pflanzenreiche (einer
Alge) stammender Körper. Es ist für die Nachleimung sehr gut verwendbar und besitzt
dabei nicht die unangenehmen Eigenschaften der Gelatine.
Zur Bereitung der Vorpräparationslösungen
benutzt man 10 g Gelatine, Carragheen, Tragant oder Agar-Agar in 5001000 ml Wasser
gelöst. Man läßt ca. 1 Stunde aufquellen und erwärmt dann, bis die Lösung eingetreten
ist. Gelatine löst sich bekanntlich leicht und gibt eine klare Flüssigkeit, der man, um
die Unlöslichkeit der Schicht zu vermehren, 5 g Alaun zusetzt. - Bei Verwendung der
andern Substanzen, die im Wasser nicht vollkommen löslich sind, muß bis zum Kochen
erhitzt werden, worauf man die Flüssigkeit durch ein Sieb seiht.
Gelatine und Agar-Agarlösung müssen in
warmem Zustand benutzt werden.
Arrowroot wird mit etwas kaltem Wasser angerührt und langsam unter fortwährendem Rühren
in soviel siedendes Wasser gegossene daß eine 1-2 %ige Lösung resultiert.
Gut geleimte Maschinenpapiere, wie Rives- und Steinbach-Papier, dann
fast alle Rollen - Zeichenpapiere erfordern keine Nachleimung und werden zum Zweck der
Vorpräparation mit einer 1 %igen Lsg. der erwähnten Substanzen überzogen.
Man befestigt den zu präparierenden Bogen durch Heftnägel auf einen, mit reinem Papier
belegten Tisch, trägt die Lösung mit einem weichen Schwamm so reichlich auf, daß der
ganze Bogen gleichmäßig feucht erscheint und läßt ihn freihängend trocknen. Bei
Papieren mit scharfem Korn, z. B. Pyramidenkorn, würde sich bei dieser Behandlung die
leimende Substanz in den Vertiefungen sammeln und dort verdicken, was Ursache eines
grieslichen Aussehens der Bilder sein konnte.
Solche Papiere werden in noch feuchtem Zustand mit einem Vertreibpinsel so lange
behandelt, bis sie keinen von Feuchtigkeit herrührenden Glanz mehr zeigen.
Man führt zu diesem Zweck den Vertreibpinsel (ein langhaariger, breiter, weicher Pinsel)
in raschen kreisförmigen Bewegungen und mit leichtem Drucke über die Oberfläche des
Papiers, bis diese das gewünschte matte Aussehen zeigt.Bei saugenden Papieren - schlecht
geleimten Maschinen-, den meisten Schöpf- und allen Aquarellpapieren - muß an Stelle der
Vorpräparation eine ausgiebige Nachleimung treten.
Man bringt die angegebenen warmen 1-2 %igen Lösungen in eine Tasse, taucht die zu
präparierenden Bogen ganz in die Flüssigkeit und läßt sie vollkommen durchweichen,
wozu 5-30 Minuten erforderlich sind. Dann werden die Papiere einzeln langsam aus der
Flüssigkeit gehoben und zum Trocknen aufgehängt. Damit sich die Lösung möglichst
gleichmäßig verteilt, hängt man den Bogen nach dem Abtropfen mit jener Seite nach oben
auf, die beim Herausziehen nach unten zu stehen kam.Benutzt man jedoch in der
Sensibilisierung ein Verdickungsmittel, so brauchen auch diese Papiere nicht so reichlich
nachgeleimt zu werden. Es genügt dann das ein- bis zweimalige Auftragen einer 2 %igen
Arrowrootlösung vollkommen.
Aus den früher angeführten Gründen erscheint es geboten, die Gelatine-Präparation
tunlichst zu vermeiden. Sowohl für die Vorpräparation als auch für die Nachleimung
findet man mit Arrowroot oder Carragheen die bessere Substanz und nur wenn es sich um das
Zustandekommen blauschwarzer Töne handelt, und die sonstigen Verhältnisse für
Erreichung dieser Nuancen ungünstig sind, ist man zur Vorpräparation mit Gelatine
gezwungen.
ad 2. Das Vorhandensein von
tierischem Leim (Gelatine, Fischleim, Tischlerleim) in einem Papier ruft stets die Tendenz
für blauschwarze Bilder hervor und setzt dem Entstehen brauner Töne einen nur schwer zu
bewältigenden Widerstand entgegen.
Die aus dem Pflanzenreiche stammenden
Bindemittel, besonders die Stärke, vermitteln zwar das Zustandekommen brauner Nuancen,
ihre Gegenwart allein ist aber für das Entstehen derselben nicht ausreichend. Auf
animalisch geleimten Papieren wird daher ein Überzug von Arrowroot keine braun
nuancierten Bilder zur Folge haben, auch Quecksilbersalze oder die heiße Entwicklung
genügen allein nicht, um dieses Ziel zu erreichen, erst durch gleichzeitige Anwendung
dieser Mittel gelingt es, die erwähnte Eigentümlichkeit der Gelatine zu besiegen.Im
Stoff geleimte Papiere verhalten sich dagegen neutral, mit Arrowroot vorpräpariert geben
sie leicht braune Töne, sind aber auch für die Herstellung blauschwarzer Bilder
vollkommen brauchbar.
Wird der Platinprozeß derart ausgeführt, daß die Tendenz für bräunliche Töne
vorherrscht, wie dies z. B. bei dem Heißentwicklungsverfahren der Fall ist, so genügt
die Gegenwart von Gelatine, um diese Neigung zu bekämpfen.
ad 3. Eigentümlicher Weise
zeigen fast alle animalisch geleimten, mit Eisen-Platinsalzlösungen präparierten Papiere
eine geringere Lichtempfindlichkeit als im Stoff geleimte Sorten.
Diese Schädigung der Empfindlichkeit ist der Verwendung eines weithin durch
Zersetzungsprodukte verunreinigten Leimes zuzuschreiben und bereitet der Ausführung des
Platindruckes große Schwierigkeiten.
Die nachstehenden Papiersorten sind für den
Platindruck uneingeschränkt zu empfehlen:
Das glatte sowie das nicht satinierte Rives- und Steinbach-Papier; es
sind dies sehr reine surrogatfreie Papiersorten für photographische Zweck. - Sie sind im
Stoff geleimt und für alle Methoden des Platindruckes vorzüglich verwendbar.
Das Schöpfpapier Nr. 27 der Neusiedler Aktiengesellschaft für Papierfabrikation in Wien
ist gleichfalls ein sehr reines, lediglich mit Harzseife geleimtes Handpapier mit flachem
Korn und für größere Bilder sehr gut brauchbar.
Die Rollen-Zeichenpapiere von Schleicher
& Schüll in Düren sind verhältnismäßig billige, schöne Kornpapiere, im
Stoff geleimt und für große Formate sehr zu empfehlen.
Die englischen Aquarellpapiere von Whatman
und von Zander, dann das Harding-Papier zeichnen sich durch ein
besonders schönes Korn aus, und sind aus diesem Grunde für Platinbilder sehr beliebt.
Leider sind diese Papiersorten, wie schon
bemerkt, animalisch geleimt, eignen sich daher nur schlecht für den Platindruck in
gewissen Fällen ist man gezwungen, sie zu entleimen und dann neuerdings mit einem
geeigneten Bindemittel zu versehen.
Zum Zweck des Entleimens bringt man das Papier in eine Tasse mit heißem Wasser, dem
Schwefelsäure zugesetzt wurde.
Nach ca. einstündigem Weichen gießt man ab und wäscht mehrmals mit warmem Wasser, dem
man zum Schluß etwas Ammoniak zufügt. Das derart vom Leim vollständig befreite Papier
wird zwischen Saugpapier abgepreßt und getrocknet. Zum Nachleimen benutzt man eine heiße
1 %ige Agar-Agarlösung, da es durch Behandeln mit Arrowroot nicht gelingt, die
Saugfähigkeit des Papiers zu beseitigen. Man überstreicht das Papier mit einem weichen
breiten Pinsel reichlich mit der heißen Lösung, läßt trocknen, überzieht nochmals mit
Agar-Agar und dann mit 2 %iger Arrowrootlösung.
Das in entsprechender Weise vorbereitete
Papier wird mit einer wässerigen, der gewählten Methode entsprechend zusammengesetzten,
lichtempfindlichen Sensibilisierungslösung überzogen.
Der wesentlichste Bestandteil derselben ist Eisen-III-oxalat oder ein Doppelsalz
desselben, überdies kann sie einen Teil oder das gesamte, für die Bilderzeugung
notwendige Platinsalz enthalten und wird häufig mit Substanzen versetzt, die als
Bindemittel dienen oder die Reduktion erleichtern sollen, oder den Zweck haben, die Farbe
und den Charakter des Bildes zu modifizieren. Enthält die Sensibilisierung das gesamte
Kaliumtetrachloroplatinat, so muß ihr Volumen derart bemessen worden, daß die
Papieroberfläche einerseits eine genügende, für die intensive Schwarzfärbung
ausreichende Menge dieses Salzes enthält, während man andererseits wegen der hohen
Preise der Platinsalze einen zwecklosen Überschuß vermeiden muß.
Die Erfahrung lehrt, daß je nach der
eingeschlagenen Methode des Platindruckes pro Quadratdezimeter Papierfläche 0,015 - 0,025
g Kaliumtetrachloroplatinat notwendig sind. Auf einen Bogen 50x65 cm
sind somit 0,5 - 0,8 g Kaliumtetrachloroplatinat, d. i. 3-5 ml
der Lösung 1 : 6 aufzutragen. Dieses Quantum Platinlösung wird mit der entsprechenden
Menge Eisenlösung gemischt und dann mit soviel Wasser verdünnt, daß das Überziehen des
Bogens bequem ausführbar ist. Das Überziehen des Papiers mit der Lösung erfolgt stets
durch Aufstreichen, weil das Sensibilisieren durch Schwimmenlassen mit Rücksicht auf den
hohen Preis der platinreichen Flüssigkeit nicht günstig ist. Die Praxis lehrt, daß das
zum Überstreichen eines Papierbogens notwendige Flüssigkeitsvolumen hauptsächlich von
der Beschaffenheit des Papiers, dann aber auch von der Temperatur im Raum und von der
Geschicklichkeit des Operateure abhängt.
Glatte, gut satinierte und geleimte Papiere im Formate 50x65 cm erfordern 10-12ml, rauhe
Sorten (nicht satiniertes Rives-, Pyramidenkorn- und Rollenzeichenpapier) 12-15ml und
stärker saugende, grobe Kornpapiere (engl. Aquarellpapiere) brauchen selbst bis 20 ml
Flüssigkeit.
Bei hoher Temperatur des Arbeitsraumes
trocknet jeder Pinselstrich rasch ein, man wird daher, um den ganzen Bogen gleichmäßig
zu überziehen, mehr Flüssigkeit verbrauchen als in einem Raum mit niederer Temperatur.
Bei der Präparation des ersten Bogens geht überdies für die Sättigung das Pinsels ein
gewisses Quantum Lösung verloren, was bei den folgenden Bogen nicht mehr der Fall ist.
Bestimmte Regeln für das Flüssigkeitsvolumen, welches zum Präparieren eines Bogens
erforderlich ist, lassen sich daher nicht aufstellen, man muß die Eigentümlichkeiten das
Papiers durch Versuche kennen lernen und die Sensibilisierung, entsprechend den gegebenen
Grundsätzen, zusammenstellen.
Bei der Belichtung eines mit
Eisen-Platinlösung sensibilisierten Papiers wird Eisen-II-oxalat gebildet, welches bei
der Entwicklung, gleichgültig ob diese schon während der Exposition im Kopierrahmen oder
nachträglich erfolgt, das vorhandene Platinsalz unter Abscheidung des Metalle zerlegt.
Damit tatsächlich das ganze auf denn Papier vorhandene Platinsalz reduziert, also für
die Bilderzeugung ausgenutzt werden kann, muß bei der Belichtung an jenen Stellen der
Kopie, welche tiefe Schwärze aufweisen sollen, eine genügende Menge Eisen-II-oxalat
gebildet werden.
Die Zusammensetzung der Sensibilisierung muß also derart sein, daß das entstehende
Eisenoxidulsalz mindestens ausreichend ist, um das gesamte Kaliumtetrachloroplatinat zu
reduzieren. Wäre dies nicht der Fall, so würde auch an jenen Stellen das Bildes, welche
gesättigt schwarz werden sollen, ein Teil des Platinsalzes unverändert in Lösung gehen
und wäre für die Bilderzeugung verloren.
Nach dem auf Seite 13
aufgestellten Zersetzungsschema benötigt man für die Reduktion von einem Molekül
Kaliumtetrachloroplatinat zwei Moleküle Eisen-II-oxalat und da diese aus einem Molekül
Eisen-III-oxalat entstehen, so muß die Sensibilisierungslösung auf jedes Molekül
Platinsalz mindestens ein Molekül dieses Eisensalzes enthalten. Mit Berücksichtigung der
Molekulargewichte K2PtCl4
= 415 und Fe2(C2O4)3 = 376 erscheint es also unbedingt nötig, auf je
1 g Kaliumtetrachloroplatinat mindestens 0,906 g Eisen-III-oxalat zu benutzen.
Verwendet man an Stelle dieses Eisensalzes das Natriumdoppelsalz, Fe2Na6(C2O4)6
+ 11 H2O, welchem das
Molekulargewicht 976 zukommt, so entfallen mindestens 2,33 g desselben auf 1 g
Kaliumtetrachloroplatinat.
Diese auf theoretischem Wege ermittelte
Eisensalzmenge wird in der Praxis jedenfalls zu erhöhen sein, da man eine tunlichst
rasche und möglichst vollständige Reduktion des Platinsalzes anstreben muß. Eine
Erhöhung des Eisengehaltes in der Sensibilisierung erscheint aber auch aus anderen
Gründen zweckmäßig. Je geringer die Quantität des Eisen-III-oxalates auf der
Papieroberfläche ist, desto rascher wird es bei der Exposition im Licht zersetzt und
sobald dieser Moment eingetreten ist, machen sich Solarisationserscheinungen
bemerkbar: Die tiefsten Schatten werden bei der Entwicklung heller als die
nächstliegenden dunklen Halbtöne. Bei größerem Eisengehalt sind auch die Kopien vor
der Entwicklung viel kräftiger und besser sichtbar, daher das richtige Kopieren
wesentlich erleichtert wird.
Ein zu bedeutender Überschuß an
Eisensalz würde jedoch schädlich wirken. Bei langer Belichtung wird das ganze
Eisen-III-oxalat in das Oxidulsalz verwandelt, bei der Entwicklung findet dieses dann
nicht die notwendige Menge Platinsalz vor, geht daher in Lösung und reduziert Platinsalz
an den nächstliegenden Stellen, wodurch die reinen Weißen geschädigt und der Entwickler
durch reduziertes Platin geschwärzt wird.
Ein zu großer Eisenüberschuß veranlaßt
auch das Entstehen eines grieslichen Kornes, die Töne sind rauh und schädigen das
Aussehen der Bilder. Wie weit man den Eisengehalt in der Sensibilisierung über das
theoretische Maß steigern soll, kann lediglich das Experiment lehren. Derartige Versuche
sind jedoch vorsichtig durchzuführen, denn man ist dabei leicht groben Täuschungen
ausgesetzt.
Man überzieht beispielsweise Papierstücke
mit Lösungen von verschiedener Zusammensetzung, indem man das Verhältnis beider Salz mit
1:1.....1:1,2.....1:1,5 wählt, wobei man den Platingehalt der Flüssigkeit konstant
hält, belichtet dann gemeinschaftlich unter einer Papierskala und entwickelt. - Jener
Streifen, der das günstigste Aussehen, die intensivste Schwärze zeigt, war, so schließt
man, mit der praktisch besten Sensibilisierung hergestellt. Da aber das Auftragen der
Flüssigkeit bei der Präparation kleiner Papierstücke niemals gleichmäßig ausfällt,
so kann es leicht vorkommen, daß ein minderes Resultat lediglich durch nicht genügend
reichlich aufgetragene Sensibilisierungslösung hervorgerufen wurde.
Einen derartigen Fehler dürften auch J.
Pizzighelli und der Verfasser bei der Bestimmung des günstigsten
Platineisen-Verhältnisses seinerzeit begangen haben. In der 1882 veröffentlichten
Broschüre »Die Platinotypie« wurde auf 1 g Kaliumtetrachloroplatinat 1,1 g
Eisen-III-oxalat als bestes Verhältnis empfohlen.
Die neueren, vom Verfasser in dieser Beziehung durchgeführten Versuche haben jedoch
gezeigt, daß es zweckmäßig ist, den Eisengehalt in der Sensibilisierung weiter zu
erhöhen und das dieser innerhalb ziemlich weiter Grenzen schwanken kann, ohne daß die
Eigenschaften des Papiers sich wesentlich ändern würden.
Es ist für das Resultat fast gleichgültig,
ob man auf 1 g Kaliumtetrachloroplatinat 1,5 oder 2,5 g Eisen-III-oxalat benutzt.
Bei allen Platin-Eisenpapieren mit Entwicklung dürfte daher das Verhältnis 1:1,8
zu empfehlen sein. Bei Verwendung von Natriumeisen-II-oxalat hat sich eine relativ
geringere Eisenmenge als passender herausgestellt und es dürfte das
Verhältnis 1:3,8 bis 1:4,0 am besten entsprechen. Für
die Zusammensetzung der Sensibilisierung benutzt man eine Kaliumtetrachloroplatinatlösung
1:6 und eine Eisen-III-oxalatlösung 1:5 oder eine
Natriumeisen-III-oxalatlösung 1:2.
Man erzielt daher die oben angegebenen Verhältnisse durch Mischen von 6 ml Platinlösung
mit 9 ml Eisen-III-oxalat- oder ebensoviel Natriumeisen-III-oxalatlösung.Man nimmt
gegenwärtig allgemein an, daß die Platin-Eisensalzlösung nur sehr kurze Zeit haltbar
sei, daß daher die Mischung jeweilig frisch hergestellt und sogleich verbraucht werden
muß. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Die gemischte Flüssigkeit hält sich lange Zeit
vollkommen unverändert, sie kann daher ohne Anstand in Vorrat gehalten werden.
Der Verfasser hat derartige 3 - 4 Wochen alte Lösungen wiederholt benutzt und tadellos
gefunden. Nur bei Gegenwart organischer Substanzen, z. B bei Zusatz von Gelatine, wird die
Mischung in einigen Stunden unbrauchbar.
Wenn das zur Verwendung gelangende Papier
reichlich im Stoffe geleimt ist, so kann die Vorpräparation durch ein Bindemittel in der
Sensibilisierung ersetzt werden. Da dickliche Flüssigkeiten nur langsam eingesaugt
werden, wird das Eindringen der Sensibilisierung in die Papiermasse verhindert, die
Platin- und Eisensalzteilchen werden an die Faser geleimt und können bei der Entwicklung
nur langsam in Lösung gehen.
J. Pizzighelli 4 benutzt zu diesem Zweck eine 2%ige Arrowroot- oder eine
50 %ige Lösung von Gummi arabicum und mischt 1 Teil der Sensibilisierungslösung mit
2-4 Teilen dieser Flüssigkeiten.
Gelatine wird durch die Eisen-Platinlösung in
unlöslicher Form abgeschieden, daher sich dieses Bindemittel mit der Sensibilisierung
nicht mischen läßt. Wird jedoch Gelatinelösung mit etwas Oxalsäure (auf 1 g Gelatine
0,25 g Säure) erwärmt, so erhält man eine bei gewöhnlicher Temperatur nicht mehr
erstarrende Flüssigkeit, die anstandslos der Sensibilisierungslösung zugesetzt worden
kann.
Allen Eisenoxidsalzen, besonders jenen der organischen Säuren, kommt die Tendenz zu,
braungefärbte, basische Salz zu bilden, die sich selbst in starken Säuren, wie z.B. in
verdünnter Salzsäure, nur schwer lösen. Um im Platindruck reine Weißen zu erhalten,
muß man die Löslichkeit des aufgetragenen Eisen-III-oxalates unter allen Umständen
steigern und der Bildung basischer Salz durch ansäuern der Sensibilisierungslösung
entgegenwirken.
Bei der heißen Entwicklung ist dieser Zusatz
unbedingt geboten, aber auch bei kalt zu entwickelnden Papieren erscheint er zweckmäßig.
Denn die Gegenwart von etwas Säure unterstützt den Reduktionsprozeß bei der
Entwicklung. Eine zu stark saure Sensibilisierung verzögert dagegen die Abscheidung das
Platins und dringt bei dem Aufstreichen in das Innere des Papiers, daher man nur graue,
kraftlose Bilder erhält. Die Sensibilisierungslösung für Entwicklungspapiere ist daher
stets, jedoch nur mäßig, anzusäuern. Man benutzt zu diesem Zweck Oxalsäure und
versetzt - wie schon oben erwähnt - die Eisen-III-oxalatlösung auf jeweils 100 ml
mit 1-2 g derselben.
Alkalisch reagierende Körper veranlassen die
Bildung basischer Salz und da diesen die Lichtempfindlichkeit abgeht, erhält man bei
solchen Zusätzen höchst unempfindliche Papiere, die auch nach der Behandlung mit
Salzsäure oft gelblich gefärbt bleiben.
wirken der Reduktion des Eisensalzes bei der
Belichtung und der Reduktion des Platinsalzes bei der Entwicklung entgegen. Papiere,
welche Oxidationsmittel in der Sensibilisierung enthalten, sind daher unempfindlich und
brauchen eine verhältnismäßig lange Belichtung, damit bei dem Entwickeln die ersten
Bildspuren sichtbar werden.
Oxidierende Substanzen verzögern die
Anfangswirkung, bewirken eine Verkürzung der Tonskala, die sich aber lediglich auf die
lichtesten Töne beschränkt, während die Schwärzen und dunklen Mitteltöne keine
Veränderung erleiden.
Ein relativ großer Zusatz macht die Bilder
hart, es entstehen tiefschwarze Schatten und kreidig weiße Lichter; ein mäßiger Zusatz
vermittelt das Entstehen brillanter Bilder. Papiere mit solchen Zusätzen wird man unter
einem Negativ länger belichten müssen, um Details in den Lichtern zu erhalten, und da
während der ganzen Zeit die Schatten fortkopieren, so entsteht bei der Entwicklung tiefe
Schwärze.
Die Anwendung von Oxidationsmitteln in der
Sensibilisierung erscheint daher bei Negativen mit wenig Deckung vorteilhaft, sie ist aber
nur anzuraten, wenn die Matrize reichlich ausgezeichnete Schattendetails aufweist. Fehlen
diese in Folge kurzer Exposition, so resultieren wegen der breiten, schweren Schatten ganz
unbrauchbare Bilder.Als oxidierende Substanz verwendet man gegenwärtig meist
Kaliumchlorat (chlorsaures Kalium), das bei allen mit Eisen-III-oxalat präparierten
Papieren die gewünschte Wirkung zeigt. Bei Papieren, welche mit den
Eisenoxalatdoppelsalzen sensibilisiert sind, erweist sich jedoch dieser Zusatz vollkommen
wirkungslos, obwohl man denselben in fast allen Rezepten angegeben findet. Versuche haben
gezeigt, daß selbst große Mengen dieses Salzes bei Natriumeisen-Platinpapier ohne jeden
Einfluß sind, und daß es auch nicht zur Wirkung gelangt, wenn man das Papier auf 100 oC.
erhitzt, wenn man der Sensibilisierung Schwefelsäure zufügt etc. Ein in allen Fällen
wirksames Oxidationsmittel bildet dagegen das chromsaures Kalium (Kaliumdichromat).
1 ml der Lösung dieses Salzes 1:100 auf 100 ml
Sensibilisierung zeigt in der Kopie eine sehr wahrnehmbare Wirkung und 10 ml machen das
Papier für Halbtonnegative unbrauchbar.
In ähnlicher Weise wirkt auch
Natriumplatinchlorid.
Das bei der anfänglichen Belichtung gebildete Eisen-II-oxalat wird zur Reduktion des
Chlorids zum Chlorür aufgewendet und nur jene Stellen der Kopie, die mehr als dieses
Quantum Eisenoxidulsalz enthalten, werden sich im Entwickler schwärzen. Man benutzt das
Natriumplatinchlorid als wässerige Lösung 1:10 und fügt auf
100 ml Sensibilisierung 1 bis 10 ml derselben zu.
Alle Chloridverbindungen des Platins geben mit Kaliumtetrachloroplatinat einen gelben,
unlöslichen Niederschlag von Kaliumplatinchlorid. Da jedoch dieses Salz in
Eisen-III-oxalatlösung etwas löslich ist, so unterliegt der Zusatz von
Natriumplatinchlorid zur Sensibilisierung keinem Anstande. Die Anwendung dieses Salzes
erscheint ungleich rationeller als der Gebrauch der leicht zersetzlichen Oxidationsmittel,
der Chromate und Chlorate, welche bei Gegenwart der leicht oxidierbaren Oxalsäure
desoxidiert worden können, daher nicht ganz sicher in ihrer Wirkung sind.Sehr geringe
Mengen von Natriumplatinchlorid halten die Lichter rein weiß und beeinflussen die
Haltbarkeit des Papiers in günstiger Weise.
Aus diesem Grunde benutzt der Verfasser bei allen
Sensibilisierungslösungen für Entwicklungspapiere stets einen kleinen Zusatz (einen
Tropfen der Lösung 1:10 auf 10 ml Flüssigkeit) dieses Salzes.
in der Sensibilisierung haben eine allgemeine
Verschleierung des Bildes zur Folge. In dieser Weise wirken Ameisensäure und
Eisenoxidulsalze, z. B. Eisenvitriol. - Bei animalisch geleimten Papieren, die ein höchst
unempfindliches Platinpapier geben, das beim Entwickeln zu keiner Kraft kommt, gelingt es
durch Zusatz von Eisenvitriol zur Sensibilisierung brauchbare Bilder herzustellen.
Doch bleibt dieser Vorgang immer gefährlich und unsicher. Alle Substanzen, welche die
Reduktion des Platinsalzes erschweren, verringern etwas die Empfindlichkeit des Papiers,
wirken aber hauptsächlich der Entstehung einer tiefen Schwärze entgegen.
Solche Wirkungen kommen besonders den Chlorsalzen zu, während Bromsalze diese
Eigentümlichkeit weniger zeigen. Da das Kaliumtetrachloroplatinat fast 1/3 seines
Gewichtes Chlorkalium enthält, so ist in jeder Sensibilisierung diese verzögernde
Substanz enthalten.
Auch dem Eisen-III-oxalat kommt eine ähnliche
Wirkung zu. Seiner Gegenwart, sowie jener des Chlorkaliums ist es zuzuschreiben, daß eine
geringe Menge von Eisen-II-oxalat im Platinpapier noch keine Verschleierung zur Folge hat,
daß Papiere, welche durch rotes Blutlaugensalz blau gefärbt werden doch Platinbilder mit
reinen Weißen liefern.
Auch die Alkalioxalate verzögern und erschweren, wenn sie in der Sensibilisierung
enthalten sind, die Reduktion des Platins, man wird daher einen zu bedeutenden Überschuß
von Natriumeisen-III-oxalat zu vermeiden haben und bei Verwendung dieses Salzes der
Platineisenlösung kein lösliches Oxalat mehr zusetzen.Eine verzögernde, die Reduktion
des Platinsalzes verhindernde Wirkung kommt in hohem Masse gewissen Zersetzungsprodukten
der Gelatine zu.
Eine alte Gelatinelösung, der Sensibilisierung zugefügt, verringert die Empfindlichkeit
des Papiers sehr bedeutend, ja sie verhindert eventuell ganz das Entstehen eines Bildes.
Aus diesem Grunde sind die animalisch geleimten Schöpfpapiere, die mit tierischem Leim
überzogenen Rollenpapiere, so schlecht für den Platindruck geeignet. Man benutzt für
das Leimen der Papiere unreine, in Zersetzung begriffene Leimsorten, und es kann
vorkommen, daß einzelne Sorten solcher Papiere vollkommen ungeeignet für die Herstellung
von Platinbildern sind. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß einzelne Bogen unbrauchbar,
andere, aus einer andern Erzeugungsperiode stammend, dagegen recht gut verwendbar sind.
Wie schon gelegentlich der Besprechung des
Entwicklungsprozesses erwähnt wurde, beeinflussen gewisse Metallsalze den Verlauf
desselben in sehr günstiger Weise. Ein Zusatz von Blei-, Kupfer-, Wismuthsalzen
in der Sensibilisierung liefert ein Papier, das sich im Entwickler sehr rasch schwärzt
und das auch bei relativ geringem Gehalt an Platinsalz doch intensive Schwärzen aufweist.
Die Wirkungsweise dieser Salze ist noch nicht klargestellt. Da ein Zusatz von Bleisalzen
zu einem Eisenentwickler die reduzierende Wirkung desselben, Platinsalzen gegenüber,
etwas vermehrt, so hat es den Anschein, als ob dieser Zusatz schon durch seine bloße
Gegenwart bei der Entwicklung wirken würde; in der Sensibilisierung ist aber ihr Einfluß
viel mächtiger und Bleisalze im Entwickler der Platinbilder erhöhen kaum dessen Energie.
Es ist daher wahrscheinlich, daß schon bei
der Belichtung eines bleihaltigen Eisenpapiers Zersetzungsvorgänge stattfinden, weiche
die Entwicklung begünstigen.Belichtet man ein mit und ohne Bleisalz präpariertes
Platinpapier unter einer Papierskala und entwickelt kalt mit Kaliumoxalat, so schwärzt
sich das bleihaltige Papier viel rapider und nimmt eine intensivere Färbung an. Bei
Papieren, die mit Natriumeisen-III-oxalat sensibilisiert sind, erweist sich dagegen ein
Zusatz dieser Metallsalze als ganz wirkungslos. Die Gegenwart von Quecksilber- oder
Palladiumsalzen in der Sensibilisierung veranlaßt das Entstehen braungefärbter Bilder,
daher derartige Zusätze in der Praxis vielfach angewendet werden. Die Braunfärbung tritt
jedoch keineswegs immer auf und nur, wenn man ganz bestimmte Bedingungen einhält, ist es
möglich, Bilder zu erhalten, die in allen Schattierungen von gleicher, brauner Nuance
sind.Überzieht man beispielsweise ein Papier mit Eisen-III-oxalat und Quecksilberchlorid
und entwickelt mit platinsalzhaltiger Kaliumoxalatlösung, so resultieren reine schwarze,
meist bläulich nuancierte Bilder. Enthält aber die Sensibilisierung auch das Platinsalz,
so werden braune Bilder entwickelt. - Dabei spielt die Temperatur und Zusammensetzung des
Entwicklers eine wesentliche Rolle. Heiße, saure Lösungen von Phosphaten oder
zitronensauren Salzen geben leicht braune Töne, während sich mit kalter, neutraler
Kaliumoxalatlösung nicht das gewünschte Resultat erzielen läßt.
Unter solchen günstigen Verhältnissen
veranlassen schon sehr geringe Mengen von Quecksilberchlorid braune Töne. Ein
Zusatz von Quecksilbersalz, der nur 1/100 der Menge des Kaliumplatinchlorürs beträgt,
färbt schon die lichten Schatten deutlich braun, während allerdings die Tiefen noch
schwarz gefärbt bleiben. Mit zunehmenden Quecksilbergehalt hellen sich dann die Schatten
auf und eine Vermehrung über 1/5 des Platinsalzes ist auf die Farbe des Bildes nicht mehr
von Einfluß.
Ähnlich dem Quecksilberzusatz wirkt auch ein
solcher von Palladiumsalzen, doch sind die Bedingungen, unter welchen
Braunfärbung der Bilder eintritt, sehr beschränkt.
Nur bei Anwendung der Eisen-III-oxalatdoppelsalze lassen sich durch Palladium
braune Töne erzielen, bei Gegenwart von Eisen-III-oxalat, selbst wenn dieses nur in
geringen Mengen dem Doppelsalz zugesetzt wird, erhält man unter allen Verhältnissen nur
schwarze Bilder.
Palladium-Platinpapier muß überdies, wenn es braune Töne liefern soll, vollkommen
trocken kopiert werden, jede Spur von Feuchtigkeit während des Kopierens macht das Bild
schwarz. Das für den vorliegenden Zweck am besten geeignete Palladiumsalz ist das Kaliumtetrachloropalladat,
das man in wässeriger Lösung 1:10 vorrätig hält. Die Nuance der
braunen Farbe hängt von dem Verhältnis des Palladiums zum Platin in der Sensibilisierung
ab. Ein Zusatz von 1/10 - 1/5 Palladiumsalz reicht vollkommen aus, um helle braune Töne
zu erzielen.
Die Wirkungsweise dieser beiden braunfärbenden Metalle ist nicht bekannt. Stellt man nach
dem Prinzip das Platindruckes mit reinem Quecksilber oder Palladium Kopien her, so
verschwinden diese bei der Behandlung mit Salzsäure vollkommen. Auch die braunen
Platinbilder gehen in der Säure zurück, daher man annehmen muß, daß diese Zusätze nur
das Entstehen eines braunen Platinniederschlages vermitteln, daß zwar bei der Entwicklung
Quecksilber resp. Palladium ausgeschieden, bei der Behandlung mit Salzsäure aber wieder
gelöst wird, daher die fertigen Kopien lediglich Platin enthalten. Dieser Annahme scheint
das Verhalten brauner Platinbilder gegenüber chemischen Reagenzien zu widersprechen, die
gegen Chlor und Brom viel weniger widerstandsfähig als Schwarzkopien sind. - Diese
Eigentümlichkeit läßt sich aber durch die Annahme einer von chemischen Agentien
leichter angreifbaren Modifikation des Platinniederschlages erklären, umsomehr als die
Braunkopie bei Einwirkung von feuchtem Brom zwar ausbleibt, ihre Farbennuance aber nicht
verändert.
Die Sensibilisierungsflüssigkeit stellt man
durch Mischen der im Vorrat gehaltenen Platin- und Eisenlösung her, worauf man das zu
einer eventuellen Verdünnung notwendige Wasser und die sonst noch entsprechenden Zusätze
zufügt. Zum Abmessen dieser Flüssigkeiten bedient man sich der bekannten kleinen
Meßzylinder mit 5 oder 25 ml Inhalt, welche, wenn es sich um Mengen über
1 ml handelt, vollkommen ausreichend sind.
Das Abmessen kleinerer Flüssigkeitsquantitäten, was zuweilen bei den Zusatzlösungen
erforderlich ist, geschieht am besten mit graduierten Meßpipetten (Fig. 1). Es sind dies
zylindrische Glasröhren von 1 oder 2 ml Inhalt, welche mit einer 1/10 ml Teilung
versehen sind und deren unteres Ende in eine Spitze ausgezogen ist. Bei dem Gebrauch der
Pipette taucht man deren unteres Ende in die Flüssigkeit und saugt diese vorsichtig in
die Höhe, bis sie über die Nullmarke zu stehen kommt, worauf man rasch mit der Spitze
des Zeigefingers die obere Öffnung verschließt. Man hält dann die Pipette vertikal vor
sich und läßt die Flüssigkeit durch leises Lüften des Fingers bis zur Nullmarke
herabsinken. Aus der so gefüllten Pipette läßt man jetzt das entsprechende Quantum
Flüssigkeit in das hierfür bestimmte Gefäß tropfenweise ausfließen.
Bei dem Füllen der Pipette muß man bei
giftigen Flüssigkeiten vorsichtig sein, und es ist notwendig, den Gebrauch derselben erst
mit Wasser zu versuchen.
Sehr häufig werden kleine
Flüssigkeitsquantitäten in Tropfen angegeben. Die Größe derselben hängt aber
wesentlich von der Ausflußöffnung ab, daher Tropfen aus einer gewöhnlichen Flasche viel
größer sind als solche, die man aus einem ausgezogenen Glasrohr ausfließen läßt. Das
Maß eines Tropfens ist also kein konstantes, es gehen 15 - 30 derselben auf
einen Kubikzentimeter.
Das Abzählen von Tropfen ist aber ein so bequemes Messen, daß man in der Praxis nur
schwer darauf verzichten kann.
Die in den späteren Vorschriften angeführte Tropfenzahl bezieht sich stets auf Tropfen,
von welchen 20 auf einen Kubikzentimeter gehen; benutzt man daher eine Vorrichtung, welche
Tropfen von anderer Größe gibt, so müssen die angegebenen Zahlen korrigiert werden. Die
üblichen Tropfgläschen sind für Lösungen fester Körper nicht empfehlenswert, da die
an der Abtropffläche zurückbleibende Lösung eintrocknet, wodurch bei dem späteren
Gebrauch der Gehalt der ersten Tropfen wesentlich verstärkt werden kann.
Eine sehr bequeme, von diesem
Fehler freie Tropfvorrichtung ist in Fig. 2 (Tropfflasche) dargestellt. In die Flüssigkeit der Vorratsflasche
ragt durch den Kork K ein ausgezogenes Glasrohr, dessen oberes Ende ein ca. 5 cm langes
einseitig geschlossenes Kautschukrohr trägt. Drückt man dieses mit den Fingern bei m n
zusammen, so tritt die Luft bei der Spitze des Glasrohres aus und hört dann der Druck
auf, so steigt die Flüssigkeit in das Innere des Röhrchens.
Man hebt dann den Kork samt dem Rohr aus der Flasche und kann durch allmähliches Drücken
bei m n einzelne Tropfen ausfließen lassen.
Das Zusammensetzen der Sensibilisierung, sowie
das Auftragen derselben, müssen bei nicht wirksamem, am besten gelbem oder nicht zu
grellem Lampenlicht vorgenommen werden. Man ist in dieser Beziehung häufig nicht
genügend vorsichtig.
Die Eisenplatinpapiere sind ungleich empfindlicher als Silberpapiere und leiden auch im
feuchten Zustand bei der Belichtung Schaden, was bei den mit Chromsalzen sensibilisierten
Papieren bekanntlich nicht der Fall ist. Das Präparieren und Trocknen der Papiere in
einem von selbst schwachem Tageslicht erhellten Raum ist entschieden zu vermeiden; die
Nähe eines hellen Gasbrenners, oder durch gelbe Glasscheiben fallendes Sonnenlicht
verursacht schon nach kurzer Zeit einen allgemeinen Schleier.
Das Überziehen des Papiers mit der Lösung
geschieht am besten mit einem mäßig weichen Borstenpinsel oder bei ganzen Bogen mit
einer weichen Bürste. Ein zu weiches Haar saugt viel Flüssigkeit auf und ballt sich
zusammen, zu steife Bürsten verursachen bei dem Präparieren des Papiers leicht Streifen.
Die überall käuflichen ohne
Metall gefaßten Leimpinsel (Fig. 3, Pinseldarstellung), wie sie in den Tischlerwerkstätten benutzt
werden, sind für den gedachten Zweck vollkommen geeignet.
Für große Formate, besonders wenn man mehrere Bogen hinter einander zu präparieren hat,
empfiehlt sich die Verwendung schmaler aus weichen Haaren hergestellter Bürsten von ca.
10 cm Länge und 3 cm Breite (Fig. 4, Bürstendarstellung). Die Verwendung eines Flanell- oder eines
Baumwollbausches oder eines Schwammes empfiehlt sich nicht zum Auftragen der
Sensibilisierungslösung. Diese Stoffe saugen die Lösung auf und die Bildung einer
genügend fetten Schicht auf der Papieroberfläche ist nicht zu erreichen; man wischt mit
jedem Strich die Präparation oberflächlich weg, daher häufig grieselige, rauhe Kopien
entstehen.
Das zu überziehende Papier befestigt man
durch Heftnägel an den beiden oberen Ecken auf einer mit Papier belegten Tischplatte und
trägt die Sensibilisierungslösung mittels des vorerwähnten Pinsels auf. Bei
Präparation ganzer Bogen gießt man das erforderliche Quantum der Lösung in der Mitte
des Bogens auf und verstreicht dieselbe mit der Bürste rasch über die ganze
Papierfläche. Hierauf entfernt man die Heftnägel (der feuchte Bogen bleibt auch ohne
Befestigung liegen) und verteilt die Flüssigkeit, indem man den Bogen abwechselnd nach
der Breite und Länge wiederholt überfährt. Dieses Verteilen setzt man so lange fort,
bis der ganze Bogen gleichmäßig naß und frei von Strichen erscheint. Noch ehe sich
trockene Stellen zu bilden beginnen, muß mit dem Streichen aufgehört werden, da sich
jeder Strich über eine schon trockene Stelle markieren würde. Der noch gleichmäßig
nasse Bogen wird dann vertikal zum Trocknen aufgehängt.
Enthält die Sensibilisierung
Eisenoxalatdoppelsalze, welche eine große Neigung zur Kristallbildung zukommt, so muß
besonders bei Papieren mit nicht saugender, harter Oberfläche die Kristallisation
verhindert werden. Würde man nämlich ein solches Papier in noch nassem Zustand zum
Trocknen aufhängen, so würde es sich mit einer Unzahl kleiner glitzernder Kriställchen
bedecken, die das Zustandekommen glatter Tone verhindern. Man behandelt in diesem Fall die
noch gleichmäßig nasse Oberfläche des Papiers mit einem breiten langhaarigen Pinsel,
dem sogen. Vertreiber. Dieser wird in raschen kreisförmigen Bewegungen, unter leichtem
Druck, so lange über das Papier geführt, bis jeder Feuchtigkeitsglanz verschwunden ist
und die Oberfläche ein gleichmäßig mattes Aussehen zeigt. Dann erst wird der Bogen
getrocknet.Auch bei Gegenwart von Arrowroot, Gummi oder Gelatine in der Sensibilisierung
ist das Behandeln mit dem Vertreibpinsel notwendig. Diese Substanzen veranlassen nämlich
das Entstehen zahlloser kleiner Luftbläschen, und da überdies der dicklichen
Flüssigkeit die Neigung sich auszubreiten fehlt, so würde nach dem Trocknen jeder
Pinselstrich sichtbar sein.
Das Sensibilisierungsgemisch hält sich
zwar in flüssigem Zustand ziemlich lange Zeit - mindestens einige Stunden -
vollkommen unverändert, es verdirbt jedoch auf Papier aufgestrichen in feuchtem Zustand
ziemlich rasch. Das präparierte Papier muß daher trocken werden, ehe die
Sensibilisierung Schaden gelitten hat.
Der hierfür gestattete Zeitraum hängt
wesentlich von der Zusammensetzung der Sensibilisierung ab, denn wie später gezeigt
werden soll, neigen Papiere, welche mit den Doppelsalzen des Eisenoxalates präpariert
sind, bei Gegenwart von Feuchtigkeit mehr zum Verderben als solche, die nur
Eisen-III-oxalat enthalten. Im Allgemeinen braucht man jedoch in dieser Beziehung nicht zu
ängstlich zu sein und es genügt, wenn das Papier in ½ - 1 Stunde die volle Trockenheit
erreicht hat.
Es ist dies bei gut geleimten Papieren in einem warmen trockenen Lokale anstandslos durch
freiwilliges Trocknen zu erreichen, und nur weiche, saugende, dicke Kornpapiere erfordern
hierzu unbedingt künstliche Wärme. Jedenfalls muß aber das Papier schließlich einen
solchen Zustand von Trockenheit erreichen, daß es sich nicht mehr weich anfühlt.
Ist der Präparationsraum kalt und feucht, so muß man das Trocknen bei allen Papieren
durch künstliche Wärme unterstützen. Man bewegt das Papier entweder über einer Flamme
hin und her, oder hängt es in die Nähe eines Ofens, oder man benutzt bei größerem
Betriebe eigene Trockenkästen, wie sie auch zum Trocknen der Lichtdruckplatten gebraucht
werden.
Bezüglich der beim Trocknen zulässigen
Temperatur haben Versuche gezeigt, daß die mit Eisenoxalat-Doppelsalzen überzogenen
Papiere längere Zeit auf 100 Grad oC erwärmt werden können, ohne Schaden zu
leiden, während Eisen-III-oxalatpapiere diese Temperatur nur kurze Zeit vertragen und
bald Schleierbildung aufweisen. Eine Temperatur von 50-60 Grad oC dürfte sich
für das Trocknen aller Papiere empfehlen.
Das Trocknen bei künstlicher Wärme darf erst
stattfinden, wenn die Sensibilisierungslösung an der obersten Faserschicht des Papiers
aufgesaugt wurde, wenn also jeder Flüssigkeitsglanz von der Oberfläche des Papiers
verschwunden ist. Wird diese Vorsichtsmaßregel nicht eingehalten, so zeigt das trockene
Papier glänzende Stellen, die Platin-Eisensalze liegen frei auf der Oberfläche und bei
der Entwicklung schwimmt das metallische Platin vom Bild ab.
Die rasche Veränderung, welche Eisenpapiere
in einem feuchten Raum, wahrscheinlich in Folge der Bildung basischer Salz erleiden, wurde
schon bei Besprechung der Eisensalze angeführt.Man kann diese Zersetzungserscheinungen
sehr gut studieren, wenn man auf den Boden einer Pappschachtel nasses Filterpapier bringt
und das Eisenpapier mit Heftnägeln an dem Deckel befestigt.
Nach 12-24 Stunden ist das Papier braun geworden und hat seine Lichtempfindlichkeit
verloren.
Es ist gleichgültig, ob das Papier mit reinem Eisen-III-oxalat oder einem Doppelsalz
überzogen war und ob in der Sensibilisierung Platinsalz gegenwärtig war oder nicht.
Bewahrt man das Papier vollkommen trocken auf, so erleidet es, wenn auch erst nach langer
Zeit, ebenfalls eine Veränderung, indem ein Teil des Eisen-III-oxalates in das
Eisen-II-salz übergeht.
Das trockene Salz, sowie seine Lösung, ist zwar vollkommen haltbar, als Sensibilisierung
aufgetragen ist es aber nicht nur mit organischer Substanz - Papier; Stärke, Gelatine
etc. - in Berührung, es ist auch in enorm dünner Schicht allen Einflüssen der
Atmosphäre und ihrer Verunreinigungen ausgesetzt. Es kann daher nicht überraschen, wenn
das Eisen-III-oxalat-Papier im Laufe der Zeit eine Veränderung erfährt, wenn also
Platindrucke auf altem Papier bei der Entwicklung einen allgemeinen grauen Ton, einen
Schleier zeigen.
Die Eisen-III-oxalatdoppelsalze sind in dieser
Beziehung haltbarer und tatsächlich zeigen auch Natriumeisen-III-oxalat-Platinpapiere bei
trockener Aufbewahrung ein günstigeres Vorhalten. Eine weitere Ursache für die
Zersetzung des sensibilisierten Platinpapiers dürfte in der Wechselwirkung zwischen dem
Platin- und Eisensalz zu suchen sein.
Dem Eisen-III-oxalat kommen als Oxidsalz oxidierende Wirkungen zu, das
Kaliumtetrachloroplatinat kann zum Chlorid oxidiert werden. Es kann also bei Gegenwart von
etwas Feuchtigkeit in der Sensibilisierungsschicht aus Eisen-III-oxalat und
Kaliumtetrachloroplatinat, Eisen-II-oxalat und Kaliumplatinchlorid entstehen, eine
Umsetzung, die sich beim Kochen konzentrierter Lösungen auch in der Eprouvette
durchführen läßt.Ist in der Papierpräparation gleichzeitig Natriumoxalat vorhanden, so
absorbiert das Eisen-II-oxalat begierig den Sauerstoff der Luft, und es entstehen
Eisenoxidsalze von geringer Lichtempfindlichkeit.Wie ersichtlich, kann also ein
Natrium-Eisen-III-oxalat-Platinpapier bei längerer Einwirkung von Feuchtigkeit seine
Lichtempfindlichkeit verlieren.
Enthält das Papier statt des Doppelsalzes nur Eisen-III-oxalat, so kommt es nur zur
Bildung von Eisen-II-oxalat und Kaliumplatinchlorid. Durch die Gegenwart des Oxidulsalzes
muß noch kein Schleier bedingt sein, denn das vorhandene Platinchlorid wirkt diesem
entgegen.Die Zersetzungsvorgänge im Platinpapier bei langer oder feuchter Aufbewahrung
sind daher zurückzuführen:
auf Veränderungen, die das Eisen-III-oxalat
und seine Doppelsalze erleiden, indem:
a) bei Gegenwart von Feuchtigkeit braune, unlösliche, lichtbeständige Verbindungen
(wahrscheinlich basische Salz) entstehen,
b) bei trockener Aufbewahrung eine teilweise Reduktion zu Eisen-II-oxalat stattfindet.
auf einem Umsetzungsprozeß zwischen dem
Platin und Eisensalz.In der Praxis werden diese Vorgänge stets kombiniert sein und Mangel
an Kraft, Schleier, Unempfindlichkeit etc. zur Folge haben. Je nachdem ein oder der andere
Zersetzungsprozeß vorwaltet, werden diese Fehler einzeln oder gleichzeitig zu beobachten
sein.
Aus den obigen Erörterungen folgt, daß
Doppelsalz-Platinpapiere gegen Feuchtigkeit weniger widerstandsfähig sind, sich aber bei
trockener Aufbewahrung länger schleierlos halten werden, als solche, die mit
Eisen-III-oxalat und Platinsalz sensibilisiert sind, und daß bei reinen Eisenpapieren
oder solchen, die nur sehr wenig Platin enthalten, ein Zersetzungsprozeß weniger zu
befürchten ist. Um der Schleierbildung bei langer Aufbewahrung entgegen zu wirken,
empfiehlt sich ein kleiner Zusatz von Platinchlorid zur Sensibilisierung. Dieses Mittel
muß jedoch mit Vorsicht gebraucht werden, da es in größerer Menge die photographischen
Eigenschaften schädigt.
Um das empfindliche Papier tunlichst lange
brauchbar zu erhalten, wird man es daher trocken aufbewahren, also möglichst luft- und
lichtdicht abschließen müssen.Wie bekannt, benutzt man zu diesem Zweck Blechbüchsen,
deren Deckel mit einem Behälter für Chlorcalcium versehen ist. Auch gut schließende
Holzkästen, auf deren Boden man eine Tasse mit Chlorcalcium stellt, sind brauchbar und
bei großen Formaten sehr bequem.
Das Chlorcalcium ist eine sehr hygroskopische
Substanz und zieht begierig alle zum Papier dringende Feuchtigkeit an sich. Sobald es in
Folge der Feuchtigkeitsaufnahme Neigung zum Zerfließen zeigt, muß es durch frisches
ersetzt werden. Wenn auch das Platinpapier im Laufe der Zeit Veränderungen erleidet, so
muß es vom Standpunkte des Praktikers doch als haltbar bezeichnet werden.
Bei halbwegs sorgfältiger Aufbewahrung bleibt es mindestens 1-2 Wochen
vollkommen unverändert und dieser Zeitraum genügt dem Photographen, der sich das Papier
selbst sensibilisiert.
Für den Fabrikanten, der das Papier für den Handel liefern will, ist die Haltbarkeit
freilich nicht genügend und er muß zu umständlichen, kostspieligen Prozeduren seine
Zuflucht nehmen, das Papier in verlöteten Blechbüchsen einschließen, um seine
Haltbarkeit wenigstens für einige Monate zu sichern.
Wie schon Eingangs erwähnt, wird bei diesem
Verfahren das Papier mit Eisen-III-oxalat und der ganzen Menge des für die Bilderzeugung
notwendigen Kaliumplatinchlorürs überzogen, und nach dem Belichten unter einem Negativ,
die entstandene Eisenkopie mit einer, die reduzierende Kraft des Eisen-II-oxalates
weckenden Lösung behandelt, wobei die Umwandlung in das definitive Platinbild vor sich
geht.
Je nachdem die Entwicklungslösung in kaltem oder heißem Zustand benutzt wird,
unterscheidet man zwei Varianten dieses Verfahrens: den Prozeß mit kalter und jenen mit
heißer Entwicklung.
Abgesehen von der Temperatur des Entwicklers und dem dadurch bedingten, verschiedenen
Arbeitsmodus bei der Behandlung des kopierten Bildes, unterscheiden sich beide Verfahren
nur noch durch kleine Unterschiede in der Papierpräparation.
Die charakteristische Wirkungsweise des Entwicklers, sowie der, in der Praxis
einzuschlagende Vorgang beim Kopieren hat für beide Prozeß Geltung, soll daher gemeinsam
abgehandelt werden.
Der Verlauf des Prozesses bei der Entwicklung
eines Platinbildes wurde schon auf Seite 13 ausführlich erörtert. Wenn auch dabei
vielleicht andere Zersetzungsprodukte des Eisen-III-oxalates eine Rolle spielen, den
Prozeß vielleicht einleiten und beschleunigen, so ist doch das bei der Belichtung
gebildete Eisen-II-oxalat das wesentliche Produktionsmittel für das Platinsalz.
Aufgabe des Entwicklers ist es, das
Reduktionsvermögen dieses Körpers auszulösen. Man benutzt zu diesem Zweck meist
Salzlösungen, welchen die Fähigkeit zukommt Eisen-II-oxalat zu lösen und ihre
Wirksamkeit hängt wesentlich von diesem Lösungsvermögen ab. Je leichter und rascher die
Lösung von Statten geht, desto weniger Platinsalz, welches ja gleichfalls vom Entwickler
gelöst wird, kann sich der Reduktion entziehen.
Am leichtesten wird das Eisen-II-oxalat von den Oxalaten der Alkalien - besonders vom
Kaliumoxalat - gelöst und tatsächlich kommt auch diesem die hervorragendste Wirkung als
Entwickler zu.
Die zitronensauren Salz kommen den Oxalaten am nächsten, ohne sie aber zu erreichen,
wahrend die essigsauren, weinsauren und salpetersauren Alkalien nur eine schwach
entwickelnde Kraft zeigen. Derartige, schwachwirkende Entwickler färben nur jene Stellen
der Kopie, welche eine intensive Belichtung erfahren haben, vollkommen schwarz, während
die Halbschatten gar nicht entwickelt werden. Ehe hier die geringe Menge des vorhandenen
Eisen-II-oxalates zur Wirkung gelangt, ist das Platinsalz bereits im Entwickler gelöst
und dem Reduktionsprozeß nicht mehr zugänglich. Man erhält daher harte Bilder mit
fehlenden Halbtönen.
Durch Kombination von Kaliumoxalat mit einer
schwachen Entwicklungssubstanz läßt sich der Charakter der Bilder günstig beeinflussen.
Ersteres entwickelt ein weiches Bild, bringt die Details in den Lichtern, letzteres
dagegen verstärkt die Schatten in den Tiefen.
Aus diesem Grunde hat Willis 5 einen gemischten Oxalat-Phosphat-Entwickler
vorgeschlagen, der den Bildern mehr Klarheit, Kraft und Transparenz erteilt als es bei dem
einfachen Oxalatentwickler der Fall ist. Da die Lösung den Eisen-II-oxalates durch Wärme
wesentlich unterstützt wird und da jeder chemische Prozeß - also auch die Reduktion des
Platinsalzes - bei höherer Temperatur energischer verläuft, so entwickeln warme
Lösungen stets rascher und kräftiger als kalte.
Die Heißentwicklung liefert daher
weichere Bilder und erfordert kürzere Expositionen als die Kaltentwicklung.
Abweichend von der
Wirkungsweise dieser Salz verhaltend sich Lösungen von ätzenden oder kohlensauren
Alkalien. Sie lösen nicht das Eisen-II-oxalat, sondern zersetzen es unter Bildung des
Oxidulhydrates resp. des Carbonates.Diese Körper sind zwar unlöslich, wirken aber
äußerst kräftig reduzierend, scheiden daher aus dem in Lösung gehenden Platinsalz sehr
rasch das Metall ab. Soda und Pottasche sind bezüglich der entwickelnden Kraft dem
Kaliumoxalat gleichwertig und wurden wiederholt als Entwickler
6 für Platinbilder vorgeschlagen.
Bei Verwendung dieser Lösungen färbt sich das ganze Papier gelblichbraun, da auch das
nicht belichtete Oxidsalz des Eisens unter Bildung des Oxides und basischer Salz zersetzt
wird. Wurde der Entwickler kalt verwendet, so verschwindet diese Färbung im salzsauren
Wasserbad gewöhnlich vollkommen, bei heißer Entwicklung aber erhält man oft keine
reinen Weißen. Überdies verursachen diese Entwickler leicht eine körnige, rauhe
Beschaffenheit des Bildes und konnten hauptsächlich diesem Grunde keine allgemeine
Anwendung finden.
Einer warmen Lösung von Kaliumoxalat kommt
die höchste entwickelnde Kraft zu und es war eine weitere Steigerung derselben bisher
nicht möglich. Dagegen kennt man viele Körper, welche auf die Reduktion des Platinsalzes
hemmend wirken, die Bildentwicklung teilweise oder auch ganz verhindern. Diese Eigenschaft
besitzen alle oxidierenden Substanzen, sie wirken im Entwickler analog wie in der
Sensibilisierung, und ihr Einsatz empfiehlt sich daher bei zu lang exponierten Kopien und
bei Verwendung dünner Negative.
Ihre Anwendung erfordert auch hier Vorsicht, denn sie verhindern leicht das Entstehen der
zarten Halbschatten und verursachen breite Lichter.
Auch bei Papieren, die in Folge allgemeiner Belichtung oder aus sonst einem Grunde
Schleierbildung zeigen, kann ein solcher Entwicklerzusatz von Wert sein, man erhält dann
reine Weißen, muß aber die Exposition entsprechend verlängern.
In dieser Weise wirkt der von Burton
7 empfohlene Zusatz von unterchlorigsaurem
Kalium oder von Bromwasser im Soda-Entwickler.
Man verwendet eine gesättigte Lösung von Brom in Wasser und versetzt 1000 Teil 5 %iger
Sodalösung mit ca. 5 Teilen derselben. Platinpapier, welches vor dem Kopieren so lange
dem Licht ausgesetzt wurde, bis es eine schwache Färbung zeigte, läßt sich mit dieser
Lösung vollkommen schleierfrei entwickeln. Die ganz gleichen Dienste leistet im
Oxalat-Entwickler ein Zusatz von Kaliumdichromat. Man versetzt 100 ml Oxalatlösung mit
2-5 ml einer Lösung von 1 g Kaliumdichromat in 100 ml Wasser.
Willis 8
benutzt zu diesem Zweck einen Zusatz von Kaliumnitrit (salpetrigsaurem Kalium) und
entwickelt zu stark kopierte oder zu weiche Bilder mit einer kalten Oxalatlösung, die auf
1000 Teil 1 - 3 Teil dieses Salzes enthielt. Seine Wirkung schwächt sich aber rasch ab,
so daß nach dem Entwickeln einiger Drucke ein neuer Zusatz gemacht werden muß. Ein
Zusatz von löslichen Chlor- oder Bromsalzen hemmt gleichfalls die Reduktion der
Platinsalze, sie wirken ähnlich, aber viel schwächer als oxidierende Körper und
verhindern gleichzeitig das Zustandekommen intensiver Schwärze.
Ähnliche Eigenschaften kommen auch jenen Körpern zu, welche das Chlorplatin in eine
durch Eisen-II-oxalat nicht reduzierbare Form umwandeln. So verhindert eine geringe Menge schwefligsaures
Natrium im Entwickler gänzlich das Zustandekommen eines Bildes, da aus dem
Kaliumtetrachloroplatinat nicht reduzierbares Sulfit entsteht. Diese Wirkung der
schwefligsauren Salze ist überraschend, da der Zusatz eines Reduktionsmittels eigentlich
eine allgemeine Verschleierung zur Folge haben sollte.
In dieser Weise äußert sich auch die Wirkung der Ameisensäure oder jene des Eisenvitriols.
Eine eigentümliche Rolle spielt das Quecksilber als Entwicklerzusatz. Abgesehen
von der braunen Nuance, welche die Bilder in einem heißen, quecksilberhaltigen Entwickler
annehmen, erhalten sie auch, und zwar besonders bei der Kaltentwicklung, einen harten
Charakter. Bei der Entwicklung scheiden sich bräunlichgelbe Quecksilberverbindungen aus,
die bei der nachträglichen Behandlung mit Salzsäure in Lösung gehen. Der für das
Platin bestimmte Platz scheint teilweise durch Quecksilber besetzt zu werden, weshalb
scheinbar kurz exponierte, harte Kopien resultieren. Schon geringe Mengen von
Quecksilbersalzen üben eine deutliche Wirkung aus, daher es nicht zulässig ist, Sepia-
und Schwarz-Papier in derselben Lösung zu entwickeln.
Viele organische Substanzen
wie z. B. Gummi arabicum, Stärke, Tragant, besonders aber Zucker nuancieren das Bild
braun, wenn sie im Entwickler gegenwärtig sind, Glyzerin 9 wirkt dagegen nur als
Verzögerer, ohne den Charakter oder die Farbe des Bildes zu verändern.
Die Entwicklungslösung nimmt bei dem Gebrauch
alle in der Präparationsschicht des Papiers enthaltenen löslichen Bestandteile auf, wird
also nach einiger Zeit ziemliche Mengen von Eisen-III-oxalat und Platinsalz enthalten.
Setzt man die Flüssigkeit dem Licht aus, so wird das Eisensalz zu Eisen-II-oxalat
reduziert, ohne daß aber dieses auf das Platinsalz einwirken würde. Die Lösung ist zu
verdünnt und enthält einen relativ enormen Überschuß an Kaliumoxalat. Wird aber ein
solcher Entwickler erneuert angewendet, so können schleirige Bilder resultieren. Ein
schon gebrauchter Entwickler ist daher gegen Licht geschützt aufzubewahren.
Alle Platin-Eisenpapiere gehen, sobald sie
feucht werden, rasch zu Grunde, sie verlieren ihre Empfindlichkeit, Schleiern, und den
tiefen Schatten fehlt die intensive Schwärze. Diesen schädlichen Einfluß der
Feuchtigkeit muß man sich stets vor Augen halten und bei jeder Manipulation, besonders
aber beim Kopieren, ein Feuchtwerden das Papiers verhindern.
Die Kopierrahmen selbst - besonders aber die üblichen Papiereinlagen - sind häufig
feucht, das trocken eingelegte Papier zieht begierig die Feuchtigkeit an sich und bleibt
während der Zeit des Kopierens in diesem Zustand. Exponiert man bei gutem Licht ein
leicht kopierendes Negativ und entwickelt gleich, so wird die Feuchtigkeit noch keinen
Schaden verursacht haben - ist man aber zu einer langen Kopierzeit gezwungen, so verdirbt
das Papier im Rahmen, man erhält flaue, graue Bilder.
Je länger also die Belichtung voraussichtlich währen wird, desto mehr muß man auf einen
trockenen Zustand des Kopierrahmens bedacht sein.
Das Außerachtlassen dieser Vorsichtsmaßregel ist eine der gewöhnlichsten Ursachen der
Mißerfolge.
Die einmal - aus irgend einem Grunde - feucht gewordenen Papiereinlagen des Rahmens
müssen, am besten bei künstlicher Wärme, getrocknet werden, ehe man Platinpapier
einlegt. Am raschesten gelangt man zum Ziele, wenn man die Einlagen auf einer warmen Herd-
oder Ofenplatte auslegt und erst dann in Gebrauch nimmt, wenn sie sich in noch warmem
Zustand trocken anfühlen.
Um das Platinpapier tunlichst
gegen die Rahmenfeuchtigkeit zu schützen, erscheint es überdies geboten, das auf dem
Negativ liegende Blatt mit einem Stück vulkanisierten, dünnen Kautschuktuch zu bedecken
und dann erst den Papierbausch einzulegen.
Selbst die Gelatineschicht eines unlackierten, in einem feuchten Raum deponiert gewesenen
Negativs kann während des Kopierens soviel Feuchtigkeit an das Papier abgeben, daß der
Charakter des Bildes davon beeinflusse wird. Willis 10 verlangt daher, daß die Negative vor dem Kopieren getrocknet
werden. Auch vor und nach dem Kopieren ist das Papier gegen Feuchtwerden zu schützen. Das
für den Gebrauch bestimmte Blatt wird aus der Chlorcalciumbüchse direkt in den
Kopierrahmen gebracht und kann nach beendeter Belichtung nicht gleich entwickelt werden,
so wird die Kopie wieder in der Büchse verwahrt.Der erfahrene Operateur wird freilich
diese Vorsichtsmaßregeln nicht peinlich einzuhalten brauchen, er kennt seinen
Arbeitsraum, berücksichtigt die Witterungsverhältnisse, er erkennt beim Anfassen des
Papiers seinen Feuchtigkeitsgehalt und wird sich in passender Weise Erleichterungen
verschaffen, ohne das Resultat zu schädigen.
Die größte Schwierigkeit bei der Ausführung
des Platindruckes ist das richtige Kopieren. Das bei der Belichtung entstehende Eisenbild
ist von blaßbrauner Farbe und hebt sich von dem gelben Grund des Papiers nur wenig ab.
Die Schatten sowie die Mitteltöne sind zwar ziemlich gut sichtbar, der zarte Verlauf in
die Lichter fehlt aber bei gewissen Papieren gänzlich. Der trockene Zustand des Papiers,
ein relativ hoher Eisengehalt, der Zusatz von Quecksilber- oder Bleisalzen befördert das
Entstehen gut sichtbarer Bilder. Bei einiger Übung ist es auch ganz gut möglich
Platinpapiere nach dem Aussehen des Eisenbildes richtig zu Kopieren; man darf hierbei
weniger auf das Sichtbarwerden gewisser Details als auf das Gesamtaussehen des Bildes,
dessen Charakter man sich eingeprägt hat, achten.
Wer diese Übung nicht besitzt, wird besonders beim (Kopieren größerer Formate, ein
Photometer zu Hilfe nehmen. Zu diesem Zweck sind Papierskalenphotometer, die man mit
Aristo- oder Celloidinpapier beschickt, vollkommen ausreichend.
Da das Platinpapier 2-4 mal so empfindlich als
das Vergleichspapier ist, so muß eine aus ziemlich durchsichtigem Papier hergestellte
Skala benutzt werden, weil sonst das Silberpapier kaum ankopiert, während das
Platinpapier unter dem Negativ schon auskopiert ist.Man stellt sich daher durch
Übereinanderlegen von 10-15 Blatt dünnem Velinpapier, deren jedes das vorhergehende um
ca. 1 cm überragt, eine Skala her. Das Format derselben kann ca. 10x15 cm betragen, sie
wird in einen kleinen Kopierrahmen eingelegt und leistet auch sehr gute Dienste, wenn man
verschiedene Papiere bezüglich ihrer Empfindlichkeit und der sonstigen photographischen
Eigenschaften vergleichen will.
Die richtige Kopierzeit wird durch eine
Probekopie ermittelt. Man legt zu diesem Zweck einen Streifen des zur Verwendung kommenden
Papiers unter das Negativ, wobei man einen charakteristischen Teil desselben auswählt,
legt unter die Papierskala einen Streifen Silberpapier und kopiert so lange, bis das
Aussehen des Eisenbildes auf die beendete Kopierung schließen läßt. Nun wird das
Platinpapier entwickelt, und zeigt es das entsprechende Aussehen, so kann das definitive
Bild kopiert werden.Zur Kontrolle des Kopiervorgangs beschickt man die Skala mit einem
neuen Streifen Silberpapier, während man den früheren durch schwarzes Papier gegen eine
weitere Belichtung schützt. Man überzeugt sich zeitweise von dem Aussehen des neu
eingelegten Streifens, wobei man den Kopierrahmen zur Hälfte öffnet und unterbricht die
Belichtung, sobald beide Streifen gleich erscheinen. Da die Streifen nebeneinander liegen
und man nicht nur die letzte eben noch ankopierte Stufe, sondern auch das Gesamtaussehen
der ganzen Skala berücksichtigt, läßt sich der Kopierprozeß mit großer Schärfe
kontrollieren. Das Kopieren von Platinpapier unter Kontrolle von Chlorsilberpapier ist
prinzipiell nicht ganz richtig. Das weiße Tageslicht zeigt zu verschiedenen Jahres- und
Tageszeiten merkbare Schwankungen in seiner Zusammensetzung, enthält also relativ
verschiedene Mengen violetter und blauer Strahlen. Diese Strahlengattungen kommen zwar bei
allen Kopierprozessen fast ausschließlich in Betracht, während aber das
Chlorsilberpapier hauptsächlich für den violetten des Spektrums empfindlich ist, sind
für das Platinpapier besonders die blauen Strahlen wirksam. Auch die Bewölkung des
Himmels, der Gehalt der Atmosphäre an Wasserdämpfen und Staub sind von Einfluß auf die
Zusammensetzung des Weißen Tageslichtes.
Es ist daher zu erwarten, und wird auch durch
die Erfahrung bestätigt, daß das Empfindlichkeitsverhältnis zwischen beiden Papieren
kein konstantes ist, sondern durch die angegebenen Umstände beeinflußt wird. Kopiert man
beispielsweise den Probestreifen mittags und das definitive Bild am Abend, so können die
Platinkopien, obwohl die Silberpapierstreifen das gleiche Aussehen zeigen, in der
Exposition doch eine Verschiedenheit aufweisen. Vermeidet man jedoch zu große Differenzen
in der Beschaffenheit des Lichtes, so reicht das Verfahren für die Praxis vollkommen aus.
Ein sehr bequemes Photometer ist die sogenannte »Kopieruhr Fernande« von
Leutner in Wien.
Dieselbe ist ein Skalenphotometer und besteht
aus einem Metallrähmchen, dessen Deckel 10 quadratische, durch eine gelbe
Spiegelglas-Skala bedeckte Ausschnitte besitzt. Die Innenseite der Rückwand ist mit einem
Filzstreifen belegt, auf welchen der Deckel mit der Skala durch eine kräftige Spiralfeder
fest angepresst wird. Die einzelnen Ausschnitte sind durch die nebenstehenden Ziffern 1-10
bezeichnet. Ein verschiebbarer Zeiger gestattet die Markierung des beabsichtigten
Kopiergrades. Die Skala ist auf photochemischem Wege hergestellt und zeigt einen
kontinuierlichen Übergang von Hellgelb bis Dunkelbraun. Die Ausschnitte sind in der
Längsrichtung des Instrumentes zur Hälfte mit einem gefärbten Papierstreifen belegt,
dessen Farbe durch das gelbe Deckglas gesehen, genau jener gleichkommt, welche die
Chlorsilberpapiere bei der Belichtung annehmen.Legt man nun unter die Skala einen Streifen
eines direkt kopierenden Chlorsilberpapieres, so erscheinen alle nicht belegten Öffnungen
gelb, die belegten Teil aber braun. Belichtet man, so färbt sich das Silberpapier und
erreicht zunächst unter dem Ausschnitt 1 die braune Vergleichsfarbe des belegten Teiles -
dieses Feld erscheint somit ganz gleichmäßig gefärbt. Bei fortgesetzter Belichtung
folgt dann der Ausgleich in den weiteren Öffnungen, so daß nach einer gewissen Zeit, z.
B. das Feld 4 gleichmäßig gefärbt, die Öffnungen 1- 3 in der unbelegten, jene von
5-10 aber in der belegten Hälfte dunkler erscheinen.
Ist für ein Negativ durch eine Probekopie der
richtige Kopiergrad ermittelt, oder hat man durch Übung gelernt, die Dichte eines
Negativs nach den Graden dieses Photometers zu schätzen, so ist es ein Leichtes, eine
beliebige Anzahl weiterer Kopien von genau gleicher Beschaffenheit herzustellen.
Der gefundene Kopiergrad wird auf dem Negative
notiert, um für spätere Fälle die neuerliche Ermittlung desselben zu ersparen.
Beim Kopieren stellt man dann den Zeiger auf den gefundenen Grad und belichtet so lange,
bis das betreffende Feld homogen gefärbt erscheint. Bei der Anwendung des Instrumentes
ist es notwendig, sich stets desselben Photometerpapiers zu bedienen, nachdem die
Empfindlichkeit der verschiedenen käuflichen Chlorsilberpapiere beträchtlich
differiert.Albuminpapier kann für diesen Zweck nur in größeren Ateliers in Betracht
kommen, welche solches für andere Zweck täglich frisch präparieren, weil der Bedarf
für das Photometer, welches nur mit ganz kleinen Streifen beschickt wird, eine spezielle
Präparation nicht lohnt. Es ist daher vorteilhafter, Aristo- oder Celloidinpapier zu
verwenden, welche in kleinen Formaten. käuflich zu haben, und bei geeigneter Verwahrung
lange haltbar sind, doch können die ermittelten Kopiergrade, wegen der sehr verschiedenen
Empfindlichkeit, nicht von einem auf das andere Übertragen werden.
Am zweckmäßigsten ist die Verwendung von Celloidinpapier, welches seiner hohen
Empfindlichkeit wegen die Benutzung das Photometers auch bei dünnen Negativen gestattet,
während Aristopapier kaum den 1. Photometergrad erreicht haben würde, wenn das Bild
auskopiert ist. Für sehr dichte Negative kann zwar eine Verlängerung der Skala durch
Auflegen einer gelben Deckplatte auf das Photometer bewirkt werden, doch reicht die
normale Skala bei Herstellung von Platinkopien in allen Fällen aus.
In besonderer Weise zeichnet sich die
Kopieruhr »Fernande« vor anderen, diesbezüglichen Apparaten dadurch aus, daß
die Ablesung den Kopiergrades von außen, bei geschlossenem Photometer erfolgen kann,
wodurch einerseits eine genaue Ablesung erleichtert, andererseits aber eine Belichtung des
Photometer-Papieres beim Nachsehen, sowie jede Unterbrechung des Kopierens vermieden
wird.Das eben beschriebene Photometer wird vom Verfasser bei Ausführung des Platindruckes
fast ausschließlich benutzt. Die Resultate sind durchaus zufriedenstellend und es scheint
sogar, daß Differenzen in der Zusammensetzung des Lichtes von nur geringem Einfluß
sind.Dieser Vorzug des Instrumentes ließe sich vielleicht dadurch erklären, daß von den
eingelegten Silberpapierstreifen die violetten Strahlen, wegen des gelben Mediums,
abgehalten werden, daher nur der blaue und blaugrüne Anteil des Lichtes zur Wirkung
gelangt - und für diesen aber das Platinpapier besonders empfindlich ist.
Es wäre daher nicht unmöglich, daß das Silberpapier unter hellgelbem Glas und das
Platinpapier ohne Bedeckung, auch bei wechselnd zusammengesetztem Tageslicht, ein fast
konstantes Empfindlichkeitsverhältnis zeigen.Man kann sich von der Tatsache, daß die
beiden Papiere für die verschiedenen Strahlengattungen, verschieden empfindlich sind,
leicht überzeugen, wenn man unter einer Papierskala je einen Streifen Chlorsilber- und
Platinpapier gleichzeitig belichtet und einmal ein gelbes, das zweite Mal ein
blauviolettes Glas darüber legt. Man kopiert zuerst die von einer gelben Scheibe bedeckte
Skala so lange, bis auf dem Chlorsilberpapier 4-5 Stufen sichtbar sind, dann legt man zwei
neue Streifen ein, bedeckt die Skala mit der blauvioletten Scheibe und belichtet so lange,
daß der Chlorsilber-Papierstreifen genau ebensoweit ankopiert ist wie früher.
Nun entwickelt man die beiden Platinpapiere und wird finden, daß der unter dem gelben
Glas kopierte Streifen eine vielleicht um 5-6 Stufen, längere Skala aufweist als der
unter der blauen Scheibe belichtete.Ein gelblich gefärbtes Negativ läßt nur wenig
violette, auf Chlorsilber wirksame Strahlen durch, ein Negativ mit bläulichviolettem
Stich dagegen läßt relativ weniger blaue, auf Platinpapier wirksame Strahlen passieren,
woraus gefolgert werden muß, daß gelbstichige Matrizen auf Silberpapier brillanter als
auf Platinpapier Kopieren werden und daß dagegen Negative von bläulicher Nuance (mit
Silber verstärkte Collodiumplatten) brillantere Platinkopien erwarten lassen.
Fallen wirksame Strahlen auf ein Papier, so
muß die Belichtung einige Zeit andauern, bis eine wahrnehmbare Veränderung eintritt.
Die für diese Anfangswirkung notwendige Zeit Hängt von der Intensität des Lichtes ab,
ist aber dieser nicht proportional und wenn die Lichtintensität unter eine gewisse Grenze
fällt, so tritt auch bei beliebig langer Belichtungsdauer keine Veränderung der
lichtempfindlichen Substanz mehr ein.
Kopiert man daher ein Negativ bei schlechtem
Licht, so erhält man bekanntlich brillantere Bilder, als wenn man intensives, vielleicht
Sonnenlicht benutzt hätte. In ganz gleicher Weise wirkt das Bedecken des Negativs mit
Papier oder das Überziehen mit Mattlack, denn man verringert durch solche Mittel die
Intensität des Lichtes.
Auch eine farbige Glasscheibe wird diese Wirkung zeigen, vorausgesetzt, daß sie in Folge
ihrer Färbung einen Teil der auf das Papier wirksamen Strahlen absorbiert und daß das
Negativ von rein grauer Farbe ist. Trifft aber die letztere Bedingung nicht zu, hat man es
mit gelblichen oder bläulichen Negativen zu tun, so kann ihr Absorptionsband von jenem
der farbigen Scheibe derart ergänzt werden, daß eine verstärkte Deckung zu Stande
kommt. So werden gelbliche Negative durch blaue Gläser, bläuliche Negative durch gelbe
Scheiben verstärkt und brillanter Kopieren, als wenn man lediglich die Lichtintensität
durch ein halb durchsichtiges Medium geschwächt hätte. Eine grüne Glasscheibe kann je
nach ihrer Nuance entweder das bläuliche oder gelbliche Negativ verstärken, oder auch
nur die allgemeine Lichtintensität abschwächen. Es hängt eben alles von ihrem
Absorptionsspektrum und der Farbe des Negativs ab.
Die oft gemachte Angabe, daß Platinpapier unter einem mit grünem Glas bedeckten Negativ
brillanter kopiert, kann daher nur unter bestimmten Bedingungen, d. h. bei einer
bestimmten Nuance des Negatives und der Glasscheibe zutreffend sein.
Die Unbequemlichkeit der Entwicklung mit
heißen Lösungen, wie nicht minder die Notwendigkeit übermäßig dichter Negative für
den Heißentwicklungs-Prozeß waren die wesentlichsten Gründe, daß der Platindruck
anfänglich wenig ausgeübt wurde.
Tatsächlich gewinnt jetzt, seit Kaltentwicklungspapiere käuflich zu haben sind, der
Platindruck immer mehr Boden und auch zahlreiche Berufsphotographen benutzen diesen
Prozeß bei passenden Gelegenheiten.
Werden Streifen von einem mit Kaliumtetrachloroplatinat und Eisen-III-oxalat überzogenen
Papier unter einer Papierskala gemeinschaftlich belichtet, und der eine mit einer heißen,
der andere mit einer kalten Lösung von Kaliumoxalat entwickelt, so zeigt der erstere zwar
eine etwas längere Skala und etwas tiefere Schwärze, unterscheidet sich aber sonst nicht
wesentlich von dem zweiten.Man kann daher ein derartiges Papier sowohl für die heiße als
auch kalte Entwicklung benutzen, nur muß man in letzterem Fall etwas länger kopieren.
Dr. Mallmann und Scolik 11 raten daher zur Anwendung eines kalten Entwicklers und
heben besonders den Ton und die Brillanz der so erhaltenen Kopien hervor.
Daß ein Entwicklungsmodus, welcher eine
kürzere Skala zur Folge hat, brillantere Kopien liefert, ist selbstverständlich. Durch
die kalte Entwicklung wird aber auch die Abstufung der Mitteltone günstig beeinflusse.
Bei der heißen Entwicklung fallen die den tiefsten Schwärzen zunächst liegenden Töne
häufig mit diesen zusammen und man erhält breite, schwere, detaillose Schatten; bei der
Kaltentwicklung dagegen sondern sich die tiefsten Stellen besser von den Mitteltönen,
wodurch die Schatten an Durchsicht und Klarheit gewinnen.
Bei Verwendung eines kalten Entwicklers entsteht das Bild nur langsam und es genügt daher
das Durchziehen der Kopie durch die Lösung nicht, wie dies bei dem rapid wirkenden
heißen Entwickler der Fall ist. Da sich das Platinsalz sehr leicht im Wasser löst, so
kann ein Teil desselben während der Entwicklung in Lösung gehen und sich der Reduktion
entziehen oder aber, es findet diese nicht mehr auf der Papier, sondern in der
Flüssigkeit statt: das Bild schwimmt ab.
Aus diesem Grunde müssen für die Kaltentwicklung bestimmte Papiere, besonders wenn mit
dem Platinsalz gespart worden soll, derart präpariert werden, daß der
Entwicklungsprozeß tunlichst rasch verläuft. Die schon oben gemachte Bemerkung, daß die
Platin-Eisensalze keine eigene Schicht bilden dürfen, sondern in der obersten
Faserschicht des Papiers liegen sollen, gewinnt mit Rücksicht auf die obige Darlegung,
bei der Kaltentwicklung erhöhte Bedeutung.
Der Entwicklungsprozeß läßt sich durch
Zusätze gewisser Metallsalze wesentlich beschleunigen und besonders Bleisalze
haben in dieser Beziehung günstige Resultate ergeben. Von den verschiedenen Bleisalzen
hat sich das oxalsaure Blei (Bleioxalat) am besten bewährt; es verändert die
Eisenlösung in keiner Weise, unterstützt das Entstehen rein schwarzer Töne und erhebt
etwas die Deutlichkeit des provisorischen Eisenbildes.
Das essigsaure oder salpetersaure Blei sind weniger zu empfehlen, sie
veranlassen die Bildung von essigsaurem oder salpetersaurem Eisen in der Sensibilisierung
und bewirken eine unschöne, bräunliche Färbung des Bildes.
Das Bleioxalat bildet ein weißes,
schweres, im Wasser unlösliches Pulver, das man durch Einwirkung von Oxalsäure auf
essigsaures Blei erhält. Man löst zu seiner Darstellung 10 g Bleizucker in ca. 100 ml
Wasser auf, erwärmt die Lösung und fügt 4 g Oxalsäure in etwas Wasser gelöst zu. Es
entsteht ein weißer Niederschlag von oxalsaurem Blei, den man auf ein Filter bringt, mit
Wasser auswäscht und trocknet.Für die Sensibilisierung des Kaltentwicklungspapiers
benutzt man eine vorrätig zu haltende Eisen-III-oxalatlösung mit normalem Säuregehalt,
der auf je 100 ml 1 g Bleioxalat zugesetzt wurden. Der Einfachheit halber soll diese
Lösung als »Bleieisenlösung« bezeichnet werden.
Für die Sensibilisierung eines Bogens 50 x 75
cm mischt man:
3,0 ml Platinlösung 1:6,
4,5 ml Bleieisenlösung
und verdünnt für glattes Papier mit 3 ml,
für rauhe Sorten mit 5-8 ml Wasser.
Die Mischung ist längere Zeit haltbar.
Das Papier wird entsprechend den oben angegebenen Grundsätzen mit Arrowroot nachgeleimt
resp. vorpräpariert.
Bei mit Harz geleimten Papieren erhält man
rein schwarze Bilder, animalische Leimung veranlaßt das Entstehen blauschwarzer Töne.
Die animalisch geleimten Aquarellpapiere geben ein höchst unempfindliches Papier, das
auch bei langer Belichtung keine Schwärze annimmt, sind daher in rohem Zustand nicht zu
verwenden. Entfernt man jedoch die Leimung in der auf Seite 36 angegebenen Weise und
ersetzt sie durch Agar-Agar, so erhält man tadellose Resultate. Das derart behandelte
Papier wird mit 3 %iger Arrow-rootlösung, der man auf je 100 ml 0,5 g Alaun zusetzt,
vorpräpariert.
Rivespapier gibt bräunliche Töne
und muß zur Erzielung blauschwarzer Bilder mit Gelatine vorpräpariert werden, doch kann
bei Arrow-root-Vorpräparation auch der Sensibilisierungslösung Oxalsäure-Gelatine
zugesetzt werden. Zur Herstellung dieser Gelatinelösung läßt man 2 g Gelatine mit 20 ml
Wasser quellen, fügt dann ½ g Oxalsäure zu und erwärmt bis zur Lösung. Die
Flüssigkeit bleibt nur einige Tage brauchbar, dann entstehen Zersetzungsprodukte, welche
die Empfindlichkeit des Papiers in hohem Grade schädigen.
Man benutzt folgende Mischung:
3 ml Platinlösung 1: 6,
4,5 ml Bleieisenlösung,
1 ml Oxalsäure-Gelatine 1:10
und verdünnt, wie früher angegeben, mit Wasser. Das Papier arbeitet weicher als das
englische Kaltentwicklungspapier, ist es daher für weiche Matrizen, besonders für kleine
Portraits bestimmt, so werden der oben angegebenen Sensibilisierung noch 5-10 Tropfen
Natriumplatinchlorid 1:10 oder ebensoviel doppeltchromsaures Kalium 1:100
zugefügt.
Für reichlich gedeckte Negative arbeitet die
Sensibilisierung auch ohne Platinchlorid zu hart.
Man mischt dann einen Teil des Eisen-III-oxalates durch das Natriumdoppelsalz, verringert
gleichzeitig die Menge des Eisens und reduziert den Wasserzusatz:
2,5 ml Platinlösung 1:6,
2,5 ml Bleieisenlösung,
2 ml Natriumeisenlösung 1:2,
2-5 ml Wasser.
Der Verfasser benutzt diese Präparation mit
Vorliebe für alle Kornpapiere.
Das Eisenbild ist wegen den niederen Gehaltes
an Eisen-III-oxalat nur wenig sichtbar, daher man am besten mit Hilfe eines Photometers
kopiert. Ganz ausgezeichnet eignet sich dieses Papier für große Platten nach
Gemäldereproduktionen.
Sollen sich die sensibilisierten Papiere längere Zeit unverändert halten, so fügt man
der Präparationsflüssigkeit einen Tropfen Natriumplatinchlorid 1:10 zu.
Nach dem Auftragen der Flüssigkeit läßt man das Papier 10-20 Minuten hängen und
trocknet dann erst bei ca. 50 oC.
Jedes Kaltentwicklungspapier neigt zum Abschwimmen und dieser Fehler stellt sich unfehlbar
ein, wenn die aufgetragene Präparation zu rasch, d. h. vor dem Einsinken in die
Papieroberfläche, getrocknet wurde. Papiere, die man bei gewöhnlicher Temperatur
trocknen läßt, arbeiten etwas härter und kopieren entsprechend langsamer als rasch
getrocknete. Bezüglich des Kopierens ist zu bemerken, daß das im Rahmen entstehende
Eisenbild fast alle Details aufweisen muß; die Kaltentwicklungspapiere müssen fast
auskopiert und nicht nur ankopiert werden.
Zum Zweck des Entwickelns
benutzt man eine Lösung von Kaliumoxalat 1:3
oder den Oxalat-Phosphat-Entwickler. Die Kaliumoxalatlösung soll neutral reagieren; ansäuern
schädigt die Reinheit des Tones.
Der Oxalat-Phosphat-Entwickler besteht aus:
100 g Kaliumoxalat,
50 gr phosphorsaurem Kalium,
1000 ml Wasser.
Das Entwickeln selbst wird in einem mit gelbem
oder Lampenlicht beleuchteten Raum vorgenommen und kann in zweifacher Weise durchgeführt
werden: entweder in der Tasse mit Hilfe eines Pinsels.
Entwickelt man in der Tasse, so wird die Kopie mit der Schichtseite nach unten durch die
Lösung gezogen, dann gewendet und in der Flüssigkeit bis zur Vollendung des Bildes
liegen gelassen. Man kann auch die Kopie nach dem Durchziehen durch den Entwickler auf
eine Glasplatte legen und daselbst die Beendung des Prozesses abwarten. Das Bild entsteht
verhältnismäßig langsam und braucht 1-2 Minuten zur Vollendung.
Sobald alle Details in genügender Kraft erschienen sind, unterbricht man den Prozeß
indem man die Kopie in eine Tasse mit Salzsäure legt. Nach der Benutzung wird die
Flüssigkeit in eine eigene Flasche zurückgegossen und kann im Dunkeln aufbewahrt
wiederholt gebraucht werden. Sie nimmt jedoch aus dem Papier fast alle löslichen Salz auf
und wird nach längerem Gebrauche mit diesen Substanzen so überladen daß der Ton und
Charakter der Bilder leidet.
Hat sich die Lösung schon ziemlich stark gefärbt dann erscheint es zweckmäßig sie
durch eine neue zu ersetzen um nicht das Resultat zu gefährden. Eine schwach gelbliche
Färbung sowie eine Trübung der Flüssigkeit ist jedoch ganz unschädlich.
Wird der Entwickler etwas angewärmt so
erhält man wärmere Töne doch erscheint es geboten, etwas kürzer zu belichten.
Bei großen Formaten ist die Entwicklung durch Aufpinseln der Lösung ungleich praktischer
und diese Möglichkeit bildet den Hauptvorzug des Kaltentwicklungsprozesses. Es lassen
sich Bilder in ganz beliebigem Format mit kleinen Mengen des Entwicklers leicht und sicher
behandeln, ohne daß man zu diesem Zweck große unbequeme Tassen notwendig hätte.
Dieser Entwicklungsmodus bietet auch den großen Vorteil daß man jede Kopie mit einer
frischen noch ungebrauchten Lösung behandeln kann.
Das Entwickeln mit dem Pinsel wird in nachstehender Weise ausgeführt:
Man legt die Kopie auf eine genügend große
Glasplatte, gießt das voraussichtlich notwendige Quantum Entwickler in eine flache
Porzellantasse, taucht einen breiten nicht zu weichen, ziemlich kurz gefaßten Haarpinsel
satt in die Flüssigkeit und trägt diese, von einer Schmalseite des Bildes beginnend, in
einzelnen. Strichlagen auf. Nach jedem Strich, den man über das ganze Bild zieht; taucht
man den Pinsel erneuert in die Lösung und berücksichtigt, daß jeder Pinselstrich den
vorhergehenden übergreift, daß keine Stelle des Papiers trocken bleibt. Hat man in
dieser Weise das ganze Bild überzogen - wobei man sich gar nicht zu übereilen braucht,
da etwaige Streifen und Entwicklungsmarken bei fortgesetztem Entwickeln wieder
verschwinden -, so überpinselt man das Bild in der Richtung seiner Länge und wenn es
gleichmäßig naß erscheint, läßt man es bis zur vollendeten Entwicklung liegen.
Ein Zusatz von Glyzerin zum Entwickler verlangsamt den Prozeß und das Befeuchten
einzelner Teil des Bildes mit Glyzerin macht es möglich, diese zurückzuhalten.
Namentlich bei großen
Formaten ist es zweckmäßig, dem Entwickler ca. 1/6 seines Volumens Glyzerin zuzusetzen;
die Entstehung des Bildes geht dann viel langsamer vor sich und Flecken oder
Entwicklungsstreifen können auch bei unvorsichtiger Behandlung nicht entstehen.
Über die Anwendung des Glyzerins äußert sich Willis 12 in folgender Weise:
Werden einzelne Teile des Bildes kurz vor der Entwicklung mit Glyzerin befeuchtet und
das Bild dann entwickelt, so bleiben jene Teile etwas zurück, ohne daß am fertigen Bilde
Konturen derselben zu bemerken wären.
Es gelingt bei Anwendung des
Glyzerins das Abtönen eines Bildes während der Entwicklung, die partielle stärkere
Entwicklung einzelner Teile etc.
So wurde ein Bild zuerst ganz mit Glyzerin befeuchtet, dann mit einem Pinsel auf jene
Teil, welche mehr zum Ausdruck kommen sollten, verdünnter Entwickler aufgetragen, dieser
später über das ganze Bild ausgebreitet und schließlich die tiefen Schatten durch
Bepinselung mit einem konzentrierten Entwickler verstärkt. Will man die Bilder brillanter
entwickeln, so benutzt man einen mit der 4-6fachen Menge Wasser verdünnten Entwickler,
oder man versetzt die normale Lösung mit 2-5 Prozent Kaliumdichromatlösung 1:100,
muß aber in diesen Fällen etwas länger als sonst nötig kopieren. Nach beendeter
Entwicklung werden die Drucke in verdünnter Salzsäure von allen löslichen Salzen
befreit. Zu diesem Zweck mischt man in einer geräumigen Tasse 1 Liter Wasser mit 20 ml
Salzsäure und legt die Bilder, ohne sie vorher mit Wasser abzuspülen, mit der
Schichtseite nach unten in die Flüssigkeit. Eine verdünntere Säure wäre zu wenig
wirksam, bei größerer Konzentration würde das Papier zu sehr durchweicht werden.
Nach ca. 5 Minuten wird das Bild, welches
jetzt den größten Teil der Eisensalze bereits abgegeben hat, in ein zweites Säurebad,
das etwas schwächer sein kann, gebracht und nach ca. 15 Minuten langem Verweilen in eine
dritte Tasse mit frischer Säure überlegt.
Die Flüssigkeit in dieser Tasse soll durch die Bilder nicht mehr gefärbt werden. Dieses
sorgfältige Auswaschen mit Säure bezweckt die totale Entfernung aller Eisen- und
Platinsalzspuren aus den Bildern. Würden diese im Papier zurückbleiben, so wäre zwar
eine Veränderung der Bilder im Licht nicht zu fürchten, doch könnten die Kopien mit der
Zeit eine allgemeine bräunlichgelbe Färbung annehmen.
Ein längeres Verweilen in der Salzsäure
schadet den Bildern nicht, doch wird das Papier weich und porös, verliert vollständig
seine Leimung und nimmt ein rauhes Aussehen an. Nachdem das Säuern beendet ist, werden
die Kopien reichlich mit Wasser gewaschen, zwischen Saugpapier abgepreßt und schließlich
getrocknet.
Auch dem Auswässern der Bilder, welches die vollständige Entfernung der Säure bezweckt,
muß eine gewisse Sorgfalt zugewendet werden. Reste der Säure würden zwar das Bild
selbst nicht schädigen, sie machen aber nach längerer Zeit das Papier mürbe und
brüchig. Dieser Umstand ist bei Platindrucken, die in nicht aufgezogenem Zustand
aufbewahrt werden sollen, besonders wichtig.
Man wäscht daher in 3-4 mal zu wechselndem Wasser ungefähr ½ --1 Stunde lang.
Ein sehr rationelles Mittel, um die letzten Spuren der Säure unschädlich zu machen, ist
der Zusatz von etwas Soda zum zweiten Waschwasser. 2-3 g Soda auf je einen Liter Wasser
genügen zu diesem Zweck vollkommen.
Das Kaltentwicklungsverfahren ist eine
vorzügliche, einfache und sichere Methode zur Herstellung von Platindrucken.
Die Präparation des Papiers, sowie das Entwickeln, sind sehr leicht durchzuführen und in
Folge der kalten Entwicklung neigen auch alte Papiere kaum zur Schleierbildung.
Die Kaltentwicklung fördert wesentlich die Brillant der Kopien, so daß Negative die für
Albumindruck brauchbar sind, auch diesem Verfahren vollkommen entsprechen. Starker
gedeckte Matrizen geben aber meist harte Kopien. Für weiche Portätaufnahmen muß der
Charakter des Bildes durch Oxidationsmittel in der Sensibilisierung oder im Entwickler
modifiziert werden.
Der Glanz der Albuminkopie vertieft die Schatten, der Platindruck muß daher, wenn er
gleich wirksam sein soll, intensivere Schwärzen aufweisen. Da das kleine, detaillierte,
in der Nähe zu betrachtende Portrait an die Intensität der Schwärzen höhere
Anforderungen, als ein großes, für die Entfernung bestimmtes Bild stellt, so muß man
für kleine Portraits ein Papier wählen, welches an Brillant das Albuminpapier
übertrifft.
Die Farbe der Bilder kann zwischen blauschwarz oder bräunlichschwarz variiert werden.
Bei diesem Prozeß geht die Entwicklung
äußerst energisch vor sich; die Präparationsschicht findet nicht Zeit, unzersetzt in
Lösung zu gehen, das überschüssige Eisen-III-oxalat sowie das Chlorkalium des
Platinsalzes wirken nur wenig verzögernd, daher sich auch Papiere, die nur kurz belichtet
wurden, bei der Entwicklung färben.
Daraus erklärt sich die hohe Empfindlichkeit, das leichte Durchkopieren ziemlich dichter
Negative, der zarte weiche Charakter der Bilder. Die heiße Entwicklung setzt daher
brillante, ziemlich stark gedeckte Negative voraus, und beginnende Zersetzungsprozesse in
Folge langer oder unpassender Aufbewahrung das Papiers, werden sich frühzeitig bemerkbar
machen.
Die Behandlung der Kopie mit heißen Lösungen ist so unbequem, daß man nur im Fall
unbedingter Notwendigkeit von diesem Verfahren Gebrauch machen wird.
Unersetzlich ist gegenwärtig die heiße Entwicklung, wenn Platinbilder in brauner Farbe
auf animalisch geleimten Papieren hergestellt werden sollen. Nur durch heiße Entwicklung
ist man im Stande, die Tendenz der Gelatineleimung für Blauschwarz erfolgreich zu
bekämpfen.
Man wird also in diesem Fall unbedingt zu dieser Entwicklung greifen müssen und wird sie
auch mit Vorteil verwenden können, wenn sehr dichte Negative, besonders bei schlechtem
Licht, kopiert werden sollen.Über die Ausführung dieses Verfahrens, dessen Erfinder W.
Willis ist, haben J. Pizzighelli und der Verfasser 1882 die ersten
ausführlichen Mitteilungen veröffentlicht; später wurde der Prozeß von Dr. E.
Vogel und A. Lainer eingehend studiert.
Die heiße Entwicklung ruft
die Neigung zu braunen Tönen hervor, will man daher blauschwarze Bilder erzielen, so muß
das Papier, wenn es nicht animalisch geleimt ist, mit Gelatine vorpräpariert werden. Ein
Zusatz von Gelatinelösung zur Sensibilisierung, der sich bei der kalten Entwicklung sehr
wirksam erweist, reicht hier nicht aus.
A. Lainer 13 hat das Zustandekommen bestimmter Farbnuancen bei der
heißen Entwicklung zum Gegenstand einer Reihe von Versuchen gemacht und ist zu folgenden
Resultaten gekommen:
Höhere Temperaturen des Entwicklers geben bräunliche, niedere aber mehr schwarze Töne;
der Unterschied im Farbton einer
bei 80 oC und bei 40 oC entwickelten Kopie ist auffallend; beim
Entwickeln bei niederer Temperatur erhält man auch reinere Weißen.
Ein stark vermehrter Zusatz von Oxalsäure im
Entwickler beeinflußt den Farbenton in keiner merklichen Weise und hebt den bräunlichen
Ton beim Entwickler von hoher Temperatur nicht auf. Eine Verdünnung des Entwicklers zur
Hälfte veranlaßt bei gleicher Expositionszeit ebenfalls einen geringen Sepiaton, was in
den Schatten am deutlichsten bemerkbar ist.
A. Lainer beobachtete weiter, daß auch die Gelatine-Vorpräparation nicht immer
von gleicher Wirksamkeit sei, daß durch eine stark saure Reaktion des
Kaliumplatinchlorürs bräunliche Tone hervorgerufen werden und daß endlich ein kleiner
Zusatz von Ammoniumoxalat das Entstehen blauschwarzer Tone unterstützt.
Auch der Verfasser ist zu ganz ähnlichen
Resultaten gekommen und hält die reichliche Verwendung von Gelatine und eine nicht zu
hohe Temperatur des Entwicklers für die wesentlichsten Momente zur Erzielung
blauschwarzer Töne auf im Stoff geleimten Papieren. Auch der Zusatz von
Ammoniumeisen-III-oxalat, dann ein relativ hoher Gehalt an Eisensalz trägt etwas zur
Erzielung solcher Töne bei.
Für die Zusammensetzung der Sensibilisierung
können nebenstehende Vorschriften gelten:
a) Für bräunlichschwarze Bilder auf
Arrow-root-Papier und rein schwarze auf Aquarellpapier, welches jedoch - analog wie bei
dem Kaltentwicklungsprozeß - zunächst entleimt und dann erneuert mit Gelatine- oder
Agar-Agarlösung geleimt werden muß:
4 ml Platinlösung 1: 6,
5 ml Eisenlösung.
Man verdünnt für glattes Papier mit 2-3,
für rauhes mit 3-4 ml Wasser.
b) Für blauschwarze Bilder auf mit (Gelatine
vorpräpariertem Maschinenpapier:
4 ml Platinlösung 1: 6,
6 ml Eisenlösung,
1 ml Oxalsäure-Gelatinelösung.
Bezüglich der Verdünnung gelten die
allgemeinen Grundsätze.
Um die Haltbarkeit der Papiere
zu erhöhen, kann man den Sensibilisierungslösungen 1 Tropfen
Natriumplatinchloridlösung 1:10 zufügen. Diese Sensibilisierungen geben
weiche Drucke und erfordern daher brillante Negative. Für weniger gedeckte Matrizen
vermehrt man den Platinchloridzusatz auf 5-10 Tropfen oder man fügt der Mischung 5-10
Tropfen Kaliumdichromatlösung 1:100 zu.
Das Überziehen des Papiers mit der
Sensibilisierung, das Trocknen etc. geschieht in der früher angegebenen Weise.
Nach dem Kopieren dürfen die zarten Halbschatten noch nicht sichtbar sein, da bei der
Entwicklung mehr Details erscheinen als das Eisenbild aufweist.
Für das Entwickeln benutzt
man eine Kaliumoxalatlösung 1:3 bis 1:5 oder den
Oxalat-Phosphat-Entwickler.
Die Enwicklerlösung soll eine Temperatur von etwa 50-75 oC besitzen. Bei
Temperaturen unter 50 oC entwickelt sich das Bild weniger rapid und man kann
einen solchen abgekühlten Entwickler benutzen, wenn die Kopie zu lange exponiert wurde.
Für harte Negative wählt man dagegen sehr heiße Lösungen.
Die Reaktion das Entwicklers soll sauer sein, man prüft diesbezüglich mit Lackmuspapier
und säuert, wenn nötig, mit etwas Oxalsäure an.
Das Entwickeln selbst kann durch Übergießen
der Kopie geschehen und es empfiehlt sich dieser Vorgang bei einzelnen kleinen Bildern.
Man legt die Kopie auf den Boden einer Porzellan- oder emaillierten Blechtasse, erwärmt
den Entwickler in einem Glaskolben oder Becherglas und schüttet ihn, sobald er die
richtige Temperatur zeigt, in einem Guß über die Kopie.
Hat man eine größere Zahl von Kopien zu entwickeln, so wird die heiße Lösung in eine
emaillierte Blechtasse gebracht und die Bilder einzeln langsam durch die Flüssigkeit
gezogen. Nach dem Durchziehen betrachtet man die Kopie und zeigt diese nach einigen
Sekunden noch nicht das gewünschte Aussehen, so zieht man sie erneuert durch den
Entwickler.
Um die Temperatur der Lösung konstant zu
erhalten, wird die Tasse durch einen untergestellten Spiritus- oder Gasbrenner erwärmt,
oder besser, man stellt sie auf ein Blechgefäß, in welchem Wasser siedend erhalten wird.
Bei großen Bildern empfiehlt sich für die Entwicklung ein schmales, entsprechend langes
Blechgefäß von der in Fig. 7 dargestellten Form. Man legt dieses aus emailliertem
Eisenblech rinnenförmig gestaltete Gefäß auf einen aus Eisenblech hergestellten Trog,
wobei die horizontal abgebogenen Teil als Träger dienen. Der Trog wird zur Hälfte mit
Wasser gefüllt und durch ein oder zwei Gasrechauds oder Spirituslampen geheizt. Der
Verfasser benutzt einen derartigen von der Firma B. Wachtl gelieferten Apparat von 50 cm
Länge und 20 cm Breite, der ca. 5 Liter Entwickler faßt. Das Entleeren des Gefäßes
erfolgt am besten mit Hilfe eines dünnen Kautschukschlauches, den man in der bekannten
Weise eines Hebers handhabt. Gleich nach dem Entwickeln werden die Bilder in das Säurebad
gebracht und in der beim Kaltentwicklungsverfahren angegebenen Weise weiter behandelt.
Der kalte, schwarze Ton des Platindruckes
findet zahlreiche Gegner und besonders in Amateurkreisen wo die Photographie in
künstlerischer Richtung gepflegt wird und eine hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht
hat, sind braune Platinbilder sehr beliebt.
Es läßt sich auch nicht leugnen, daß der warme braune Ton auf stumpfem Papier gewisse,
besonders größere Bilder in ganz ausgezeichneter Weise zur Geltung bringt. Die
Sensibilisierungslösung des Papiers für Sepiabilder bleibt die früher angegebene, nur
wird sie mit einer entsprechenden Menge Quecksilberchlorid vorsetzt. Die Quantität dieses
Zusatzes schwankt zwischen 1 bis 8% des Platinsalzes und ist von großem Einfluß
auf die Farbe und den Charakter des Bildes.
Je größer der Gehalt an Quecksilbersalz ist, desto heller werden die Schatten in den
Kopien, desto unempfindlicher wird das Papier und desto mehr neigen die Bilder zur Härte.
Die Farbe des Bildes hängt nicht nur von der Menge das Quecksilbers ab, sie ist auch in
hervorragender Weise von der Zusammensetzung und Temperatur des Entwicklers, sowie nicht
minder von der Beschaffenheit des Rohpapiers abhängig.
Benutzt man den gewöhnlichen Oxalat-Entwickler, so erhält man bei niederem
Quecksilbergehalt nur schwarze Bilder und erst bei sehr bedeutendem Zusatz von Sublimat
entstehen braune Kopien. Säuert man die Lösung des Kaliumoxalates stark an - auf 100 ml
4-5 g Oxalsäure - , so erhält man schon bei mäßigen Quecksilbermengen braune Kopien,
bei geringeren Quantitäten aber braune Schatten und graue Mitteltöne.
Viel besser als Kaliumoxalatlösungen sind
für das Entwickeln von Quecksilberpapieren Mischungen dieses Salzes mit Citraten
oder Phosphaten geeignet; sie geben auch bei quecksilberarmen Papieren leicht
reine, braune Töne.
Der Einfluß der Temperatur des Entwicklers
wurde schon wiederholt betont, mit kalten Lösungen lassen sich nur ausnahmsweise
brauchbare braune Bilder entwickeln.
Die Farbe der Kopien, besonders jene der dunkeln Mitteltone wird auch durch die Gegenwart
gewisser Salz im Entwickler beeinflußt. So hellen Chloride diese Teil des Bildes auf,
daher ein Entwickler mit Chloridzusatz auch bei geringem Quecksilbergehalt braune Schatten
liefert. Eine zu große Menge dieses Zusatzes verhindert jedoch die Ausbildung der
tiefsten Schatten, die sich dann von den dunkeln Mitteltönen nicht mehr trennen.
Bei gleicher Zusammensetzung der Sensibilisierung geben gewisse Papiergattungen gelbliche,
andere rötliche Nuancen. Viele Maschinenpapiere, z. B. Rivespapier, zeigen schon bei
kalter Entwicklung reine braune Töne, während andere Sorten, so alle animalisch
geleimten Aquarellpapiere unbedingt einen heißen Entwickler fordern. Für jede
Papiergattung muß die notwendige Quecksilbermenge und der günstigste Arbeitsmodus auf
dem Wege des Experimentes ermittelt werden.
Quecksilberhaltige Papiere halten sich
schlechter als solche für Schwarzkopien, sie zeigen schon nach einigen Tagen eine
dunklere Färbung und geben beim Entwickeln keine reinen Weißen, sondern belegen sich mit
einem allgemeinen bräunlichen Ton.
Man kann die Haltbarkeit auch dieser Papiere durch einen kleinen Zusatz von
Natriumplatinchlorid wesentlich verbessern.
Das Papier wird mit Arrowroot vorpräpariert
und mit nachstehender Mischung überzogen:
4 ml Platinlösung 1:6,
6 ml Eisenlösung,
0,2-1 ml Quecksilberchlorid 1:20,
2 Tropfen Natriumplatinchlorid 1:10
Bei rauhen Kornpapieren setzt man überdies 2
bis 4 ml Wasser zu.
Der Zusatz von Natriumplatinchlorid ist zur Erzielung reiner Weißen unbedingt notwendig.
Das Papier eignet sich für normale Negative;
es arbeitet mit niederem Quecksilbergehalt sehr weich und gibt Bilder von
bräunlichschwarzer Farbe, bei höherem Quecksilbergehalt erhält man brillantere, rein
braune Kopien. Für wenig gedeckte Negative kann man noch 3 - 5 Tropfen
Natriumplatinchloridlösung zufügen. Das Bild erscheint bei der Exposition deutlicher als
bei dem Schwarzpapier und bei längerer Belichtung werden die tiefsten Stellen wieder
heller und nehmen eine rötliche Farbe an, ohne jedoch nach dem Entwickeln Solarisation zu
zeigen.
Mit animalisch geleimten Papieren erhält man zwar leichter gute Sepia- als Schwarzkopien,
doch liefert vom Leim befreites und mit Agar-Agar behandeltes Papier ungleich bessere
Resultate.
Für die Sensibilisierung von Whatman-Papier
ist nachstehender Vorgang einzuschlagen:
Das Papier wird in der Seite 75 angegebenen
Weise behandelt und mit folgender Sensibilisierung überzogen:
4 ml Kaliumtetrachloroplatinat 1:6,
6 ml Eisenlösung,1 ml Quecksilberchloridlösung 1:20,
2 Tropfen Natriumplatinchlorid 1:10,
4 ml Wasser.
Man läßt bei gewöhnlicher Temperatur so
lange hängen, bis der Feuchtigkeitsglanz verschwunden ist und trocknet dann
bei ca. 40 oC.
Als Entwickler benutzt man nachstehende
Lösung:
100 g Kaliumoxalat,
50 g Kaliumphosphat,
20 g Zitronensäure,
10 g Chlorkalium,
1000 ml Wasser.
Die Temperatur des Entwicklers muß mindestens
70 oC. betragen, sonst erhält man unreine, graue Mitteltöne.
Der Zusatz von Chlorkalium hellt die Tiefen auf und wirkt überdies der Färbung der
Lichter entgegen.
Das Entwickeln nimmt man in der früher
angegebenen Weise vor, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß die tiefsten Stellen das
Bildes verhältnismäßig langsam die volle Kraft erreichen, daher man die Kopie stets
zweimal und sehr langsam durch den Entwickler zieht. Nach beendeter Entwicklung behandelt
man das Bild, in der beim Kaltentwicklungsprozeß angegebenen Weise mit verdünnter
Salzsäure und wäscht schließlich mit Wasser.
Wenn Quecksilberpapiere nach dem Entwickeln oder selbst noch während der Behandlung mit
Salzsäure dem Tageslicht ausgesetzt werden, so nehmen sie rasch einen allgemeinen
gelblichbraunen Ton an, der sich in keiner Weise mehr entfernen läßt, daher das Säuern
der Drucke unbedingt in einer mit gelbem Licht erhellten Dunkelkammer oder bei Lampenlicht
vorgenommen werden muß.
Sehr reine, von Füllstoffen freie,
harzgeleimte Papiere (Rivespapier) geben auch bei der Entwicklung mit kalten Lösungen
braune Bilder. Der Quecksilbergehalt wird in der Sensibilisierung etwas vermehrt und zum
Entwickeln benutzt man eine Lösung von Oxalat mit zitronensaurem Kalium.
Das mit Arrowroot vorpräparierte Papier wird
mit nachstehender Mischung überzogen:
4 ml Platinlösung 1:6,
6 ml Eisenlösung,
1,3 ml Quecksilberchloridlösung 1:20,
2-6 ml Wasser.
Nach dem Kopieren legt man das Bild auf eine
Glasplatte und überpinselt mit folgender Lösung:
70 ml Kaliumcitrat 1:3,
30 ml Kaliumoxalat 1:3
20 ml saure Kaliumchloridlösung
Letztere besteht aus:
20 g Chlorkalium,
10 g Zitronensäure,
100 ml Wasser.
Um mit Sicherheit reine braune Töne zu
erzielen, empfiehlt es sich, den Entwickler mäßig anzuwärmen.
Bei der Entwicklung belegt sich das ganze Bild mit einem grauen Ton, die Weißen sowie
alle lichten Töne erscheinen grau, nur die Tiefen treten in verhältnismäßig heller,
brauner Farbe hervor. Man erhält den Eindruck, als ob man viel zu lange kopiert hätte.
Man läßt den Entwickler, ohne Rücksicht auf dieses Aussehen des Bildes, 5 Minuten
wirken und bringt dann die Kopie in die Salzsäure. Hier ändert sich das Aussehen
derselben, der Schleier verschwindet und es erscheint ein klares, rein braunes Bild.
Nach dem Trocknen nimmt die Intensität der
Kopie bedeutend zu, die Schatten werden tiefer und Details in den Lichtern kommen zum
Vorschein. Das in dieser Weise entwickelte Quecksilberpapier liefert leicht zu harte
Kopien, es erfordert daher weiche, detailreiche Negative mit nur geringer Deckung.
Für harte Matrizen ist es noch weniger geeignet als das kalt zu entwickelnde
Schwarzpapier.
Durch Zusatz von Queksilberchlorid
zum Entwickler lassen sich auch mit gewöhnlichem Platinpapier braune Kopien erzielen,
vorausgesetzt, daß man heiß entwickelt. Allerdings Färben sich dabei nur die Halbtöne
braun, während die Tiefen schwarz bleiben, daher solchen Kopien die reine Tonskala
fehlt.Neutrales Kaliumoxalat als Entwickler erfordert einen hohen Sublimatzusatz, was zur
Folge hat, daß die Bilder in der Säure stark zurückgehen; besser wirkt der Entwickler,
wenn er mit etwa 4 % Zitronensäure versetzt wird.
Am besten ist jedoch für den genannten Zweck der Oxalat-Phosphat-Entwickler brauchbar, da
er stark angesäuert das Zustandekommen brauner Töne sehr unterstützt. Man versetzt
daher die auf Seite 77 angegebene Lösung auf 100 ml mit 20 ml Quecksilberchloridlösung 1:20,
erhitzt auf mindestens 80 oC und entwickelt mit dieser Flüssigkeit die auf
gewöhnlichem Heißentwicklungspapier hergestellte Kopie. Dabei ist zu berücksichtigen,
daß die Bilder beim Säuern ziemlich viel verlieren, daß man daher viel länger (etwa
doppelt so lang) Kopieren muß, als bei Anwendung eines quecksilberfreien Entwicklers.
Nach A. Leiner 14) wirkt der quecksilberhaltige Entwickler bei wiederholter
Entwicklung Verschieden, muß daher immer frisch bereitet werden.
Schon sehr geringe Mengen von Quecksilbersalzen in die Sensibilisierung oder den
Entwickler für Schwarzpapier gebracht, veranlassen das Entstehen bräunlicher Details in
den Lichtern, so daß es unmöglich wird, reine schwarze Töne zu erzielen. Es ist daher
unbedingt geboten, für das Präparieren von Sepiapapieren eigene Pinsel zu benutzen und
erscheint rötlich, auch für die Entwicklung eigene Gefäße zu verwenden.
Selbstverständlich dürfen keinesfalls Lösungen, in welchen Sepiabilder entwickelt
wurden, für Schwarzkopien benutzt werden, sie haben aus dem Papier Quecksilber
aufgenommen und würden eine unschöne, gelbliche Färbung der zarten Töne hervorbringen.
Im Photographischen Journal, März 1888,
beschrieb W. Willis eine neue Art des Platindruckes, bei welchem das Papier mit
Eisen-III-oxalatlösung und etwas Quecksilberchlorid - also ohne jedes Platinsalz -
präpariert und das kopierte Bild mit einer Mischung von Kaliumoxalat- und
Kaliumtetrachloroplatinatlösung entwickelt wird.
Obwohl das Verfahren eine Reihe von Vorteilen in sich schließt, fand es bisher doch nur
wenig Beachtung. Vielleicht, daß die Notwendigkeit eines ziemlich viel Platinsalz
enthaltenden Entwicklers, den Prozeß kostspielig erscheinen läßt.
Tatsächlich ist aber diese Befürchtung gar nicht begründet, denn der Platinverbrauch
ist gerade bei diesem Verfahren geringer als bei jedem andern.
Als Vorteile dieser Methode
führt W. Willis 14 die Empfindlichkeit und Haltbarkeit des
sensibilisierten Papiers und die Klarheit der Schatten in der Kopie an.
Das Papier ist auch unter ungünstigen Verhältnissen sehr gut haltbar, die kopierten
Bilder können mehrere Tage liegen bleiben, ehe man sie entwickelt und die Kopien zeigen
eine Klarheit der Weißen und Brillant der Tiefen, welche auf anderem Wege kaum erreichbar
ist.
Für die Präparationslösung wird
nachstehende Vorschrift gegeben:
450 Teil Wasser,
120. Teil Eisen-III-oxalat,
1 Teil Quecksilberchlorid.
Mit dieser Lösung ist das Papier derart zu
überziehen, daß auf 15 qm Oberfläche 40 g trockenes Eisensalz kommen.
Nach dem Trocknen exponiert man unter einem Negativ und entwickelt mit:
100 ml Wasser,
5-24 g Kaliumoxalat,
1-3 g Kaliumtetrachloroplatinat.
Im Dezember 1888 teilt W.
Willis eine Modification des Entwicklers mit, indem an Stelle des Oxalates eine Mischung
dieses Salzes mit Kaliumphosphat empfehlen wird.
Cunningham 15 in Britisch Guiana hebt lobend die Haltbarkeit dieses
Papiers hervor. Während in den Tropen höchstens das erste, einer Büchse entnommene
Blatt präpariertes Platinpapier brauchbar war, hält sich das Papier ohne Platin
vortrefflich. Eisen-III-oxalat allein ist für die Herstellung von Bildern mit Platin im
Entwickler vollkommen ungeeignet und erst durch den Zusatz gewisser Metallsalze zur
Sensibilisierung wird das Reduktionsvermögen des bei der Belichtung gebildeten
Eisen-II-oxalates derart erhöht, daß bei der Behandlung mit Kaliumoxalat-Platinlösung
genügend rasch das Metall ausgeschieden wird.
Würde diese Reduktion langsam erfolgen, so wird metallisches Platin erst abgeschieden,
wenn das Eisen-II-oxalat bereits von der Papierfaser gelöst ist und das Bild schwimmt ab.
Da dann die Lösung das Eisen-II-oxalates auch auf jene Stellen gelangt, die weiß bleiben
sollen, und hier noch auf der Faser haftendes Platinsalz reduziert, so werden die reinen
Weißen des Bildes geschädigt. Der Verfasser konnte durch Zusatz von Quecksilbersalzen
das Abschwimmen des reduzierten Platins nicht gänzlich vermeiden, also mit den oben
angegebenen Vorschriften keine ganz zufriedenstellenden Resultate erzielen. Allerdings
muß man berücksichtigen, daß in dieser Beziehung auch die Papiersorte, die
Vorpräparation, die Menge des aufgetragenen Eisensalzes etc. von sehr bedeutendem
Einfluß sind und daß es bei Benutzung der Quecksilber-Eisen-Sensibilisierung auf eine
Ermittlung der passenden Verhältnisse ankommt.
Auch durch Bindemittel in der Eisenlösung und
Abänderungen in der Zusammensetzung des Entwicklers konnte das erwähnte Abschwimmen
nicht beseitigt werden; auch war es ziemlich gleichgültig, ob an Stelle des
Quecksilberchlorids das Chlorür, Nitrat oder Oxalat benutzt wurde. Auch eine Vermehrung
des Quecksilberzusatzes war ohne Erfolg. Mit zunehmendem Gehalt an Sublimat wird das
Papier immer unempfindlicher, es arbeitet immer härter, die Tendenz zum Abschwimmen den
Bildes bleibt aber bestehen.Dieser Übelstand macht sich am wenigsten bemerkbar, wenn man
die Eisenlösung sehr verdünnt aufträgt, dann fehlen aber wieder die tiefen Schwärzen.
Viel günstigere Resultate erzielt man, wenn
der Reduktionsprozeß durch einen Zusatz von Bleioxalat zur Sensibilisierung
weiter beschleunigt wird, und es gelingt dann, vorausgesetzt, daß die Vorpräparation des
Papiers passend und die Eisenlösung nicht zu konzentriert ist, tadellose Resultate zu
erzielen.
Blei-, Kupfer- oder Wismuthsalze allein sind nicht im Stande die
Bleiquecksilberkombination zu ersetzen;
Silbersalze sind sehr wirksam, müssen aber vermieden werden, weil sie die Behandlung der
Kopie mit einem Fixiermittel, etwa unterschwefligsaurem Natrium, nötig machen;
Palladiumsalze entsprechen, ihr hoher Preis sowie der unschöne bräunliche Stich der
Bilder stehen aber ihrer Verwendung im Wege.
Sehr gut in jeder Beziehung hat sich auch ein
geringer Zusatz von Platinsalz zur Eisen-III-oxalatlösung bewährt. Fügt man der normal
angesäuerten Eisen-III-oxalatlösung 1-2 Prozent Kaliumtetrachloroplatinat zu, so erhält
man eine Sensibilisierungsflüssigkeit, welche ein Papier liefert das sich mit
Kaliumoxalat-Platinlösung anstandslos entwickeln läßt.
Für die in Rede stehende Methode des Platindruckes kann daher eine
Eisen-III-oxalatlösung benutzt worden, die entweder mit Blei-Quecksilbersalzen versetzt
wird, oder die durch Zusatz von geringen Mengen Kaliumtetrachloroplatinat für den
gedachten Zweck brauchbar gemacht wird. In beiden Fällen erhielt man Papiere mit ganz
ausgezeichneten Eigenschaften.
Die Quecksilber-Bleipräparation gibt ein Papier von derselben Empfindlichkeit, die das
Heißentwicklungspapier zeigt, es liefert daher weiche Kopien auch von ziemlich stark
gedeckten Negativen. Das Eisenpapier mit Platinzusatz kopiert zwar langsamer, ist aber
etwas empfindlicher als das früher beschriebene Kaltentwicklungspapier mit normalem
Platingehalt.
Diese Eigentümlichkeit wird verständlich, wenn man berücksichtigt, daß das
Kaliumtetrachloroplatinat fast 1/3 seines Gewichtes Chlorkalium, ein die Reduktion den
Platins verzögerndes Salz, enthält. Ist das ganze für die Bilderzeugung notwendige
Platinsalz im Papier vorhanden, so ist das Chlorkalium bei der Entwicklung in
konzentrierter Lösung gegenwärtig, beeinflußt also diese in viel höherem Masse, als
wenn es sich in sehr verdünntem Zustand im Entwickler befindet.
Beide Papiere sind haltbarer
als solche mit normalem Platingehalt weil eine Wechselwirkung zwischen Platin und
Eisensalz aufgehoben oder doch sehr beschränkt ist. Tatsächlich kann man auch ein
derartiges Papier, ohne seine Eigenschaften zu schädigen, feucht Kopieren; es ist dies
zuweilen sogar zweckmäßig und W.
Willis 16 macht auch, um den
Charakter der Kopie zu modifizieren, von diesem Mittel Gebrauch.
Das Papier liefert Bilder mit transparenten Schatten und unterscheidet sich dadurch
vorteilhaft von Papieren mit vollem Platingehalt. Diese Eigentümlichkeit ist durch die
vollkommen auf der Oberfläche des Papiers liegende Platinschicht zu erklären.
Tatsächlich verlieren die Bilder auch beim Trocknen wenig von ihrer Brillant und brauchen
nur schwach vorpräpariertes Rohpapier.
Die Schattenpartien werden besonders klar und durchsichtig, wenn man das Papier nach dem
Kopieren einige Zeit in einem feuchten Raume liegen läßt. Bei der Entwicklung nehmen
dann die tiefsten Stellen ihre unveränderte Schwärze an, die zunächst liegenden
Mitteltone verlieren an Intensität, ohne daß aber der zarte Verlauf der Details in den
Lichtern verloren geht.
Das im Kopierrahmen entstehende Eisenbild ist gut sichtbar - besser als bei jedem anderen
Platinpapier; Täuschungen beim Kopieren können daher seltener vorkommen.
Solarisationserscheinungen zeigt das Papier erst nach sehr langer Belichtung, während das
Kaltentwicklungspapier mit vollem Platingehalt, besonders bei sparsam aufgetragener
Schicht, beim Kopieren dichter Negative häufig rotbraune Schatten aufweist. Die nach
dieser Methode hergestellten Bilder zeigen tiefe, matte, samtartige Schwärzen und rein
weiße Lichter. In dieser Beziehung übertrifft besonders das Eisenpapier mit Platinzusatz
alle anderen Verfahren. Dabei ist, wie schon erwähnt, der Platinverbrauch ein geringer.
Berücksichtigt man überdies, daß die Entwicklung mit kalten Lösungen erfolgt und daß
sich der photographische Charakter des Papiers innerhalb sehr weiter Grenzen variieren
läßt, der Prozeß daher für hart und weich kopierende Negative gleich gut verwendbar
ist, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Verfahren eine dominierende
Stellung einzunehmen bestimmt ist.Leider kennt man vorläufig kein Mittel, um auf diesem
Wege braune Kopien herzustellen; die Farbe der Bilder ist bräunlich- oder
bläulichschwarz.
Zum Vorpräparieren des Papiers benutzt man
Arrowrootlösung, trägt diese aber nicht zu stark auf, da sonst das Platin beim
Entwickeln abschwimmen würde. Animalisch geleimte Aquarellpapiere werden am besten
entleimt.
Für die Sensibilisierung benutzt man:
a) Methode mit Quecksilberzusatz:
5 ml Bleieisenlösung,
0,2 ml Quecksilberchloridlösung 1:20.
b) Methode mit Platinzusatz:
5 ml Bleieisenlösung,
0,5 ml Kaliumtetrachloroplatinatlösung 1:6.
Für weiche, wenig gedeckte Negative ersetzt
man einen Teil der Platinlösung durch Natriumplatinchlorid;
man mischt also:
5 ml Bleieisenlösung,
0,3 ml Kaliumtetrachloroplatinatlösung 1:6,
0,4 ml Natriumplatinchloridlösung 1:10.
Die beiden Platinlösungen müssen gesondert
zugesetzt werden, da sonst unlösliches Kaliumplatinchlorid ausfallen würde.
Für kleine, weiche Gelatine - Negative,
besonders für Portraits, benutzt man:
5 ml Bleieisenlösung,
0,8 ml Natriumplatinchloridlösung 1:10.
Alle Lösungen sind längere Zeit haltbar.
Für die Sensibilisierung werden sie mit destilliertem Wasser so weit verdünnt, daß sie
zum Überziehen eines Bogens 40x50 cm ausreichen. Es ist zweckmäßig, den Wasserzusatz
reichlich zu bemessen, weil dies die Präparation des Papiers sehr erleichtert.
Man verdünnt daher mit 3-6 ml Wasser.
Nach dem Überziehen des Papiers läßt man es bei gewöhnlicher Temperatur trocknen und
nur in feuchten, kalten Lokalen unterstützt man diesen Prozeß ca. 30 Minuten durch
künstliche Wärme.
Nach dem Kopieren entwickelt man mit folgender
Lösung:
1 ml Kaliumtetrachloroplatinatlösung 1:6,
8-12 ml Oxalatphosphatlösung.
Das Entwickeln nimmt man entweder durch
Schwimmenlassen oder mit dem Pinsel vor.
Die erstere Methode benutzt man bei kleinen
Bildern. Man bringt in eine Porzellantasse soviel Entwickler, daß der Boden bedeckt ist,
faßt das Bild an zwei diagonalen Ecken und legt es derart auf die Flüssigkeit, daß
seine Mitte mit dieser zuerst in Berührung kommt. Nach ca. 5 Sek. hebt man die Kopie an
einer Ecke auf, hält sie in schräger Lage über die Tasse und beobachtet das Entstehen
des Bildes. Sollten durch Bildung von Luftblasen einzelne Stellen der Kopie mit der
Flüssigkeit nicht in Berührung gekommen sein, so läßt man nochmals einige Sekunden
schwimmen.
Bei Verwendung platinarmer Entwickler fehlen
den Bildern die tiefen Schwärzen, es werden die dunkelsten Stellen nur grau erscheinen.
Da der Platingehalt des Entwicklers allmählich verbraucht wird, so muß nach dem
Entwickeln einiger Bilder etwas Platinlösung zugesetzt werden.
Das Entwickeln mit dem Pinsel erfordert einige Vorsicht, weil sonst die einzelnen
Pinselstriche auf dem Bilde sichtbar bleiben. Die im Pinsel befindliche Lösung ist nach
dem ersten Strich bereits platinärmer geworden, weshalb die folgenden Striche nicht mehr
in derselben Schwärze entwickeln; man muß daher den Pinsel nach jedem Striche erneuert
eintauchen.
Die Bildung von Entwicklungsmarken läßt sich überdies sicher durch einen Zusatz von
Glyzerin vermeiden, wodurch die Wirkung der Lösung wesentlich verlangsamt wird. Das
Glyzerin verzögert aber nicht nur das Erscheinen des Bildes, wie bei Papieren mit
normalem Platingehalt, es verhindert auch das Entstehen der zarten Halbschatten.
Der GIycerinzusatz macht also eine längere Belichtung notwendig und hat brillante, selbst
harte Bilder zur Folge, er wirkt ähnlich wie die Oxidationsmittel. Ebenso geben alte,
etwas schleiernde oder zufällig belichtete Papiere reine Weißen, wenn man dem Entwickler
Glyzerin zufügt.
Man mischt:
1 ml Kaliumtetrachloroplatinatlösung
mit 8 ml Oxalatphosphatlösung
und 2-4 ml Glyzerin.
Bei Verwendung eines Glycerinzusatzes
erfordert die Entwicklung eines richtig kopierten Bildes ca. 3-5 Minuten.
Diese verzögernde Wirkung des Glyzerins kann für eine Art Retusche ausgenutzt werden.
Man überzieht zuerst die ganze Kopie gleichmäßig mit dem mit Glyzerin versetzten
Entwickler und beobachtet das Entstehen das Bildes; treten einzelne Stellen zu wenig
hervor, so bestreicht man diese mit einem kleinen Pinsel neuerlich mit Entwickler, Teile,
die man zurückzuhalten wünscht, werden durch Aufpinseln von Glyzerin geschützt.
Hat man auf diese Weise den Charakter der Kopie genügend korrigiert, so überzieht man
das ganze Bild erneuert mit dem Entwicklungspinsel um eventuell entstandene Konturen zu
beseitigen.
Für die Entwicklung eines Bildes 50x60 cm
sind circa 20 ml Entwickler nötig, welchem Quantum ein Gehalt von ca. 2 ml Platinlösung 1:6
entspricht. Der Platinverbrauch ist daher sehr gering.
Der ungebrauchte Entwickler ist einige Tage haltbar, einmal gebraucht zersetzt er sich in
einigen Stunden unter Abscheidung von metallischem Platin. Man verwendet daher, sowohl in
der Tasse als auch zum Eintauchen des Pinsels, nur die unbedingt nötige Menge der
Lösung.
Durch Feuchten der Kopie läßt sich der
Charakter der Bilder beeinflussen. Bei harten, dichten Negativen, wenn schwere Schatten zu
befürchten sind, wird die Kopie vor dem Entwickeln gefeuchtet.
Man legt sie 5-10 Min. zwischen feuchtes Filterpapier oder befestigt sie mittels
Heftnägeln auf einem Pappendeckel und legt diesen auf eine, feuchtes Filterpapier
enthaltende Tasse. Derartig gefeuchtete Kopien zeichnen sich durch besonders Klare
Schatten aus. Man kann auch, was jedoch weniger zu empfehlen ist, das Papier vor dem
Kopieren feuchten.
Auch durch Änderungen in der Zusammensetzung
des Entwicklers läßt sich der Charakter des Bildes modifizieren: Bei schwach gedeckten
Negativen verdünnt man die Oxalatphosphatlösung mit dem gleichen Volumen Wasser,
vermehrt den Platingehalt und fügt überdies einige Tropfen Kaliumdichromatlösung 1:100
zu. Soll das Bild weniger Kraft besitzen, so wird die Platinlösung auf die Hälfte oder
ein Drittel reduziert.Feuchtes Papier liefert häufig Bilder mit bräunlichem, trockenes
Papier mit bläulichem Stich und verdünnte, platinreiche Entwickler geben wärmere Töne
als konzentrierte, platinarme Lösungen.
Dieses Verfahren wurde von J. Pizzighelli
1887 17 ausgearbeitet und hat
sich wegen der Einfachheit aller Manipulationen, namentlich aber wegen der Sicherheit beim
Kopieren zahlreiche Anhänger, besonders in Amateurkreisen, erworben.
Man benutzt für die Sensibilisierung dieses Papiers Kaliumtetrachloroplatinat und Natriumeisen-III-oxalat,
welches bei der Belichtung in Natriumeisen-II-oxalat und Natriumoxalat zerfällt.
Die Präparation unterscheidet sich also von jener der anderen Papiere lediglich durch das
Eisensalz und man kann die Sensibilisierung auch herstellen, wenn man zur
Platin-eisenmischung der Entwicklungspapiere das entsprechende Quantum Natriumoxalat
zusetzt. Das Papier enthält daher in der Sensibilisierung auch den Entwickler.
Die Reduktion des Platinsalzes, also die
Entwicklung des Bildes, findet nur bei Gegenwart von Feuchtigkeit statt, es wird daher
beim Kopieren auf trockenem Papier noch kein Platinbild entstehen; dieses kann erst
zustande kommen wenn man die Kopie mit Wasser befeuchtet. Legt man aber das Papier in
feuchtem Zustand in den Kopierrahmen, so wird schon während der Belichtung der
Entwicklungsprozeß vor sich gehen, das Platinbild entsteht im Kopierrahmen. Aus diesem
Grunde hat man auch dieses Platinpapier als direkt kopierendes oder Auskopierpapier
bezeichnet.
Das Verfahren bietet eine Reihe von nicht zu
unterschätzenden Vorteilen. Das zur Anwendung kommende Eisenpräparat ist ein sehr
beständiges, gut kristallisierbares Salz, welches von stets gleicher Reinheit leicht zu
beschaffen ist, und das Kopieren wird durch das schon während der Belichtung in voller
Kraft erscheinende Bild sehr erleichtert. Auch neigt das Papier, selbst bei weniger
sorgfältiger Aufbewahrung nicht zur Schleierbildung.
Alte Papiere geben zwar kraftlose Drucke, doch reine Weißen, und können daher, wenn man
einen Verstärkungsprozeß zu Hilfe nimmt, noch immer tadellose Resultate liefern.
Zur Entwicklung des Bildes ist eine nur
geringe Menge von Feuchtigkeit notwendig. Es genügt das Anhauchen des Papiers, die
Einwirkung der Dämpfe heißen Wassers, das Einlegen in feuchtes Papier, das Auslegen in
einen feuchten Raum, um dem Papier so viel Feuchtigkeit zuzuführen, daß es im Rahmen
schwarz kopiert, oder daß ein trocken kopierten Bild entwickelt wird.
Man entwickelt bei diesem Verfahren, gleichgültig ob während oder nach der Belichtung,
eigentlich mit einer sehr konzentrierten Lösung, wobei überdies ein Abschwimmen des
reduzierten Platins ganz unmöglich ist.
Trotz dieser rationellen Entwicklungsmethode gibt aber das Verfahren weniger leicht
intensive Schwärzen als die anderen Entwicklungsverfahren. Es scheint, daß der Zerfall
des Doppelsalzes auch bei Gegenwart von Kaliumtetrachloroplatinat im Licht etwas anders -
vielleicht glatter - wie bei Eisen-III-oxalat erfolgt und daß daher den gebildeten
Zersetzungsprodukten nicht die gewünschte, energische Reduktionsfähigkeit zukommt. Aus
diesem Grunde muß auch bei diesem Verfahren die Sensibilisierungslösung reicher an
Platin sein, als bei den Entwicklungsmethoden.
Für die Sensibilisierung des Papiers benutzt
man eine Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat und Natriumeisen-III-oxalat, welche die
beiden Salz im Verhältnis 1:4 enthält und die so konzentriert
aufzutragen ist, daß pro Bogen 50x60 cm etwa 0,8 g Platinsalz entfallen.
Überdies versetzt man die Lösung zuweilen mit einem Bindemittel oder einer oxidierenden
Substanz. Ein Zusatz von Natriumoxalat hat keinen Zweck und konnte in größeren Mengen
nur schädlich wirken.
Wie das Zersetzungsschema Seite 15 lehrt, enthalten die belichteten Stellen des Bildes
genügende Mengen dieses Salzes. Ein Überschuß von Oxalaten erschwert die Reduktion der
Platinsalze, ist daher in der Sensibilisierung zu vermeiden.
Für die Präparation des Papiers verwendet man eine Lösung von:
50 g Natriumeisen-III-oxalat in 100 ml
Wasser (Natriumeisenlösung),
dann die Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat 1:6.
Das Auflösen das Eisensalzes kann durch
Wärme unterstützt werden und da die Lösung wegen oberflächlicher Zersetzung des Salzes
meist trübe ist, wird sie filtriert. Sie ist im Dunkeln aufbewahrt vollkommen haltbar.
Als Verdickungsmittel empfiehlt sich eine
Lösung von:
Gummi arabicum 1:2
und als Oxidationsmittel benutzt man
Natriumplatinchlorid 1:10 oder Kaliumdichromat 1:100.
Zum Gebrauch mischt man:
4 ml Platinlösung 1:6,
6 ml Natriumeisenlösung 1:2
und verdünnt je nach der Papiergattung mit
etwas, höchstens aber 2-3 ml, Wasser.
Ein mit dieser Mischung präpariertes Papier
arbeitet sehr weich und fordert Negative von kräftiger Deckung. Für weniger kräftige
Matrizen setzt man 3-10 Tropfen Natriumplatinchlorid 1:10 oder ebensoviel
Kaliumdichromat 1:100 zu. Das Papier wird mit Arrowroot- oder
Carragheenlösung vorpräpariert und nach dem Sensibilisieren derart getrocknet, daß in
ca. ½ Stunde jede Feuchtigkeit verschwunden ist. Es scheint, daß diese Papiere in Bezug
auf das rasche Trocknen etwas mehr Sorgfalt verlangen als Entwicklungspapiere, was mit
Rücksicht auf das raschere Verderben derselben in feuchtem Zustand auch erklärlich
wäre.
Setzt man der Sensibilisierung Gummi zu, so
kann die Vorpräparation bei gut geleimten Rohpapieren entfallen. Ohne Zweifel liefert die
Gummipräparation brillanter kopierende Papiere und wird aus diesem Grunde von J.
Pizzighelli besonders empfohlen. Man mischt in einer Porzellanschale mit Hilfe eines
Glasstabes:
4 ml Platinlösung 1:6,
6 ml Natriumeisenlösung,
4 ml Gummilösung 1:2.
Die Mischung wird auf das Papier aufgetragen,
so daß dieses gleichmäßig naß erscheint und dann ohne Rücksicht auf die vorhandenen
zahlreichen Luftbläschen mit dem Vertreibpinsel so lange behandelt, bis die Oberfläche
das gewünschte matte Aussehen zeigt. Für weniger starke Negative benutzt man die oben
angegebenen Zusätze.
Wie oben erwähnt, genügt schon eine Spur von
Feuchtigkeit, damit sich das Papier bei der Einwirkung des Lichtes überhaupt schwärzt.
Soll jedoch im Kopierrahmen ein vollkommenes Bild entstehen, will man auf dem Papier also
in gleicher Weise wie auf Silberpapier kopieren, so ist ein ganz bestimmter
Feuchtigkeitsgehalt notwendig.
Ist das Papier zu trocken, so findet nur eine teilweise Reduktion den Platins statt, es
schwärzt sich nur nach langer Belichtung, daher beim kopieren nur die Schatten des Bildes
schwarz werden.
Ist dagegen das Papier zu feucht, so muß tunlichst rasch, am besten in direktem
Sonnenlichte, kopiert werden, da das Papier in diesem Zustand enorm rasch verdirbt.
Die Zersetzung, welche die
Sensibilisierung erleidet, wurde auf Seite 56 ausführlich erörtert. Bei schlechtem Licht
kann ein etwas kräftiges Negativ auf ziemlich feuchtem Papier gar nicht kopiert worden;
die Schatten schwärzen sich zwar, aber ehe die Halbtöne erschienen sind, ist das Papier
schon verdorben und hat die Fähigkeit sich im Licht zu verändern, gänzlich verloren.
Man kann dann stundenlang weiter Kopieren, ohne weitere Details zu erhalten, da das Papier
in diesem Zustand, selbst in direktem Sonnenlicht, keine Veränderung mehr erfährt. Die
Verwendung eines zu feuchten Papiers ist auch mit Gefahr für das Negativ verbunden und
führt häufig zu unscharfen Kopien, weil bei dem teilweisen Öffnen des Kopierrahmens,
zum Zweck des Nachsehens fast immer ein Verziehen des Papiers eintritt. Lowinsohn 18 hat diesen Kopierprozeß eingehend studiert und ist
gleichfalls zu dem Resultate gekommen, daß nur bei einem ganz bestimmten
Feuchtigkeitsgehalt des Papiers das auskopieren der Bilder möglich ist. Lowinsohn
gibt für das Feuchten des Papiers folgende Vorschrift:
Das Einlegen des Papiers in die Rahmen, und
das Nachsehen während des Kopierens soll in einem Raum geschehen, das wenigstens 55-60 %
Luftfeuchtigkeit hat. An trockenen Tagen muß; durch Verdampfen von Wasser dieser
Feuchtigkeitsgehalt hergestellt werden.
Muß das Papier vor dem Gebrauche trocken
sein und dann in dem vorgeschriebenen Grade befeuchtete werden. Zu diesem Zweck wird eine
über einer Schale mit warmem Wasser (40 oC.) gestülpte Kiste von 20 cm
Höhe benutzt, auf deren mit entsprechendem Ausschnitt versehenen Boden das Platinpapier,
Schicht nach unten, 1½- bis 2½ Minuten lang aufgelegt wird. Frisches, ganz trockenes
Papier erfordert 2½ Minuten, älteres, das schon ein wenig angezogen hat, 1½ bis 2
Minuten.
Das so gefeuchtete Papier wird in den
Kopierrahmen gelegt und mit einem Stück wasserdichten Stoffes bedeckt, damit sein
Feuchtigkeitsgehalt während des Kopierens unverändert bleibt.
Auch F. de Paula Cembrano 19 hat die gleichen Erfahrungen gemacht.
So einfach und leicht durchführbar daher das Auskopierverfahren auch erscheinen mag, in
der Praxis begegnet man Schwierigkeiten, die kaum zu überwinden sind.
Der Verfasser hält es daher für viel zweckmäßiger, das Bild nicht während des
Kopierens, sondern erst nach dieser Operation zu entwickeln. Die richtige Kopierzeit
beurteilt man dabei durch Anhauchen einer Ecke des Bildes. Das Einlegen eines ganz
trockenen Blattes in den Kopierrahmen ist jedoch auch bei dieser Modification recht
zweckmäßig. Das trockene Papier entwickelt nämlich nur sehr langsam wenn es angehaucht
wird, man ist daher bei der Kontrolle leicht Täuschungen ausgesetzt, während auf einem
etwas feuchten Papier das Bild momentan erscheint; bei dem Anhauchen ändern sich auch die
Dimensionen das trockenen Papiers viel bedeutender und endlich zeigt letzteres auch starke
Neigung zur Solarisation. Legt man dagegen ein etwas feuchtes Papier in den Rahmen, so
kopieren die tiefsten Schatten schwarz an und eine Solarisation ist ganz ausgeschlossen.
Man geht daher beim Kopieren am besten in folgender Weise vor:
Das der Chlorcalciumbüchse entnommene Blatt
wird zwischen feuchtes (nicht nasses) Filterpapier gelegt und verbleibt da so lange, bis
es schmiegsam geworden ist und flach liegen bleibt. Um diesen Zustand zu erreichen, sind
nicht mehr als 2-5 Minuten erforderlich. Man betrachtet dann das Negativ und wählt eine
charakteristische Stelle, möglichst eine Ecke, die während des Kopierens durch Anhauchen
entwickelt wird und aus deren Aussehen man auf den jeweiligen Grad der Kopierung
schließt.
Dann legt man das Blatt in den Kopierrahmen, bedeckt es mit einem Kautschuktuch und
belichtet. Um sich von dem Fortschritt der Kopierung zu überzeugen, bringt dann den
Rahmen in die von gelbem Licht erhellte Dunkelkammer, öffnet denselben zur Hälfte und
haucht die Kontrollstelle an. Die tiefsten Schatten des Bildes sind schon während des
Kopierens dunkelgrau geworden und bei dem Anhauchen treten rasch alle Halbtöne hervor.
Dabei muß man jedoch ein Feuchtwerden des Negativs sorgfältig vermeiden, daher man vor
dem Anhauchen zwischen Negativ und der aufgehobenen Kopie ein Blatt Papier einschiebt.
Diese Vorsichtsmaßregel ist besonders bei kaltem Wetter unbedingt geboten, da sich sonst
das Negativ mit Wassertropfen beschlagen und beim Aufpressen des klebrigen Papiers Schaden
leiden könnte.Man kopiert so lange, bis die kontrollierte Stelle das gewünschte Aussehen
zeigt, worauf man die Kopie aus dem Rahmen nimmt und entwickelt.
Das Entwickeln kann man mit heißen
Wasserdämpfen vornehmen oder man Überläßt die Kopie in einem feuchten Raum oder
zwischen feuchtes Papier eingeschlagen, der Selbstentwicklung. Man kann diese
Entwicklungsmethode auch durch eine Kaltentwicklung mit Kaliumoxalat- oder Sodalösung
ersetzen, doch bringt dieser Vorgang keinerlei Vorteile, er veranlaßt weder das Entstehen
tieferer Schwärze oder eine Änderung der Farbe, noch beseitigt er eventuell vorhandene
Solarisationserscheinungen.
Läßt man die Feuchtigkeit genügend lange wirken und ist die Temperatur nicht zu
niedrig, so erhält man stets tadellose Resultate, dabei entsteht das Bild langsam und es
kann daher der Prozeß im richtigen Moment unterbrochen werden.
Der Verfasser befeuchtet die dem Rahmen entnommene Kopie mittels eins Schwammes auf der
Rückseite mit Wasser und legt sie dann zwischen das Befeuchtete Filterpapier. Von Zeit zu
Zeit wird das Fortschreiten der Entwicklung kontrolliert, und wenn das Bild das
gewünschte Aussehen zeigt, bringt man es in das Säurebad und behandelt in der beim
Kaltentwicklungsprozeß angegebenen Weise weiter.
Sollte jedoch nach ca. 15 Min. die Entwicklung noch nicht genügend weit fortgeschritten
sein, so deutet dies auf eine knappe Belichtung und es erscheint geboten, den Prozeß in
der Wärme zu vollenden. Entweder setzt man zu diesem Zweck die Kopie den Dämpfen
kochenden Wassers aus, indem man sie über ein Gefäß hält in welchem Wasser siedet,
oder man legt sie auf ein Blatt reines Papier, befeuchtet ihre Rückseite nochmals
reichlich mit Wasser, bedeckt sie mit einem Blatt Filterpapier und überfährt dasselbe
mit einem warmen Plätteisen oder einer mit heißem Wasser gefüllten Satinierrolle.
Dieser letztere Vorgang ist viel wirksamer als die Entwicklung mit Wasserdämpfen und er
bringt oft noch Details zum Vorschein die sonst nicht zu erhalten sind.
Die Farbe der mit Natriumeisen-III-oxalat
hergestellten Platinkopien ist entweder rein schwarz oder sie zeigt einen bräunlichen
Stich. Sie hängt fast ausschließlich von dem Vorgang bei dem Kopieren ab: kopiert man
trocken, so erhält man bräunliche, kopiert man auf feuchtem Papier so resultieren rein
schwarze Bilder.
Sowohl durch Zusätze von Palladium-
als auch von Quecksilbersalzen kann man braunkopierende Platinpapiere herstellen,
doch eignet sich für das eben besprochene Verfahren mit Selbstentwicklung besonders der
Palladiumzusatz.
Palladiumplatin-Papiere geben nur dann braune Bilder, wenn sie vollkommen trocken kopiert
werden, während feuchtes Papier immer nur schwarze Drucke liefert. Benutzt man aber
trockenes Papier, so kann nur mit Hilfe eines Photometers kopiert werden, da das
entstehende Eisenbild bei Eisenoxalat-Doppelsalzen kaum sichtbar ist.
Das palladiumhaltige Platinpapier liefert
schöne, rein braun gefärbte und trefflich modulierte Bilder und übertrifft in dieser
Beziehung das Quecksilber-Heißentwicklungspapier. Leider ist es wegen der früher
erwähnten Empfindlichkeit für Feuchtigkeit sehr schwer zu behandeln. Sind größere
Mengen derselben im Papier vorhanden, so erhält man gleichmäßig schwarze Bilder mit
schwach bräunlichem Stich; gelangen aber nur Spuren von Feuchtigkeit während des
Kopierens zum Papier, ist also der Kopierrahmen oder das Negativ nicht vollkommen
ausgetrocknet, so nehmen die tiefsten Schatten zwar eine braune Farbe an, die Halbschatten
aber, besonders dort wo sie in die Lichter auslaufen, erscheinen grau. Nur wenn man rasch,
also bei gutem Licht kopiert, erhält man durchaus braune Bilder, weil die zum
Durchfeuchten des Papiers notwendige Zeit mangelt. Aus diesem Grunde geben auch dünne
Negative leichter gute Kopien als stark gedeckte.
Für die Sensibilisierung des Papiers benutzt
man nachstehende Mischung:
4 ml Platinlösung 1:6,
6 ml Natriumeisenlösung 1:2,
1 ml Kaliumtetrachloropalladat 1:8.
Das Papier wird mit Arrow-rootlösung
vorpräpariert und dann in der früher beschriebenen Weise mit der Lösung überzogen.
Das sensibilisierte Papier wird gegen Feuchtigkeit sorgfältig geschützt aufbewahrt,
hält sich aber auch in Chlorcalciumbüchsen nur kurze Zeit brauchbar.
Man kopiert, wie schon erwähnt, unter
Zuhilfenahme eines Photometers. Eine Kontrolle durch Anhauchen ist nicht statthaft, da die
betreffende Stelle schwarz weiter kopieren und sich von dem braunen Gesamtbilde
unterscheiden würde.
Das Entwickeln wird in der früher angegebenen Weise durchgeführt, wobei zu bemerken ist,
daß die Gegenwart des Palladiums diesen Prozeß wesentlich unterstützt, daß daher schon
beim Zuführen geringer Mengen Feuchtigkeit das Bild sehr rasch und mit voller Kraft
hervortritt.
Auch Quecksilbersalze geben, je nachdem man
feucht oder trocken kopiert, verschiedene Töne; ganz trockenes Papier liefert ein rein
braunes, feuchtes ein schwarzbraunes Bild. Anwendung von Quecksilbersalzen steht aber
noch, eine andere Eigentümlichkeit im Wege: die Erscheinung der Doppeltöne. Kopiert man
einen Streifen quecksilberhaltiges Platinpapier unter einer Papierskala, so erhält man
die zartesten Töne gelblichbraun, einen oder den andern Mittelton grau und die dunkelsten
Töne bei trockenem Papier braun, bei feuchtem schwarz. Kopiert man auf solchem Papier ein
Bild, so fehlt diesem die homogene Färbung und bringt einen unangenehmen Eindruck hervor.
Endliche verursacht der Quecksilberzusatz oft auch das Entstehe eines allgemeinen
gelblichen Tones, der die Weißen des Bildes empfindlich schädigt. Der Verfasser konnte
bei Zusatz von Quecksilbersalzen keine tadellosen Bilder erhalten, der Vollständigkeit
halber mögen jedoch einige diesbezügliche Vorschriften hier Platz finden.
J. Pizzighelli benutzt für die
Herstellung der Sensibilisierung nachstehende Lösungen:
A.
1 g Kaliumtetrachloroplatinat,
6 ml Wasser.Zweite.
B.
40 g Natriumeisen-III-oxalat,
40 g Gummi arabicum, gepulvert,
100 ml Natriumoxalatlösung 3 :100,
3 g Glyzerin,
0,5 g Kaliumchlorat.
Die Natriumoxalatlösung wird auf 40-50 oC.
erwärmt, darin dann das Eisen-III-salz, Kaliumchlorat und das Glyzerin gelöst und die
warme Lösung zu dem in einer Reibschale befindlichen Gummi arabicum unter Umrühren nach
und nach zugefügt.
Man verreibt eine Zeit lang und seiht die Lösung durch ein reines Tuch in eine
weithalsige Flasche.
Die dickflüssige Lösung ist trübe und von grüner Farbe.
C.
20 ml Quecksilberchloridlösung 1:20,
40 ml Natriumoxalatlösung 3 :100,
24 g Gummi arabicum, gepulvert,
1,8 ml Glyzerin.
Die Lösung wird analog wie B hergestellt.
Für die Präparation eines Bogens 40x50 cm mischt man:
Lösung A. 5 ml
Lösung B. 4 ml
Lösung C. 4 ml
Man trägt die Mischung auf das Papier auf,
egalisirt mit dem Vertreibpinsel und trocknet in der Wärme.
Prof. H. Watzek 20
empfiehlt nachstehendes einfaches Rezept:
10 ml Natriumeisen-III-oxalat
6 ml Kaliumtetrachloroplatinat
4 Tropfen Kaliumchlorat
5 Tropfen Quecksilberchlorid
Für alle Lösungen gilt: bei ca. 18 Grad
C. gesättigte Lösungen.
Das zu sensibilisierende Papier wird durch 1-2
maliges Überstreichen mit 2 %iger Kleisterlösung vorpräpariert. Man kopiert so lange,
bis das Bild in voller Kraft und mit allen Details erschienen ist.
Das direkt kopierende, sowie das heiß zu
entwickelnde Platinpapier geben sehr weiche Kopien, benötigen daher ziemlich gedeckte
Negative, da sonst die notwendig Tiefe fehlt. Bei Zusatz von oxidierenden Substanzen
arbeiten die Papiere zwar brillant, geben aber leicht zu schwere Schatten. Sehr gut eignen
sich die auf diesen Papieren hergestellten Drucke für die Uranverstärkung.
Das Kaltentwicklungspapier mit Platin in der
Sensibilisierung neigt zur Härte, gibt tiefe Schwärze und braucht zarte, duftige
Negative; weil sonst die Schatten solarisieren und detaillos werden. Durch Zusatz von
Eisendoppelsalzen zur Sensibilisierung lassen sich jedoch auch weiche Kopien erzielen.
Die mit Platin entwickelten Kopien zeigen
den Charakter der heißentwickelten, zeichnen sich aber durch besonders klare Schatten und
rein weiße Lichter aus.Um braune Bilder zu erzielen, kann man Palladium nur bei den
selbstentwickelnden Papieren benutzen; sie liefern zarte und weiche Kopien.
Quecksilberpapiere geben nur bei heißer
Entwicklung gute Resultate, der Kaltentwicklungsprozeß ist nur bei sehr reinen
Maschinenpapieren mit Erfolg durchführbar, die erzielten Bilder neigen stets zur Härte
und zeigen detaillose Schatten.
Das Vorpräparieren und Sensibilisieren wird
bei allen Methoden gleich ausgeführt.
Dem raschen Trocknen ist beim Selbstentwicklungspapier die meiste Aufmerksamkeit zu
widmen, während dem Kaltentwicklungspapier, besonders jenem mit Platin im Entwickler auch
ein langsames Trocknen nicht schadet.
Bei trockener Aufbewahrung ist das Papier mit
Selbstentwicklung am besten, das Heissentwicklungspapier am wenigsten haltbar.
In einer feuchten Atmosphäre verdirbt jedoch das erst genannte Papier am raschesten und
das Eisenpapier mit Platin im Entwickler widersteht der Einwirkung von Feuchtigkeit am
besten. Mit Eisendoppelsalz präparierte Papiere neigen auch bei langer Belichtung nicht
zur Schleierbildung, sie liefern zwar flaue Bilder ohne Tiefen, jedoch mit reinen Weißen.
Am schlechtesten haltbar sind die Palladium- und Quecksilberpapiere.
Die höchste Empfindlichkeit beim Kopieren
zeigt das Heißentwicklungspapier, die geringste das mit Eisendoppelsalz sensibilisierte,
feucht zu kopierende Papier. Oxidierende Substanzen verlängern die notwendige
Belichtungsdauer oft auf das 2-3fache.
Alle ausserhalb des Rahmens zu entwickelnden Papiere, besonders das
Palladium-Sepia-Papier, müssen tunlichst trocken kopiert werden; das während der
Belichtung sich entwickelnde Doppelsalzpapier wird feucht eingelegt, erfordert aber
unbedingt gutes Licht. Die richtige Kopierzeit ist bei dem sich im Rahmen entwickelnden
Papier sehr leicht zu beurteilen, schwieriger ist dies bei den anderen Papieren, während
Palladiumpapier unbedingt den Gebrauch eines Photometers notwendig macht.
Diese Operation ist am einfachsten und
bequemsten bei dem Auskopierpapier, am umständlichsten und schwierigsten bei dem heiß zu
entwickelnden Papier ausführbar. Das Kaltentwicklungspapier mit vollem Platingehalt zeigt
auch bei unvorsichtiger Behandlung niemals Entwicklungsstreifen, während bei der
Entwicklung von Eisenpapieren mit platinhaltigen Lösungen dieser Fehler leicht auftritt.
Von dem Verbrauch an Platinsalz hängen
wesentlich die Kosten des Prozesses ab. Den höchsten Platingehalt erfordert das
Selbstentwicklungspapier, man braucht pro Bogen 50x60 cm 0,7 g
Kaliumtetrachloroplatinat, die Entwicklungspapiere benötigen 0,5 g, das
Eisenpapier mit Platin im Entwickler 0,3 g. Jeder Prozeß hat seine
charakteristischen Vor- und Nachteile und die Wahl desselben wird ganz von den gegebenen
Umständen abhängen.Das Papier mit Selbstentwicklung wird wegen des sicheren Kopierens
und der nicht zu intensiven Schwärze, die ein Verstärken und Färben möglich macht,
besonders vom Amateurphotographen bevorzugt.
Die beiden Kaltentwicklungspapiere sind wegen der Brillianz der Bilder für kleine
Portraits besonders geeignet, man wird sie aber wegen der bequemen Entwicklungsweise auch
bei großen Formaten, bei Reproduktionen nach Gemälden, mit Vorteil zur Anwendung
bringen. Die Heißentwicklung wird man jedenfalls nur dann anwenden, wenn die anderen
Verfahren nicht das gewünschte Resultat ergeben, wie dies besonders bei der Herstellung
von Sepiabildern der Fall ist.
Der Platinprozeß liefert bei tadelloser
Beschaffenheit des Papiere und bei Verwendung von Negativen mit passenden Eigenschaften
Bilder mit tiefen, satten Schwärzen. Werden aber diese Bedingungen nicht erfüllt, hat
man es mit altem, vielleicht nicht sorgfältig aufbewahrt gewesenem Papier zu tun, war man
gezwungen bei feuchtem, schlechtem Wetter sehr lange zu Kopieren, oder besitzen die
Negative zu wenig Deckung, dann fehlt den Bildern die Brillant, man erhält gut modulierte
Drucke mit reinen Lichtern, aber ohne satte Tiefen.
Während eine Silberkopie auf glänzendem Papiere auch bei Mangel an tiefer Sehwürze noch
brauchbar sein und einen gefälligen Eindruck hervorbringen kann, werden Bilder auf mattem
Papier durch diesen Mangel im höchsten Grade geschädigt. Um in den Schatten die tiefste
Schwärze zu erreichen, während die Lichter noch weiß bleiben, muß das Negativ eine dem
Charakter des Papiers gerade entsprechende Deckung besitzen. Ist das Negativ zu wenig
kräftig, so kann man, wenn die Reinheit der Lichter gewahrt bleiben soll, nicht bis zur
tiefen Schwärze Kopieren, man wird ein Bild mit grauen Schatten erhalten.
Allerdings kann man durch Anwendung von Oxidationsmitteln im Papier oder in der
Entwicklung die Tonskala des Papiers beliebig verkürzen, man kann das Papier härter
machen, doch bleibt dieses Mittel immer nur ein Notbehelf. Der obere Teil der Skala wird
gleichsam abgerissen, die Tonstufen in den Schatten verlaufen langsam, jene in den Lichtem
aber viel zu rasch, und so schädigt man die Mitteltöne um einen lediglich auf der
Differenz »Schwarz und Weiß« basierenden Effekt zu erzielen.
Fehlen nur die tiefsten Schwärzen und entspricht sonst das Bild den gestellten
Anforderungen, so wird man viel rationeller mit geringer Retusche den genannten Fehler
beseitigen können. Fehlt aber auch den Mitteltönen die notwendige Kraft, so kann,
vorausgesetzt, daß die Kopie reine Weißen zeigt, durch einen Verstärkungsprozeß ein
tadelloses Bild gewonnen werden.
Das Verstärken der Platinbilder ist einer der
bedeutendsten Fortschritte, welcher auf dem Gebiete dieses Kopierverfahrens zu verzeichnen
ist und ist ohne Zweifel berufen, in der Technik des Platindruckes eine hervorragende
Rolle zu spielen. Man kennt gegenwärtig eine Reihe von derartigen Verstärkungsmethoden,
denen durchaus ein gemeinsames Prinzip zu Grunde liegt. Das auf der Papierfaser
ausgeschiedene Platinbild zeigt gegen chemische Reagenzien ein höchst indifferentes
Vorhalten, es kann im Gegensatz zu den Silberbildern nicht chemisch verändert werden,
daher sich auch alle für Silberdrucke verwendeten Tonbäder bei Platindrucken wirkungslos
erweisen. Behandelt man aber ein Platinbild mit einer Flüssigkeit, welcher die Tendenz
zukommt einen festen Körper in fein pulverigem Zustand auszuscheiden, die sich also, sich
selbst überlassen langsam trüben würde, so werden sich die ausgeschiedenen Teilchen
lediglich auf das metallische Platin auflagern, das vorhandene Bild daher verstärken und
eventuell auch dessen Farbe verändern. Dabei findet die Ausscheidung der festen Teilchen
schon aus der noch vollkommen klar bleibenden Flüssigkeit statt. Es ist dies keine
besondere Eigentümlichkeit des Platinbildes, denn man beobachtet diese Erscheinung auch
in vielen anderen Fällen.
So liegt der bekannten Verstärkung von
Collodiumnegativen mit Silbernitrat und Pyrogallussäure ein analoger Prozeß zu Grunde.
Mischt man die Lösungen der genannten Körper, so tritt augenblicklich eine Abscheidung
von metallischem Silber ein, benutzt man aber sehr verdünnte Lösungen und versetzt sie
überdies mit etwas Säure, so bleibt die Flüssigkeit anfangs vollkommen klar und erst
nach längerer Zeit, vielleicht nach 5-10 Minuten, beginnt sie sich unter Abscheidung von
metallischem Silber zu trüben. Übergießt man mit der noch klaren Lösung ein
Collodiumnegativ, so tritt die Ausscheidung von metallischem Silber sogleich ein, findet
aber nur an den aus metallischem Silber bestehenden Bildteilen statt. Die Intensität des
Bildes nimmt also zu, obwohl die Flüssigkeit noch vollkommen klar bleibt. Dabei wird an
den dichten Stellen des Negativs, wo sich schon viele Silberteilchen befinden, viel mehr
Niederschlag abgelagert, als an den silberarmen, weniger gedeckten Partien, was zur Folge
hat, daß die Brillant des Negativs bedeutend zunimmt. Die in der Collodiumschicht bereits
vorhandenen Silberpartikel erleiden dabei keine chemische Veränderung, daher man den
Vorgang als physikalische Verstärkung bezeichnet. In ganz gleicher Weise lassen sich auch
Platindrucke mit Lösungen verstärken, welche Metalle oder auch andere feste Körper
langsam auszuscheiden imstande sind.
Alle Platinbilder, seien es
entwickelte oder direkt kopierte Drucke, lassen sich nach L. Clark 21 in folgender Weise mit Sicherheit verstärken: Die
Kopien werden durch Behandlung mit Salzsäure von jeder Spur des Eisensalzes befreit, dann
in einer Tasse mit nachstehender Verstärkungslösung behandelt:
360 ml Wasser,
50-60 Tropfen Eisessig,
0,65 g Pyrogallussäure,
20 Tropfen Silbernitrat 12:100.
Die Silbernitratlösung wird
successive zugesetzt, da die verstärkende Wirkung manchmal zu rapid verläuft. An Stelle
der Pyrogallussäure kann auch Hydrochinon benutzt werden, wobei die Verstärkung
langsamer und dabei leichter kontrollierbar wird. Sobald die nötige Intensität erreicht
ist wäscht man reichlich mit Wasser aus, dem man, um eventuell vorhandene Spuren von
unlöslichen Silbersalzen zu lösen, einige Tropfen Ammoniak zusetzen kann.
Der Verfasser konnte mit der Silberverstärkung keine ganz entsprechenden Resultate
erzielen; selbst bei langsamer und vorsichtiger Ausführung fällt der Niederschlag meist
grobkörnig an und schädigt dadurch in hohem Maße das Aussehen des Bildes. Über die
Farbe der silberverstärkten Platinkopien äußert sich R. Briant 22 in folgender Weise:
Die Farbe und Form der Niederschläge variiert mit der Raschheit des
Verstärkungsprozesses und mit der ursprünglichen Farbe und Tiefe des Bildes. Bei
schwarzen Bildern ist die schließliche Farbe manchmal blauschwarz, oft hat sie aber einen
Stich ins rötliche, so daß die Bilder wie goldgetönte Silberdrucke auf mattem Papier
aussehen. Wärmt man die Bilder solange sie noch feucht sind, so verschwindet der
rötliche Stich und macht einem stahlschwarzen Tone Platz. Bei Papieren, die mit Oxalat
unter Zusatz von Quecksilbersublimat entwickelt wurden ist der Silberniederschlag
purpurbraun. Das Sepiapapier gibt eine Reihe von braunen Tonen mit gelblichem
Stich.Silberbilder lassen sich bekanntlich leicht in Gold und Platinbädern tonen, weshalb
auch mit Silber verstärkte Platindrucke in solchen Bädern eine Veränderung erleiden.
Bringt man daher ein durch physikalische Auflagerung mit Silber verstärktes Platinbild in
ein Platintonbad (1000 ml Wasser, 1 g Kaliumtetrachloroplatinat, einige Tropfen
Salpetersäure), so werden die vorhandenen Silberteilchen durch metallisches Platin
ersetzt, man erhält wieder ein fast reines Platinbild, das aber bedeutend mehr Brillant
und Kraft besitzt, als vor der Verstärkung. In analoger Weise können durch die üblichen
Goldbäder brillante, bläuliche oder violette Kopien erzielt werden.
Versetzt man eine saure
Platinlösung mit kräftig reduzierender Körpern, so wird bei genügender Verdünnung
keine Abscheidung von metallischem Platin stattfinden, die Flüssigkeit lagert aber auf
ein Platinbild fein verteiltes, metallisches Platin ab; wirkt also analog der früher
erwähnten Silberlösung verstärkend. Diese Verstärkungsmethode für Platindrucke hat
zuerst Dr. E. Vogel 23 angegeben und benutzt als reduzierende Substanz einen
verdünnten Oxalatentwickler.
Das zu verstärkende Bild wird in einer reinen Schale mit:
50 ml Wasser,
3-5 Tropfen Kaliumtetrachloroplatinat und
5 ml Oxalatentwickler übergossen.
Nach einiger Zeit wird das Platinsalz zu
metallischem Platin reduziert und die Lösung färbt sich dadurch tief schwarz.
Aber schon ehe dies eintritt, ist die Verstärkung des Bildes vor sich gegangen.Bei der
Entwicklung eines Platinbildes wird ein nur verhältnismäßig kleiner Teil des
Platinsalzes zu Metall reduziert, während der weitaus größere Teil unverändert bleibt.
Bei sich selbst entwickelnden Platinpapieren kann dieses unveränderte Platinsalz für die
Verstärkung benutzt werden.
Dr. A. Miethe 24 beschreibt den Vorgang in folgender Weise:
Die durch Wasserdämpfe entwickelte Kopie wird im Fall ihr Brillanz und Kraft mangelt, vor
der Behandlung mit Salzsäure in einen verdünnten, mit etwas Bromkalium versetzten
Eisenentwickler gebracht, wobei das unveränderte Platinsalz sich in der Flüssigkeit
löst, langsam reduziert und auf dem Platinbild, dasselbe verstärkend, ausgeschieden
wird.
Für die Zusammensetzung den Entwicklers
werden gemischt:
125 ml Oxalatlösung 3:10,
25 ml Eisenvitriollösung 3:10,
0 Tropfen Bromkaliumlösung 1:10.
Man muß beim Ansetzen dieses Entwicklers
insofern vorsichtig sein, als die einzelnen Lösungen vollkommen klar sein müssen.
Säurezusatz ist nicht empfehlenswerte. Befolgt man diese Regeln nicht, so bekommt man
gelbliche Weißen. Die entwickelte Kopie wird mit einer tunlichst geringen Menge der
Lösung in einer Tasse übergossen und diese während des Prozesses in fortwährend
schaukelnder Bewegung erhalten. Die Verstärkung geht sehr rasch vor sich und ist in
einigen Minuten beendet. Später färbt sich auch die ganze Flüssigkeit durch
ausgeschiedenes Platin schwarz. Nach dem Verstärken wird die Kopie in der üblichen Weise
mit Salzsäure behandelt und in Wasser gewaschen.
Auch bei Kaltentwicklungspapieren die mit dem Pinsel entwickelt wurden, ist diese
Verstärkungsmethode brauchbar, man erhält jedoch häufig einen groben, körnigen
Niederschlag. Es ist daher zweckmäßiger, derartige Bilder nach dem Behandeln mit
Salzsäure zu verstärken.
Die Anwendung des Oxalat- Eisenentwicklers als
Reduktionsmittel hat den Nachteil, daß sich die Verstärkungslösung nach
verhältnismäßig kurzer Zeit zu trüben beginnt, das gesamte Platin dann plötzlich
abscheidet und die Wirksamkeit verliert.
Diese unangenehme Eigenschaft des Platinverstärkers kann vermieden werden, wenn man als
Reduktionsmittel Ameisensäure benutzt, wobei die Verstärkung allerdings nur langsam vor
sich geht, die Flüssigkeit aber stundenlang klar bleibt und wiederholt verwendet werden
kann.
Aus analogen Gründen ist es auch zweckmäßiger, statt Kaliumtetrachloroplatinat
Platinchlorid zu benutzen.
Für die Ausführung der Ameisensäure-Platinverstärkung stellt man sich nachstehende
Lösungen im Vorrat her:
1.)
10 g ameisensaures Natrium,
100 ml Wasser.
2.)
2 g Platinchlorid,
100 ml Wasser.
Zum Gebrauch mischt man 100-200 ml Wasser mit
6 ml Lösung 1 und 5 ml Lösung 2. Die zu verstärkende Kopie wird nach der
Behandlung mit Salzsäure mit Wasser abgespült und in einer Tasse mit der
Verstärkungslösung übergossen. Das Bild nimmt langsam an Intensität zu und erreicht
erst nach ca. 15 Minuten die notwendige Kraft. Kopien, die bereits trocken geworden sind,
kräftigen sich viel langsamer und schwieriger als solche die gleich nach dem Waschen, in
noch feuchtem Zustand, der Verstärkung unterzogen werden.
In gleicher Weise wie Silber
und Platin kann auch metallisches Gold auf dem Platindruck abgelagert werden. Gold ist,
wie bekannt, das am leichtesten reduzierbare Metall, daher fast alle Goldlösungen, welche
organische Körper enthalten als Verstärker brauchbar sind.Eine sehr zweckmäßige Form
der Goldverstärkung hat A. W. Dollud
25 veröffentlicht.
Das in gewöhnlicher Weise entwickelte,
gewaschene und getrocknete Platinbild wird einige Minuten in Wasser gebadet, dann auf eine
Spiegel- oder Milchglasplatte gelegt, oberflächlich mittels Löschpapier abgetrocknet und
dann mit Glyzerin bestrichen, was mit einem weichen Pinsel oder der Fingerspitze geschehen
kann. Hierauf gießt man einige Tropfen einer ungefähr 3 % Goldchloridlösung hinzu und
mischt beides schnell mit Hilfe eines weichen Kamelhaarpinsels.
Das Bild nimmt rasch an Kraft zu und erhält einen blauschwarzen Ton.
Während der ganzen Dauer des Prozesses überfährt man die Oberfläche leicht und schnell
mit dem Pinsel und sobald die gewünschte Kraft erreicht ist, wird das Bild unter eine
Brause gebracht und von Glyzerin und Chlorgold befreit.
Das Abwaschen allein aber genügt nicht Um
solche Bilder haltbar zu machen, sie würden nach wenigen Wochen eine rötliche Färbung
der höchsten Lichter zeigen, man reduziert daher nach kurzem Waschen der Kopie alles noch
anhängende Chlorgold durch Bestreichen der Vor- und Rückseite mit verdünntem
Metol-Pottasche-Entwickler von ungefähr der halben Stärke des gewöhnlichen Entwicklers.
Ein halbstündiges Waschen beendet dann den Prozeß. Zum Zweck der Verstärkung kann man
auch sehr verdünnte Goldlösungen benutzen, welchen etwas Rhodanammonium, Oxalsäure,
Ameisensäure u.s.w. zugefügt wird, wobei man dann in ähnlicher Weise, wie bei der
Silber- und Platinverstärkung angegeben, verfährt.
Die Goldverstärkung ist stets mit einer Gefahr für die Weißen des Bildes verbunden,
welche häufig einen rötlichen oder bläulichen, nicht mehr zu entfernenden Ton annehmen.
In ganz gleicher Weise lassen sich auch Platinbilder mit Palladium- und Iridiumsalzen
verstärken, doch bieten diese hoch im Preise stehenden Präparate gegenüber dem Platin
keinerlei Vorteile.
Auch den Färbungsprozessen der Platinbilder
mit Uran- und Eisensalzen liegt der früher angegebene Vorgang, die physikalische
Auflagerung von unlöslichen Eisen-II-cyanverbindungen zu Grunde. Das chemisch
indifferente, enorm widerstandsfähige Platinbild erleidet auch bei diesen Prozeduren
keinerlei Veränderung, es wird lediglich durch die erwähnten rot oder blau gefärbten
Verbindungen überdeckt. Die Urantonbäder bestehen, wie bekannt, aus der Mischung eines
gelösten Uransalzes mit rotem Blutlaugensalz. Sie wirken auf Silberbilder unter Bildung
von Eisen-II-cyansilber und rotbraunem Eisen-II-cyanuran.
Damit das Tonbad auf Platinbilder zu wirken vermag; muß es mit einer reduzierenden
Substanz versetzt werden, der die Fähigkeit zukommt, das Eisen-III-cyankalium in
Eisen-II-cyankalium umzuwandeln, z. B. mit schwefeliger Säure, Thiosinamin,
Rhodanammonium, Traubenzucker etc., der Mischung also die Tendenz erteilt, unlösliches
Eisen-II-cyanuran auszuscheiden.
Mischt man nämlich ein Uransalz mit rotem
Blutlaugensalz, so erhält man eine klare, im Dunkeln unverändert haltbare Lösung;
vorsetzt man sie aber mit einer der erwähnten Substanzen, so trübt sie sich nach einiger
Zeit und setzt einen zarten, rotbraunen Niederschlag von Eisen-II-cyanuran ab.
Zuweilen gelingt es zwar auch, Platindrucke in gewöhnlichen Uranbädern zu färben, der
Prozeß geht aber immer nur sehr langsam vor sich und wird ohne Zweifel nur dadurch
möglich, daß die im Papier vorhandenen organischen Substanzen die ebenerwähnte Rolle
des Reduktionsmittels spielen.Anders scheinen sich in dieser Beziehung die durch
Quecksilbersalze bräunlich gefärbten Platinkopien zu verhalten. Es scheint, daß in
solchen Bildern Spuren von Quecksilberverbindungen vorhanden sind, welche die Abscheidung
des rotbraunen Eisen-II-cyanurans ermöglichen. Aus diesem Grunde hat man früher, ehe der
Mechanismus der Urantonung bei Platinbildern bekannt war, Drucke welche in dieser Weise
getont werden sollten, in einer Quecksilber enthaltenden Oxalatlösung entwickelt.Daß die
Urantonung tatsächlich in der früher angegebenen Weise verläuft, zeigt sich zweifellos,
wenn man ein mit Uran gefärbtes Bild mit verdünntem Ammoniak behandelt. Es löst sich
das Eisen-II-cyanuran und man erhält wieder das ursprüngliche, vollkommen unveränderte
Platinbild, was nicht möglich wäre, wenn das Tonbad in der für Silberbilder geltenden
Weise gewirkt hätte.
Zum Färben von Platinkopien mit Uran benutzt
man folgende Vorratslösungen:
a)
10 g Urannitrat,
10 ml Eisessig,
100 ml Wasser.
b)
10 g rotes Blutlaugensalz,
100 ml Wasser.
c)
50 g Rhodanammonium,
100 ml Wasser.
Zum Gebrauche versetzt man 1 Liter Wasser mit
je 10 ml dieser Lösungen, ohne sie aber vorher in konzentriertem Zustand zu mischen.
An Stelle des Rhodanammoniums kann auch Natriumsulfit benutzt werden. Man verwendet dann
auf 1 Liter Wasser je 5 ml der Lösungen a und b und
versetzt mit 5 ml Natriumsulfitlösung 1:10.
Das reichlich gewaschene Platinbild wird in einer Tasse mit der Flüssigkeit übergossen
und in schaukelnder Bewegung erhalten, bis der gewünschte Ton erreicht ist. Während
dieses Prozesses, der in ca. 5 Minuten vollendet ist, darf eine sichtbare Trübung den
Bades nicht eintreten, damit die reinen Weißen des Bildes nicht verloren gehen. In ganz
gleicher Weise können Platinbilder auch mit Eisen-Blutlaugensalz-Bädern gefärbt werden.
Man erhält blaue Töne, die allenfalls für Mondlandschaften, Nachtstücke etc. geeignet
sein können.
Man verwendet nachstehende Lösung:
10 g Ammoniakeisenalaun,
10 ml Salzsäure,
100 ml Wasser,
dann die Lösungen b und c, wie früher
angegeben.
Zur Herstellung des Tonbades setzt man zu 1 Liter Wasser erst 5 ml a, dann 2 ml b
und 5 ml c.
Die Lösung muß von rötlicher Farbe sein; ist sie farblos, so fehlt Salzsäure und es
fehlt ihr dann das Tonvermögen. Beabsichtigt man, Platinbilder mit Hilfe der Urantonung
rotbraun zu färben, so muß schon bei ihrer Herstellung auf die verstärkende Wirkung des
Tonbades Rücksicht genommen werden. Die Kopie soll vor dem Tonen zarte, weiche Halbtöne,
reine Weißen und nicht zu tiefe Schatten besitzen; keinesfalls darf sie zu brillant sein,
da sich die Brillant bei der Tonung zur Härte steigern würde. Man verwendet daher zarte,
harmonische, ziemlich dünne Negative und ein weich kopierendes Platinpapier. Vorzüglich
geeignet für diesen Zweck ist das Selbstentwicklungspapier, dessen Sensibilisierung man
noch mit etwas Wasser verdünnen kann. Ist die Tonung aus irgend einem Grunde mißlungen,
oder entspricht die Farbennuance nicht, so kann die Kopie durch mit etwas Ammoniak
versetztes Wasser wieder entfärbt, d. h. in den ursprünglichen Zustand rückversetzt und
eventuell erneuert getont werden.
Die Eisen-II-cyanverbindungen des Eisens und Urans widerstehen zwar der Einwirkung von
Säuren, werden aber selbst durch Spuren von Alkalien entfärbt. Die Bäder müssen daher
unbedingt sauer reagieren und dem Waschwasser werden einige Tropfen Essigsäure zugesetzt.
Um die Haltbarkeit der Bilder zu erhöhen dürfte es sich empfehlen, nach dem Waschen die
Kopie in eine
ca. 1 %ige Lösung von Zitronensäure zu tauchen und nach dem Absaugen mit Filterpapier zu
trocknen.
Die Photographie ist ein
chemisch-physikalischer Prozeß, dessen ordnungsmäßiger Verlauf naturgemäß einer
ganzen Reihe schwer oder gar nicht zu vermeidenden, störenden Einflüssen unterworfen
ist, welche die Vollkommenheit der schließlichen Resultate beeinträchtigen. Die
Unreinheit der verwendeten Materialien, stets vorhandene Staub etc. geben Anlaß zu
örtlichen Fehlern, deren nachträgliche Beseitigung durch manuelle Mittel bewirkt werden
muß. Aber abgesehen von diesen, dem Prozeß anhaftenden, zufälligen Mängeln, wird eine
manuelle Vervollkommnung der Resultate meist notwendig sein, sobald es sich um die
Erzielung künstlerischer Effekte handelt. Die absolute Genauigkeit der photographischen
Darstellung, welche der Wissenschaft hervorragende Dienste zu leisten vermag, ist zugleich
ihr Fehler in künstlerischer Beziehung. Die Photographie gibt die Natur so wieder, wie
sie ein mit guten Augen, aber nicht mit künstlerischem Verständnis begabter Mensch sieht
und gelangt dadurch in ein unbedingtes Abhängigkeitsverhältniss zur momentanen
Beschaffenheit des Objectes, welches den manuell produzierenden Künsten fremd ist.
Nachdem einerseits der naturgemässe Verlauf der photographischen Prozeß nicht nach den
Forderungen des künstlerischen Bedürfnisses gelenkt werden kann, anderseits die
Beschaffenheit des Objekts und die bei der Aufnahme bestehenden Verhältnisse einer
erwünschten Änderung unzugänglich sein können, so muß in vielen Fällen eine manuelle
Vervollkommnung platzgreifen, die man als Retusche bezeichnet.Auch die verschiedenen
Kopierverfahren stellen bestimmte Anforderungen an die Beschaffenheit des Negatives,
welchen, zur Erzielung befriedigender Erfolge, unbedingt Rechnung getragen werden muß.
Wenngleich es in vielen Fällen möglich ist, diesen Bedingungen schon bei der Aufnahme
nahezukommen, so ist es doch sehr fraglich, ob dies auch jederzeit durchführbar ist und
nicht vielleicht erst durch mehrmalige Wiederholung der Aufnahme zufällig erreicht
wird.Es kann deshalb häufig zweckmäßiger sein, dem Fehlenden durch eine oft sehr
geringfügige, leicht auszuführende Retusche abzuhelfen. Es wäre also falsch, die
Retusche prinzipiell zu vermeiden, ebenso falsch wäre es aber auch, durch dieselbe jede
mißlungene Aufnahme brauchbar machen zu wollen.
Ein genügend lang exponiertes Negativ, dem jedoch die Deckung in den Lichtern fehlte wird
man durch Aufsetzen von Farbe brauchbar machen; sind größere Flächen zu durchsichtig,
wie bei Landschaftsnegativen mit Vordergrund und Wolken, fehlen in einer
Gemäldereproduktion größere Details in den Schatten, so kann durch Übergießen der
Rückseite mit Mattlack, Ausschaben einzelner Teil und Auftragen von Graphit, dieser
Fehler beseitigt worden.
Die Positivretusche hat die Negativretusche zu
ergänzen und die Mängel der vorhergegangenen Prozesse zu beseitigen; sie ist freier in
der Wahl ihrer Mittel und wird nach denselben Grundsätzen ausgeführt, welche für den
Zeichner maßgebend sind. Die Kopien auf Platinpapier bieten der Positivretusche
Gelegenheit, ihrer Aufgabe voll zu entsprechen, und es wird nur in seltenen Fällen
gelingen, sie ohne Nachteil für das Resultat entbehren zu können.Ist das verwendete
Negativ im Allgemeinen zu dünn, so wird den Kopien, bei allen sonstigen Vorzügen die
tiefe Schwärze mangeln, das Bild daher einen flauen, kraftlosen Eindruck machen. In
solchen Fällen kann mit sehr geringem Aufwand an Zeit und Mühe, durch geschickte
Verstärkung der tiefen Schatten ein vorzüglicher Effekt erreicht werden. Ebenso kann von
Negativen mit klaren, breiten Schatten ein gutes Bild erzielt werden, wenn man, der stark
gedeckten Lichter wegen, mit einem weich arbeitenden Papiere kopiert und die Schatten
unter verständiger Schonung der etwa noch angedeuteten, oder doch hingehörenden Details
vertieft. Bei Reproduktionen können selbst bei tadellosen, orthochromatischen Aufnahmen
einzelne Partien, die im Original sich durch die Verschiedenheit der Farbe deutlich
unterscheiden, in der monochromen Wiedergabe völlig zusammenfallen; durch einfaches
Anlegen eines der Kopie genau entsprechenden Farbentones können solche Partien ihrer
subjektiven Helligkeit entsprechend getrennt werden, wodurch die auf photographischem Wege
nur auf Kosten anderer Partien mögliche Trennung umgegangen werden kann.
Für Platinkopien können die verschiedenen
Aquarellfarbe, je nach der Nuance des Bildes: Neutraltinte, Beinschwarz, Rebenschwarz und
für die braunen Quecksilber- oder Palladiumpapiere: Sepia, Siena, Umbra etc. verwendet
werden.Auch mit Kreide und Wischer lassen sich hübsche Resultate erzielen und ist
vielleicht diese Technik, weil sie schon in den Vorbereitungskursen jeder Zeichenschule
üblich ist, für Viele leichter ausführbar als die Aquarelltechnik. Die zuweilen
angewendete Kreideretusche in Strichlagen ist nach des Verfassers Ansicht zu vermeiden,
weil dadurch in das, durch die Schönheit der Halbtöne hervorragende, photographische
Bild ein minderwertiges, fremdes Element hineingetragen wird.
Die dem Platindruck zugänglichen rauhen
Papiere geben, unterstützt durch die Farbe und den Charakter der Bilder, Gelegenheit,
sich in Bezug auf die äußere Ausstattung lediglich von den allgemeinen Regeln des
künstlerischen Schaffens leiten zu lassen.
Die Ausstattung des Bildes soll an sich nebensächlich sein, so daß dieses selbst zu
voller Wirkung gelangt. So benutzt man bei den Erzeugnissen der graphischen Künste, des
Kupferstiches, der Radierung und des Holzschnittes breiten, weißen Papierrand, um die
ganze Aufmerksamkeit des Beschauers auf das Bild zu konzentrieren.Dieses Vorbild ist für
die Platinkopien nur selten zweckentsprechend, denn es fehlt ihnen zumeist der Gehalt des
Kupferdruckes, ihre Schönheit liegt weniger in der Kraft der tiefen Schatten, als in der
Modulation der Halbtons.Der Radierung und dem Stiche fehlt die weiche Verbindung der
Töne, man stellt sie durch das Unterlegen von gelblichem Chinapapier her, wobei
gleichzeitig eine Schwächung der Kontraste stattfindet.
Beim Platindruck soll der zarte Übergang der Schatten tunlichst klar bleiben und auch die
vorhandene Differenz der Töne leidet keine Schwächung, man benutzt daher für den Druck
weißes oder doch sehr hell gefärbtes Papier. Legt man ein Bild auf farbiges Papier, so
werden die hellen Bildstellen greller erscheinen und die dunklen Schatten treten dadurch
kräftiger hervor; benutzt man aber eine weiße Unterlage, so verlieren die hellen Töne
des Bildes ihre Wirkung, die Differenz der Töne wird verringert, die Brillianz den Bildes
nimmt ab. Ein Bild, das mit einem allgemeinen Ton belegt ist, das also keine rein Weißen
Lichter zeigt, wie die Heliogravüre, muß einen Weißen Papierrand erhalten, wobei das
gleichzeitig bewirkte Herabstimmen der Tonskala vorteilhaft auf die Stimmung des Bildes
wirkt.Beim Platindruck muß dagegen die Tondifferenz gehoben werden, man legt daher die
Kopie auf gefärbtes Papier. Wie ersichtlich, verlangt der Platindruck die gerade
entgegengesetzte Ausstattung der Heliogravüre, man kopiert auf weißem Papier und
kaschiert dieses auf einen farbigen Karton, während die Heliogravüre auf gelbem
Chinapapier gedruckt und mit einem breiten, Weißen Rande versehen wird.Seit einiger Zeit
liebt man es mit Hilfe des Platindruckes Heliogravüren zu imitieren, ein Vorgang, dem der
Verfasser aus obigen Gründen nicht zuzustimmen vermag.
Abgesehen davon, daß der Platindruck es nicht nötig hat, ein anderes Verfahren
vorzutäuschen, ist auch sonst kein Grund vorhanden, einem vielleicht guten Platindrucke
das Aussehen einer schlechten Heliogravüre zu geben.Der Platindruck wird auf einem
einfachen, diskret gefärbten Naturkarton am Besten zur Geltung gelangen; ein eventueller
schmaler weißer Rand wird als zierender Abschluß des Bildes weitaus vorteilhafter
wirken, als die üblichen lithographischen Lineamente und Arabesken.
Die Farbe des Kartons kann grau oder gelblich sein und es ist dessen Nuance für die
Wirkung des Bildes oft von großem Einfluß: sie steigert durch Kontrast die Farbe des
Bildes. Will man diese zur Geltung bringen, so gibt man den blauschwarzen Kopien eine
gelbliche, den braunen aber eine graue Kartonunterlage, soll sie aber eine Abschwächung
erfahren, so wird der umgekehrte Vorgang entsprechen. Für Kopien auf glattem Papier
empfiehlt es sich zuweilen, rauhe, stark gekörnte Kartons zu verwenden, wodurch die
Wirkung der glatten Töne im Bilde bedeutend gehoben wird.Bestimmte Regeln für die Wahl
des einen oder anderen Vorganges lassen sich selbstverständlich nicht geben, hier
entscheidet ausschließlich das künstlerische Empfinden, doch kann gerade auf diesem
Gebiete durch das Studien guter Vorbilder viel genützt werden.
Das Platin ist das gegen äussere Einflüsse
widerstandsfähigste Metall. Es verhält sich bei gewöhnlicher Temperatur höchst
indifferent gegen chemische Reagenzien, die einfachen Säuren, Alkalien und
Schwefelverbindungen sind ohne Wirkung auch auf feinverteiltes metallisches Platin und
selbst Chlor in gasförmigem Zustand oder in Wasser gelöst greifen es kaum an.Diese
Eigentümlichkeit des Platins erklärt das indifferente Verhalten des Platindruckes gegen
alle bei photographischen Silberbildern üblichen Ton- oder Abschwächungsprozeduren und
läßt eine enorme Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische Einflüsse
erwarten.Tatsächlich bestätigen auch die gemachten Erfahrungen und die in dieser
Beziehung durchgeführten Versuche diese Voraussetzung.
Dr. E. Vogel 26 hat angefeuchtete Platinbilder der Einwirkung von
Chlorgas ausgesetzt, ohne daß selbst nach mehreren Stunden eine Veränderung zu bemerken
war, während Albumin- und Eastmanbilder fast momentan verschwanden, und Liesegang 27 konstatierte die lange Unveränderlichkeit von
Platindrucken in feuchten Ammoniakdämpfen.
Nach Spiller
28 sind Platinbilder
unveränderlich bei der Einwirkung von Salpetersäure, Schwefelsäure, Salzsäure,
schwefliger Säure, Ätznatron, unterschwefligsaurem Natrium, Ammoniak und Cyankalium; nur
Schwefelammonium färbte das Bild schwach gelblich.
A.
Pringli 29 zeigte, daß
Albuminbilder in wässeriger Schwefelwasserstofflösung in 30 Minuten zerstört
wurden, und daß Platinbilder nur ein Gelbwerden zeigen.
Dr. E. Vogel hat nachgewiesen, daß das zuweilen beobachtete Vergilben der
Bilder bei der Einwirkung von Schwefelwasserstoff durch im Papier zurückgebliebene
Platinsalzreste verursacht wird.Selbst nach sorgfältigem Waschen bleiben Spuren dieses
Salzes in der Gelatineschicht des Papiers zurück und bei der Einwirkung von
Schwefelwasserstoff tritt dann unter Bildung von Schwefelplatin Gelbfärbung des Platins
ein, ohne daß jedoch das Bild selbst leiden würde.Bei Bildern, die auf Arrow-root-Papier
hergestellt wurden, trat dagegen diese Gelbfärbung gar nicht oder nur sehr schwach auf.
Da die Atmosphäre fast immer Spuren von Schwefelwasserstoff enthält, so soll Gelatine im
Platindruck tunlichst vermieden werden. Ein Gelbwerden der Papiers kann aber auch eine
andere Ursache haben. Es ist eine bekannte Tatsache, daß viele Papiere, besonders solche,
die eine Zumischung von Holzfasern enthalten, in verhältnismäßig kurzer Zeit vergilben
und in diesem Fall hat die Ausführung den Platindruckes mit dem Gelbwerden des Papiers
nichts zu schaffen.
In der von G. Pizzighelli und dem
Verfasser publizierten Broschüre »Die Platinotypie, 1882«
(erste Auflage) ist eine Beilage enthalten, die schon nach einigen Jahren einen vollkommen
gelblichen Ton angenommen hatte, während das Bild nicht die geringste Veränderung
aufweist. Daß in diesem Fall tatsächlich nur ein Vergilben des Papiers eintrat, lehren
die der Broschüre beigehefteten Papiermuster, die den ganz gleichen, gelben Ton
angenommen haben. Aus dieser Zeit stammende Drucke auf Rivespapier haben sich vollkommen
unverändert erhalten.
Die Haltbarkeit der braunen, mit Palladium
oder Quecksilber hergestellten Platindrucke ist noch wenig studiert, doch ist kaum zu
zweifeln, daß auch diese Kopien vollkommen haltbar sein werden. Werden die Bilder
genügend lange mit Salzsäure behandelt, so können nur Spuren der genannten Metalle in
der Kopie zurückbleiben.
Ammoniak, Säuren und Schwefelwasserstoff sind
ohne Wirkung auf das braune Platinbild, dagegen tritt durch feuchtes Chlor oder durch
Bromdampf eine Bleichung ein. Es scheint daher das Platin in der braunen Modifikation
gegen diese Agenzien, die allerdings
zu den energischsten gehören, nicht ganz widerstandsfähig zu sein.Wird das Auswaschen
der Platinbilder nicht genügend sorgfältig vorgenommen, so bleiben Spuren der Säure im
Papier zurück und dieses wird nach kurzer Zeit mürbe und brüchig.
Das Bild wird dabei in keiner Weise geschädigt. Dieser Umstand ist besonders bei Plänen
und Karten, die in Archiven hinterlegt werden sollen, von großer Wichtigkeit.Die
vorstehenden Erörterungen erlauben bezüglich der Haltbarkeit von Platindrucken folgende
Schlußfolgerungen:
Der Platindruck muß als vollkommen haltbar
bezeichnet werden und Übertrifft in dieser Beziehung jede andere photographische Kopie.
Um eine Veränderung des Papiers zu
verhindern, hat man:
a) nur reine surrogatfreie Papiersorten zu benutzen,
b) Gelatine als Vorpräparation und Zusatz zur Sensibilisierung tunlichst zu vermeiden,
c) die letzten Reste Salzsäure durch sorgfältiges Waschen und Anwendung von alkalischen
Mitteln (Soda, Ammoniak etc.) vollständig zu entfernen.
Es ist ein entschiedener Fehler, wenn man den
Platindruck unter allen Verhältnissen zur Anwendung bringen will, denn er ist nicht
imstande, die anderen Kopierverfahren zu ersetzen und soll nur benutzt werden, wenn seine
Eigentümlichkeiten dem Bilde zum Vorteile gereichen.Der Reiz das Platindruckes liegt in
dem modesten, durchaus homogenen Farbenton, in der Modulation der Mitteltöne und den
weichen Details in den Lichtern. Diese Eigenschaften kommen jedem halbwegs guten
Platindruck zu, aber erst durch die gleichzeitige, entsprechende Wiedergabe der
Schattenpartien, erhält das Bild jenen Effekt, der uns voll befriedigt.
In der Wiedergabe dieser Teile liegt nun die Schwierigkeit des Platindruckes.
Die Kopie auf mattem Papier fordert unbedingte Schwärze in den Schatten, denn es fehlt
ihr der vertiefende Glanz des Albuminpapiers. Diese Forderung ist nicht leicht zu
erfüllen, denn sie macht eine Übereinstimmung zwischen der Beschaffenheit des Negativs
und dem Charakter des Papiers notwendig. Die Schattenteile des Bildes müssen aber auch
eine genügende Modulation aufweisen, eine weitere Forderung welcher der Platindruck nur
schlecht entspricht.Dieser allbekannte, kaum zu beseitigende Fehler der Platinbilder mag
zum Teil in dem photographischen Verhalten der lichtempfindlichen Eisensalze und im
Prinzip der Entwicklungsmethode, zum Teil in dem Mangel einer transparenten Bildschicht
liegen.
Tatsache ist es, daß nur Negative mit reichlich ausgezeichneten Schatten gute
Platindrucke geben. Das Verfahren braucht also Negative, welche eine passende Deckung der
Lichter und kräftige Detailzeichnung der Schatten aufweisen. Besitzt das Objekt selbst
schon breite, mäßige, wenig detaillierte Schatten, so kann auch das Negativ dieser
Forderung nicht entsprechen und solche Bilder sind für den Platindruck schlecht geeignet,
der Albumin- oder Pigmentprozeß liefert dann bessere Resultate. Im schmucklosen
Platinbild kommt das Objekt zur vollen Geltung, denn weder die warme Farbe der
Silberphotographie, noch ihr bestechender Glanz lenken die Aufmerksamkeit des Beschauers
ab.
Der Platindruck hat sich daher besonders in Amateurkreisen eingebürgert, welche die
Photographie fast ausschließlich in künstlerischem Sinne pflegen.Man macht dem Publikum
oft den Vorwurf, daß es sich mit dem Platindruck nicht befreunden, daß es auf den Glanz
und die Farbe der Silberkopie nicht verzichten will. Mag diese Erscheinung auch zum Teil
bestehen und auf das gewohnte Aussehen der »Photographie« zurückzuführen sein, so
zeigt anderseits die freundliche Aufnahme der Photogravüre, daß es nicht nur Glanz und
Farbe ist, die das Publikum fordert. Für kleine Portraits ist der Platindruck nur selten
geeignet, denn abgesehen davon, daß eine Kopie auf mattem Papier stets weniger reich an
Details ist, machen sich auch alle früher erwähnten Mängel bei einem kleinen Bilde
leichter bemerkbar. Wenn nun das Wesen eines Portraits lediglich in der Ähnlichkeit
gesucht wird, wenn ein flauer Druck, ohne Brillanz mit monotonen breiten Schatten als
Platindruck gerühmt wird, dann hat der Besteller recht, wenn er das Bild nicht akzeptiert
und seine Vorzüge durchaus nicht einsehen will.Nur ein schönes Bild, ein technisch
vollendetes Negativ soll in Platin kopiert werden, es wird dann in vornehmer Eleganz zur
vollen Wirkung gelangen und allgemeine Anerkennung finden.
ENDE
Anmerkungen:
1)
Handbuch der Photographie, 4. Teil, 2. Heft
2)
Photograph. Correspondenz 1889, S. 420 und 609
3) Phot. News 1882, S.
157
4) Eder, Jahrbuch
1888, S. 334
5)
Liesegang, Phot. Archiv 1890, S. 129
6) Ebenda 1889, S. 301
7)
Liesegang, Phot. Archiv 1891, S. 291
8) Phot.
Correspondenz 1893, S. 29
9) Phot.
Correspondenz 1893, S. 29
10) Phot. Archiv
1891, S. 170
11) Phot.
Rundschau 1887, S. 157
12) Phot.
Correspondenz 1893, S. 29
13)
Phot. Correspondenz 1893, S. 286 u. 1894, S. 336
14)
Stolze, Phot. Wochenblatt 1888, S. 110
15)
Stolze, Phot. Wochenblatt 1888, S. 302
16)
Stolze, Phot. Wochenblatt 1889, S. 26
17) Phot.
Correspondenz 1887
18) Phot.
Rundschau 1894, S. 72
19)
Stolze, Phot. Wochenblatt, 1888, S. 397
20) Wiener
phot. Blätter 1894, S. 193
21)
Bulletin de la Soc. franc. Februar 1894. Photogr. Chronik 1894, Nr. 16
22)
The Journal of Camera-Club 1892, Photogr. Correspondenz 1893, S. 28
23)
Photogr. Mitteilungen 1887-1888, S. 233
24)
Atelier des Photographen 1894, Heft 3
25)
The Journal and Transactions of the Photographic Society, 27.März 1894. Photogr.
Rundschau 1894, S. 225
26)
Photogr. Mitteilungen 1886/87, S. 325
27) Photogr.
Archiv 1890, S. 137
28) Phot. News 1880,
S. 1119
29) Phot.
Wochenblatt 1887, S. 91 |